«Die Stadt darf nicht für das Nein aus den Gemeinden büssen»

Bern

Die Stadt Bern wollte das Tram, Ostermundigen und Köniz wollen es nicht. Das heisst für den Kanton: «Wir konzentrieren uns jetzt auf die Lösung der Verkehrsprobleme in der Stadt Bern.» Das sagt Regierungsrätin Barbara Egger (SP).

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Barbara Egger, was für eine Ohrfeige für die Behörden: Ostermundigen und Köniz wollen das Tram Region Bern nicht.Barbara Egger: Darüber bin ich natürlich enttäuscht. Ganz wesentlich finde ich aber die Tatsache, dass die Stadt Bern, in der die Verkehrsprobleme am grössten sind, dem Tramprojekt deutlich zugestimmt hat – und das in allen Stadtteilen.

Ein schwacher Trost, denn das Tram ist dennoch vom Tisch. Ja, dieses Projekt ist gestorben. Für die weitere Verkehrsplanung ist das Ja der Stadt Bern zum Tram aber ein deutliches Signal.

Inwiefern? Die Stadt Bern darf nicht für das Nein aus den Gemeinden büssen. Der Kanton wird mit der Stadt Bern schauen, dass wir eine Lösung für die massiven Verkehrsprobleme und Überlastungen finden.

Mit dem Nein zum Tram Region Bern ist die Entwicklung in der Stadt also nicht blockiert. Das darf nicht sein. Die Neugestaltung des Eigerplatzes hat nun Priorität. Schliesslich findet eine grosse Mehrheit in der Stadt, dass etwas getan werden muss.

Sie sagten immer, es gebe keinen Plan B für das Tram Region Bern. Gibt es einen Plan C? Nein. Das Tram Region Bern ist gestorben. Für mich ist klar, dass es in absehbarer Zeit kein Tram nach Ostermundigen geben wird und auch keines nach Köniz.

Das Projekt zu überarbeiten wie seinerzeit nach dem ersten Nein zum Tram Bern West, ist keine Option? Nein. Anders als beim Tram Bern West haben wir kein klares Signal, was wir denn ändern müssten, damit das Projekt mehrheitsfähig wäre. Wir werden nicht in ein paar Monaten ein besseres vorlegen. Diesbezüglich haben die Gegner etwas Falsches versprochen. Wir haben acht Jahre für das Tram Region Bern geplant und zig Varianten geprüft. Die Kritikpunkte sind derart unterschiedlich, wir wüssten gar nicht, wo ansetzen.

Heisst dieses Nein, dass auch künftige Tramprojekte einen schweren Stand haben werden? Setzt man nun auf Busse? Das Tram als Verkehrsmittel ist nicht infrage gestellt. Vor allem nicht in der Stadt Bern. Mit Bussen löst keine Stadt und keine Agglomeration die Kapazitätsprobleme im öffentlichen Verkehr. Wir haben in Bern-West super Erfahrungen gemacht mit dem neuen Tram. Wir werden uns in den nächsten Jahren auf die Stadt Bern konzentrieren.

Was passiert in Ostermundigen und Köniz? Dorthin wird man weiterhin in überfüllten Bussen fahren müssen. Ich bedaure das. Aber das Volk hat so entschieden. Der Kanton erwartet nun Vorschläge aus den Gemeinden, wie es weitergehen soll.

Weshalb haben Ostermundigen und Köniz Nein gesagt? Das Nein aus Köniz hatte sich abgezeichnet. Was mich sehr überrascht hat, ist das Nein aus Ostermundigen. Dafür habe ich keine Erklärung. Ich finde es allgemein schwierig, dieses Abstimmungsergebnis zu interpretieren. Was heisst das jetzt? Vor allem, weil Bern so deutlich Ja gesagt hat.

Ja, was heisst das? Wagen Sie eine Interpretation. Ich glaube, in Bern hat man erkannt, wie gross der Nutzen dieses Trams gewesen wäre. In der Stadt ist man sich bewusst, dass wir eine gesamtheitliche Verkehrslösung brauchen, wenn die Busse derart überfüllt sind. Das Bewusstsein für eine gemeindeübergreifende Lösung war in der Stadt am grössten.

Ist man in den Nachbargemeinden einfach noch nicht bereit für ein gemeinsames Projekt? Vielleicht hat auch einfach die Angst vor einer Veränderung den Ausschlag gegeben. In beiden Gemeinden ist man nicht bereit dafür. In Köniz spielte die Angst um das Kulturland eine grosse Rolle.

Wenn Sie selbstkritisch sind: Haben die Behörden und Befürworter den Abstimmungskampf nicht einfach verschlafen? Hätten sie mehr machen müssen? Den Behörden sind die Hände gebunden. Wir dürfen nicht aktiv in den Abstimmungskampf eingreifen. Propaganda wurde uns dennoch vorgeworfen. Ich glaube, den Gegnern ist es gelungen, mit Emotionen für Verunsicherung zu sorgen. Und wer verunsichert ist, stimmt eher Nein.

Aber noch einmal: Hätte das Befürworterkomitee diesen Emotionen nicht etwas entgegensetzen müssen? Positive Emotionen zum Beispiel? Es war schwierig, gegen diese negativen Emotionen anzukommen. Die Befürworter wollten auch nicht Öl ins Feuer giessen. Sie wollten sachlich und fair bleiben. Im Nachhinein kann man vielleicht sagen, sie hätten sich mehr Gehör verschaffen müssen.

Das einzige Tramprojekt, das angenommen wurde, ist die Verlängerung nach Kleinwabern. Wieso dieses Ja im Kleinen und das Nein zum Grossen? Ich glaube, weil dort schon ein Tram fährt. Weil man es kennt und schätzt. Man will ein verlängertes Tram, aber kein neues.

Berner Zeitung

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