«Die Lage ist weiterhin kritisch»

Schangnau

Nach dem verheerenden Unwetter durchleben die Menschen im Emmental bange Zeiten. Weiterer Regen bereitet den Hilfskräften Sorgen. Bundesrat Schneider-Ammann sprach den Menschen vor Ort Mut zu.

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Bundesrat Johann Schneider-Ammann besuchte das Unwettergebiet zusammen mit dem bernischen Regierungsrat Hans-Jürg Käser - ganz ohne Aufhebens, wie der Informationschef des Führungsstabs Emmental, Georges Wüthrich, auf Anfrage sagte. Diese Geste sei von der Bevölkerung sehr geschätzt worden.

Nach dem verheerenden Unwetter vom Donnerstag regnete es erneut stundenlang im Emmental. Bäche in Seitengräben gingen wieder über die Ufer. Grössere Schäden in bewohntem Gebiet richteten sie aber nicht an. Die Emme stieg erneut an, trat aber nicht über die Ufer. Die Abflussmenge der Emme bei Eggiwil ist am Samstag von 9 Uhr morgens bis um 12.30 Uhr von 7 auf 80 Kubikmeter pro Sekunde angestiegen, wie auf der kantonalen Seite für Naturgefahren abzulesen ist.

Am Ende der Kräfte

Die rund siebzig seit Donnerstag mit Aufräumarbeiten beschäftigten Einsatzkräfte mussten vorübergehend in Sicherheit gebracht werden. Erst im Verlauf des Nachmittags liess der Regen nach. Die Schwierigkeit bestand am Samstagnachmittag darin, die im Einsatz stehenden Hilfskräfte nicht in Gefahr zu bringen. Daher waren nur noch die nötigsten und dringlichsten Arbeiten möglich. Die bis anhin getätigten Arbeiten und Fortschritte wurden zum Teil durch die erneuten Niederschläge zunichtegemacht oder zumindest zurückgeworfen, wie aus einer Medienmitteilung des Regierungsstatthalters hervor geht.

Schadengebiet Bumbach gesperrt

Sowohl die Kantonsstrasse Eggiwil Richtung Schangnau, wie auch die Hauptstrasse Schallenberg von Wiggen Richtung Thun sind momentan aufgrund von Wasser auf der Fahrbahn gesperrt, wie auf der Homepage der TCS zu vernehmen ist. Die bereits kurz vor der Eröffnung stehende Strasse ins Kemmeribodenbad wurde erneut verschüttet.

Erste Probleme gibt es auch auf den Alpen rund um Schangnau. Die Tiere können nicht raus, und das Futter wird knapp, wie Georges Wüthrich, Informationschef des Führungsstabs Emmental, ausführte. Wahrscheinlich müsse Heu hochgeflogen werden. Für die unwettergeplagte Bevölkerung ist dies alles eine enorme Belastung. Viele Betroffene seien am Ende ihrer Kräfte, beschrieb Wüthrich die Lage. Das Careteam des Kantons Bern musste inzwischen aufgestockt werden.

Der Regen hält an

Die Lage sei aber weiterhin kritisch, sagte Wüthrich. Und auch die Wettervorhersagen für die kommende Woche lassen nicht aufatmen. In der Region sind Gewitter am Abend angekündigt, die in teils kräftigen Regen übergehen, der erst am Sonntagvormittag nachlässt. Der starke Regen soll Mengen zwischen 20 und 40 Litern pro Quadratmeter innert 18 Stunden bringen, wie auf Meteocentrale angekündigt wird.

Und auch die Wettervorhersagen für die kommende Woche lassen nicht aufatmen. Am Montag und Donnerstag rechnen die Meteorologen laut Wüthrich erneut mit viel Regen. Da wieder mit erheblichen Regenfällen zu rechnen ist, wird am Sonntag mit rund 47 Einsatzkräften mit Hockdruck an stark gefährdeten Stellen weitergearbeitet. Ab Montag werden rund 150 Angehörige der Feuerwehr und des Zivilschutzes im Einsatz stehen.

Der Kantonspolizei Bern lagen keine Meldungen über Unwetterschäden von Freitagnacht oder Samstagvormittag vor, wie ein Sprecher gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz bestätigt. Einzig in Brienz musste die Feuerwehr sich um einen angestauten Bach kümmern und in Lanzenhäusern drang Wasser in ein Gebäude.

Jahrhunderthochwasser und die Lage danach

In einem Teil des Emmentals kam es am Donnerstagmorgen wegen Starkregen zu Überschwemmungen. Grosse Teile des Dorfs Bumbach wurden überflutet und Bauernhöfe und ein Hotel waren nicht erreichbar. Bis zum Donnerstagabend musste gar ein Jahrhunderthochwasser verzeichnet werden. In der Region Schangnau bestand aufgrund des Hochwassers Alarmbereitschaft. Noch am Donnerstag und Freitag liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren.

Die Region erlebte ein Hochwasser, wie es statistisch nur etwa alle dreihundert Jahre vorkommt. Bereits 2008 und 2012 wurde die Region von Unwettern heimgesucht.

Für die betroffene Bevölkerung wurde unter der IBAN-Nr. CH73 0630 0020 0030 1541 0 mit dem Vermerk «Unwetterschäden» von der Gemeinde Schangnau ein Bankspendenkonto eingerichtet.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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