Die Liebesbriefe des untreuen Einstein

Bern

Das Historische Museum zeigt während kurzer Zeit bisher unbekannte Briefe des Physikers Albert Einstein. Pikant sind Liebesbriefe, welche der Verheiratete an seine Geliebte schrieb.

Museumsdirektor Jakob Messerli hat zahlreiche Briefe erhalten, die Albert Einstein geschrieben hat.

Museumsdirektor Jakob Messerli hat zahlreiche Briefe erhalten, die Albert Einstein geschrieben hat.

(Bild: Stefan Anderegg)

«Geliebte Marie! Heute Morgen wollte ich zu Dir fahren, weil ich es vor Sehnsucht nicht mehr aushalten zu können glaubte»

Das schreibt Albert Einstein 1910. Er ist 31-jährig, hat an der ETH Zürich eine Professur inne und ist seit sieben Jahren verheiratet. Aber nicht mit Marie, sondern mit Mileva Maric.

Die Adressatin des Liebesbriefes ist seine Jugendfreundin. Einstein hat sie Ende des 19.Jahrhunderts in Aarau kennen gelernt, als er sich an der Kantonsschule auf die Matura vorbereitete und bei der kinderreichen Gastfamilie Jost und Pauline Winteler Unterschlupf fand.

«Ich bin so unglücklich»

Bislang ging die Forschung davon aus, dass Einsteins Interesse an Marie Winteler nach der Gymnasialzeit erloschen war. Der Brief von 1910 wirft nun ein neues Licht auf die Beziehung zu seiner Jugendliebe – und auf jene zu seiner Frau Mileva Maric.

An seine Geliebte schreibt er: «Ich denke an Dich in jeder freien Minute und bin so unglücklich, wie nur ein Mensch sein kann.» Ehegatte Einstein, dessen Frau Mileva den zweiten Sohn erwartet, spricht von «verfehlter Liebe» und einem «verfehlten Leben».

Und: «Weisst Du noch, wie selig wir waren auf dem Gurten, im Bremgartenwald und in Zollikofen? Für mich bedeuten diese Stunden den Höhepunkt des Lebens.»

Briefe waren zerrissen

Der Originalbrief wird im Historischen Museum präsentiert. «Wir haben in den letzten Jahren mehrere Briefe von Einstein und seiner Schwester Maja erhalten», sagt Museumsdirektor Jakob Messerli.

Unter den Schriftstücken befinden sich einige mit Formeln bespickte, wissenschaftliche Abhandlungen. Rund hundert weitere Briefe aber sind privaten Inhalts und stammen aus dem Nachlass der Familie Winteler. «Viele dieser Briefe waren zerrissen», sagt Messerli.

Eine kleine Auswahl dieser Briefe wird nun für kurze Zeit im Historischen Museum präsentiert, nämlich in der Einstein-Woche, die heute beginnt und bis zum 19.April dauert. Während dieser Zeit gilt freier Eintritt ins Einstein-Museum. Gefeiert werden unter anderem 500'000 Besucherinnen und Besucher in der Einstein-Ausstellung sowie 100 Jahre Allgemeine Relativitätstheorie.

Berner Zeitung

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