Ortschwaben

Die Heubüni soll neu belebt werden

OrtschwabenÜber Jahre war der Dachstock auf dem Hof der Familie Rüedi ein Ort für Feste und Konzerte. 2010 musste das Kulturlokal schliessen, da es nicht zonenkonform war. Jetzt sollen neue Projekte realisiert werden.

Das Schild erinnert an alte Zeiten. Im Dachstock auf dem Hof der Familie Rüedi soll neues Leben einkehren.

Das Schild erinnert an alte Zeiten. Im Dachstock auf dem Hof der Familie Rüedi soll neues Leben einkehren. Bild: Urs Baumann

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Das Schild hängt heute im Dachstock links oben an der Wand. «Heubüni Ortschwabe» steht da mit roter Schrift auf gelbem Grund. Früher wies die Tafel die Besucher von der Strasse Richtung Kulturlokal. Aber seit 2010 darf die Familie Rüedi keine Gäste mehr empfangen (siehe Kasten).

Nicht nur das Schild erinnert an alte Zeiten. Auch die kleine Bühne steht noch immer am früheren Ort. Aber schon bald soll im Dachstock auf dem Hof der Familie Rüedi Neues entstehen. Das entsprechende Baugesuch wurde vorgestern publiziert. Eine Besenbeiz, ein Schulungsraum und ein Hofladen sind geplant.

Mit den neuen Plänen übernimmt auch eine neue Generation das Ruder. «Moment, da weiss mein Sohn besser Bescheid als ich», sagt Hans Rüedi, als er den Anruf entgegennimmt. Er reicht den Hörer weiter an Sohn Andi Rüedi. Dieser bringt mit seinen Worten etwas Farbe in die schwarz-weissen Baupläne. Im linken Teil des Dachstockes soll ein Schulungsraum entstehen.

Das Know-how, das vermittelt werden soll, ist bereits vorhanden. Auf dem Hof der Rüedis sind Pferde, Kühe und Alpakas zu Hause. Besonders bei den Pferden und bei den Alpakas ist über die Jahre viel Spezialwissen zusammengekommen. Dieses soll nun weitervermittelt werden.

Frisch ab Hof ist Trend

Neben dem Schulungsraum ist die Besenbeiz geplant. Hier sollen die Produkte vom Hof – etwa Alpaka-Fleisch – direkt konsumiert werden können. Für solche im Nebenerwerb geführte Gaststätten gibt es spezielle Auflagen bezüglich Anzahl Gäste. Alkoholausschank ist allerdings möglich.

Das dritte Projekt soll oben auf der Galerie beheimatet sein: der Hofladen. «Direkte Verkaufsmöglichkeiten werden heutzutage immer wichtiger», sagt Andi Rüedi. Klar: Frisch ab Hof liegt im Trend, und ein Laden so nah vor den Toren der Stadt Bern verspricht gute Geschäfte.

Kein Thema ist aber eine Wiederaufnahme der alten Kulturstätte. «Das ist ein völlig anderes Projekt», sagt Andi Rüedi. Und auch Hans Rüedi sagt, dass diese Geschichte abgeschlossen ist: «Die Jungen sollen neu anfangen können.»

Die Familie Hänni, die Hauptgegner der damaligen Umzonung, wohnen gleich auf der anderen Seite der Strasse. Auf das neue Bauprojekt angesprochen, meint Kathy Hänni, dass sie die Pläne bis jetzt noch nicht gesehen habe.

Sollte das Vorhaben aber im Rahmen der in der Landwirtschaftszone erlaubten Richtlinien sein, habe sie nichts dagegen. «Wir waren immer nur gegen die Umzonung», hält Hänni fest. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.06.2016, 10:09 Uhr

Die Geschichte der Heubüni

2004: Hans Rüedi will einen Teil seines Bauernhofs in ein Konzertlokal mit Gastgewerbe­betrieb ausbauen. Nachbarn reichen Einsprachen dagegen ein.

2005: Der Regierungsstatthalter weist die Beschwerden ab. Das Verwaltungsgericht urteilt aber, Rüedi dürfe die Heubüni in der Landwirtschaftszone nicht betreiben. Rüedi zieht den Entscheid ans Bundesgericht weiter.

2010: Im Rahmen der Ortsplanungsrevision beschliesst die Gemeindeversammlung Kirchlindach, für die Heubüni eine Kulturzone zu schaffen. Gegner reichen dagegen Beschwerde ein. Im zweiten Verfahren entscheidet das Bundesgericht, dass das Kulturlokal in der Landwirtschaftszone nicht möglich sei. Die Gemeinde Kirchlindach verfügt die Schliessung.

2011: Regierungsstatthalter, Verwaltungsgericht und Bundesgericht urteilen in einem zweiten Verfahren, der Entscheid der Versammlung für eine Kulturzone sei gültig.

2013: Das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung lehnt die Einsprachen gegen die Ortsplanung ab. 2014: Die kantonale Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion beschliesst, eine Kulturzone am Standort sei nicht möglich.

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