Die Stimme der Berner Altstadt

Die Berner Altstadt lebt nicht von der Architektur allein. Ihr Gesicht wir von Menschen geprägt, die in ihr leben. In seinem Film «Altstadtlüt» hat Alberto Veronese 17 alte Menschen zu Wort kommen lassen, die der Berner Altstadt eine Stimme geben.

17 Gesichter, 17 Geschichten: Der Film zeigt eine lebendige Altstadt.

17 Gesichter, 17 Geschichten: Der Film zeigt eine lebendige Altstadt. Bild: zvg

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War man es nicht sowieso längst schon, so ist man es nach Alberto Veroneses Film «Altstadtlüt»: verliebt in die Berner Altstadt. Doch diesmal geht die Liebe tiefer. Sie richtet ihren Blick nicht allein auf ihr schönes Äusseres, die Architektur, sondern dringt hinein in die Seele der Altstadt. Und die machen zweifellos ihre Bewohner aus.

Diejenigen, die seit Jahren in ihr leben, in ihr geboren oder aufgewachsen sind. Vielleicht muss man gar – wie der italienische Filmemacher Alberto Veronese, der seit einem guten Jahr in der Berner Altstadt lebt – von aussen kommen, um Herz und Kopf der Altstadt interessierter und intensiver zu erspüren.

Filmvorführung im engen Kreis im Berner Münster

Am vergangenen Dienstag wurde «Altstadtlüt» in Anwesenheit des Filmemachers Alberto Veronese, der Redaktorin Indra Spuler, dem kleinen Team und einigen der Protagonisten im Herzen der Altstadt, dem Berner Münster, gezeigt. Er habe den Film, sagte Veronese, unabhängig und mit Herzblut produziert und allein durch Spenden finanziert. Was dabei rauskam, ist ein kleines Juwel.

Neun Männer und acht Frauen – ihre Gesichter und teilweise ihre Namen sind denjenigen, die in Berns Gassen auf und ab gehen, allesamt bekannt – geben mit ihren einzelnen Statements Berns Altstadt ein Gesicht. Ein Gesicht, von dem sich der Zuschauerblick gar nicht mehr lösen will. Weil es weise, kreativ, individuell und mutig ist. Wenn die Protagonisten in der Schatzkiste ihrer Erinnerungen wühlen, kommt so manch verlorene Perle zum Vorschein.

Ein stimmiges Ganzes voller Anekdoten und Geschichten

Der Film ist ein Dokument, weil sich darin Bruchstücke von Berns Geschichte der vergangenen hundert Jahre finden. Die Zitate sind zum Schmunzeln, frisch ab Herz und somit berührend. Veronese zeigt seine Protagonisten nur im Porträt. Weil die Zuschauer so durch nichts abgelenkt werden, hebt sich das Gesagte hervor. Aus diesem Grund und weil sein Film kein Dokumentarfilm sei, würden die Namen der Protagonisten erst am Filmende eingeblendet, sagt Veronese. Das allerdings ist schade. Gern würde der Zuschauer wissen, wer nun dies oder das sagt, um sich besser orientieren zu können. Veronese schuf aus verschiedenen Interviewausschnitten ein stimmiges Ganzes. Die Kamera führt er so, dass die Gesichter Zeit haben, sich zu offenbaren. Weil nichts beschönigt wird, kann die Schönheit der Gesichter erstrahlen.

«Altstadtlüt» ist prall an Anekdoten und Geschichten. Da erfährt man, dass das Brunngässli ein Hurengässli war, dass im Güterbahnhof Altstadtkühe verladen wurden, dass es in der Schweiz früher fast nur Käser gab oder dass die Passagiere im Winter aus dem Tram steigen mussten, um es bei Schnee und Glätte den Berg hoch zu schieben. «Wär het chönne, isch de när wider ufgschprunge.» Sonja L. BauerInfos: www.altstadtlüt.ch.

Der Film läuft zurzeit im Kellerkino Bern. Telefon: 031 3113805. >

Erstellt: 23.12.2013, 13:20 Uhr

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