Die Post steht auf der Kippe

Wichtrach

Der Chef ist weg, die Post sucht den Dialog: Die Tage der gelben Schalter in Wichtrach sind gezählt.

Stephan Künzi

Zieht sich die Post jetzt auch aus Wichtrach zurück? Im Dorf macht die Nachricht die Runde, der gelbe Riese werde seine Büros an der Schulhausstrasse schliessen, und das hat sehr gute Gründe.

Erstens steht Wichtrach seit zwei Jahren auf der Liste jener Poststellen, die in den nächsten Jahren auf ihre Daseinsberechtigung hin überprüft werden. Zweitens steht das Postbüro seit dem Abgang des Leiters im vergangenen Herbst ohne Chef da, weil die Verantwortlichen die Stelle nicht wieder besetzt haben. Dafür melden sie sich nun drittens bei den Behörden, um über die Zukunft der Post im Dorf zu reden. Dass einem solchen Gespräch in der Regel irgendwann das Aus des Schalters folgt, zeigen die Erfahrungen anderer Gemeinden.

Noch übt sich Gemeindepräsident Hansruedi Blatti (FDP) in Zurückhaltung und verweist für weitere Auskünfte an die Post. Dort bestätigt die zuständige Kommunikationsverantwortliche Antoinette Fäh immerhin, man werde «den Dialog mit der Gemeinde Wichtrach demnächst aufnehmen». Gleichzeitig betont sie aber, dass damit überhaupt nichts entschieden sei. Das Ergebnis der Überprüfung sei «noch offen».

Damit bleibt auch unklar, wie ein Ersatz für das Postbüro aussehen könnte. Naheliegend ist allerdings eine sogenannte Agentur. Bei diesem Modell geht die Post eine Partnerschaft mit einem Dritten ein. Meist führt ein Laden, manchmal auch die Gemeindeverwaltung, die gängigen Postgeschäfte vor Ort weiter.

Grösse schützt nicht

Dass mittlerweile Gemeinden mit 3000 Einwohnern ihre Post nicht mehr auf sicher haben, zeigen die Beispiele Seedorf und Grossaffoltern aus der jüngeren Vergangenheit. Nun ist mit Wichtrach eine Gemeinde mit über 4000 Einwohnern an der Reihe. Und sogar 6000er-Gemeinden müssen damit rechnen, das Postbüro zu verlieren. Bekanntestes Beispiel dafür ist Bolligen, wo Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber wenigstens ankündigen kann: Mittlerweile datiere die Post den frühesten Rückzugstermin nicht mehr auf Ende 2019. Sondern auf Ende 2020.

Berner Zeitung

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