Bern

Die Schweizer Briefmarke feiert Jubiläum

BernSeit 175 Jahren gehören Briefmarken zum Alltag in der Schweiz. Von ihnen berichtet unter anderem eine grosse Briefmarkenschau zum Jubiläum im Berner Museum für Kommunikation.

Kronjuwelen der Philatelie - Die Schweizer Briefmarke feiert Geburtstag.
Video: SDA

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Kurt Rolli war neun Jahre alt und hatte fürchterlich Zahnweh, als die englische Königin Elisabeth in sein Leben trat. Nicht, dass «Her Royal Highness» je einen Fuss ins bernische Lyss gesetzt hätte. Rolli begegnet dem Bildnis der jungen Königin im Kleinformat.

Weil der neunjährige Kurt vier Zähne ziehen lassen musste, schenkte ihm die Mutter 50 Rappen pro Zahn für seine Tapferkeit. Damit erstand sich der Knabe aber nicht etwa Schokolade, sondern eine Briefmarke, auf der die sechsjährige Elizabeth abgebildet war, die 1953 zur Königin von England gekrönt werden sollte.

Rolli gefiel das Königskind wohl auch deshalb, weil es seiner eigenen Schwester ein bisschen ähnlich sah, wie der Knabe fand. Aus dieser kleinen Begebenheit entwickelte sich eine Sammelleidenschaft, die den späteren Postverwalter von Lyss nie mehr loslassen sollte. In über 50 Jahren sammelte er rund eine Vierteilmillion Briefmarken, wie man in der Ausstellung erfährt.

Schnelle Zürcher

Die Zürcher waren die ersten, die 1843 Briefmarken druckten, die «Zürich 4 und 6» wie die Wertzeichen in Sammlerkreisen heissen. Benannt sind sie nach ihrem Herkunftsort und dem Postwert von vier und sechs Rappen. Nach Zürich führten auch Genf und Basel Briefmarken ein - ja genau, das legendäre «Basler Dybly».

«Vor 175 Jahren zählte die Schweiz zur Avantgarde, führte sie doch als zweites Land überhaupt die Briefmarke ein», wie Jacqueline Strauss, Direktorin des Museums für Kommunikation, am Mittwoch betonte.

Vor der Erfindung der Briefmarke hätten jeweils die Empfänger die Boten für die Sendungen bezahlt - «oder manchmal eben auch nicht», wie Strauss vielsagend anfügte. Die vom Sender im Voraus bezahlte Marke revolutionierte das Postwesen.

Landesmutter mit «Krisen-Frise»

Für die ersten Briefmarken waren damals noch die Kantone zuständig. Erst 1849 bekam der moderne Bundesstaat ein einheitliches Postwesen. Seit 175 Jahren begleiten Briefmarken die Schweizerinnen und Schweizer durch den Alltag.

Und die Kleinformate erzählen grosse Geschichten, etwa vom noch jungen Bundesstaat, der seine Briefmarken mit Symbolen nationaler Einheit schmückte, mit Wilhelm Tell und Helvetia. Weil die Landesmutter aber mit etwas zerzauster Frisur abgebildet war, erhielt die Briefmarke flugs den Übernamen «Strubeli».

Die Briefmarken bilden aber auch den technischen Fortschritt nach den beiden Weltkriegen ab, beispielsweise den Staumauerbau in den Alpen. Auch Populärkultur hielt Einzug in die Welt der Briefmarken: man denke etwa an die Pingu-Briefmarke, die nach Schokolade duftende «Schoggi-Briefmarke» oder an die Roger Federer Briefmarke. Mit dem Schweizer Tennisstar wurde 2007 erstmals eine noch lebende Persönlichkeit auf einer Schweizer Marke verewigt.

Stelldichein der Seltenen und Teuren

Getreu dem Ausstellungsmotto «Extrem», sind im Museum für Kommunikation extrem frühe, extrem seltene und extrem teure Briefmarken zu sehen.

Alle sind sie da: das «Basler Dybly», die «Doppelgenf», eine blaue und eine rote «Maurizius», fein säuberlich präsentiert in gesicherten und bewachten Vitrinen. Das Museum für Kommunikation spricht von einer millionenschweren Briefmarkenschau. Natürlich fehlt auch der erste mit einer Briefmarke frankierte Brief der Schweiz nicht. Zu bestaunen sind die Schönheiten und Raritäten vom 2. März bis am 8. Juli. Die Ausstellung konzipierte das Kommunikationsmuseum zusammen mit der Interessengemeinschaft Briefmarke.

Hier gibts weiter Infos. (mib/sda)

Erstellt: 28.02.2018, 16:16 Uhr

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