Die Schätze der Fischer vom Thunersee

Belp

Die Geschichte der Campagne Oberried ist eng mit derjenigen der Familie von Fischer verknüpft. In einem Buch werden das Haus und seine Bewohner vorgestellt.

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Rudolf von Fischer kennt keine Zweifel. Er legt sich schon mal mit Experten an, wenn es um die Campagne Oberried in Belp geht. Auch wenn etwa nicht wissenschaftlich belegt ist, wer die schöne Decke im Festsaal geschaffen hat – er selber meint es genau zu wissen. «Und ich habe immer recht», sagt von Fischer und freut sich diebisch. Auch ist es ja nicht zuletzt sein Verdienst, dass die Campagne seit einigen Jahren in neuem Glanz erstrahlt.

Nun hat die Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte das Landgut oberhalb der Seftigenstrasse entdeckt. Sie widmet ihm die neueste Ausgabe des Schweizerischen Kunstführers. Auf 50 Seiten stellt Autor Jan Straub die Campagne, ihre Geschichte und Schätze, Besitzer und Bewohner vor. Gestern fand die Vernissage samt einer Führung durch das Haus statt – durch das Vestibül, den Speise- und den Festsaal und natürlich den prächtigen «Göttersalon».

«Er ist ein besonderes Juwel», sagte Straub. Herzstück ist die Göttertapete, eine Wandverkleidung, die um 1725 in Paris erschaffen wurde und früher das Stammschloss der Familie, Reichenbach bei Zollikofen, schmückte. Auf der Tapete sind sieben römische Gottheiten abgebildet, die für jeweils einen Wochentag und Planeten (etwa Saturn oder Jupiter) stehen. Seit 2002 befindet sie sich in der Campagne.

1735 gebaut

Das Herrschaftshaus wurde um 1735 von Victor Fischer (1709 bis 1750) gebaut. Der Schriftsteller Rudolf von Tavel verbrachte hier Kinderjahre. «Schön, grossartig und heimelig zugleich», rühmte er später das Anwesen. Über die Entstehung ist wenig bekannt, die Pläne sind verschollen. Falls jemals jemand einen Hinweis erhalte, würde er es gerne erfahren, sagte Hermann von Fischer zu den Gästen an der Vernissage. Auch er ist ein Spross der Familie und zudem ehemaliger kantonaler Denkmalpfleger. «Es ist alles möglich», sagte er, «vielleicht liegen sie auf irgendeinem Estrich bei einem Notar.»

Besser dokumentiert ist die Familiengeschichte, die am Thunersee begann. Berühmt wurde die Familie durch Beat Fischer (1641 bis 1698), den Gründer der bernischen Post. «Er war ein Unternehmergenie», sagte Rudolf von Fischer. Er betrieb auch eine Ziegelei, eine Brauerei und eine Seidenzucht. Auf den «Postfischer» gehen heute noch drei Stämme zurück. Allerdings kennt die Familienhistorie auch dunkle Seiten, etwa Streitereien zwischen den Stämmen oder Frauengeschichten. «Man soll das nicht verschweigen, das gehört zu einer jeden Familie», sagte Rudolf von Fischer.

Die Campagne befand sich nicht immer im Familienbesitz. Zuweilen beherbergte sie ein Kurhaus. Auf Anregung von Rudolf von Fischer kaufte aber 2001 die «Stiftung der Familie von Fischer (von Reichenbach)» Herrschaftshaus, Stöckli und Park zurück. Heute befinden sich darin Wohnungen. Der Festsaal steht für kulturelle Anlässe offen.

Kunstführer: «Die Campagne Oberried ob Belp» von Jan Straub ist erhältlich unter Link Info: www.campagne-oberried.ch >

Berner Zeitung

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