Ortschwaben

Die Heubüni hat keine Zukunft mehr

OrtschwabenDie Heubüni ist definitiv Geschichte. Die Besitzer und die Gemeinde Kirchlindach ziehen den negativen Entscheid des Kantons zum Kulturlokal nicht weiter.

Künftig kein Kulturlokal mehr: Die Familie Rüedi akzeptiert das Verbot des Kantons. Die Heubüni darf nicht mehr eröffnet werden.

Künftig kein Kulturlokal mehr: Die Familie Rüedi akzeptiert das Verbot des Kantons. Die Heubüni darf nicht mehr eröffnet werden. Bild: Urs Baumann

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Der jahrelange Rechtsstreit um das Kulturlokal Heubüni in Ortschwaben ist zu Ende, die Gemeinde Kirchlindach und die Familie Rüedi haben das Handtuch geworfen. Wie sie am Freitag mitteilten, ziehen sie den Entscheid der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) nicht ans Verwaltungsgericht weiter. Die JGK hatte sich vor einem Monat gegen eine Kulturzone in Ausserortschwaben ausgesprochen.

Es bestehe kein überwiegend öffentliches Interesse «an einem Kultur- und Veranstaltungslokal am peripher gelegenen Standort ausserhalb der Siedlungszone», urteilte die Direktion. Damit pfiff sie das ihr unterstellte Amt für Gemeinden und Raumordnung zurück, das eine Kulturzone am Standort der Heubüni als rechtens eingestuft hatte. Juristische Abklärungen der Gemeinde und der Familie Rüedi ergaben, dass die Erfolgschancen klein wären, wenn der Entscheid der JGK ans Verwaltungsgericht weitergezogen würde, teilt die Gemeinde Kirchlindach mit.

Bekanntes Kulturlokal

Die Heubüni in Ortschwaben ist der ausgebaute Dachraum des Bauernhauses von Hans Rüedi. Dort führte die Familie ab dem Jahr 2000 Hochzeits- und Vereinsessen durch und organisierten Konzerte und andere kulturelle Anlässe. Die Heubüni wurde weit über Kirchlindach hinaus zu einem beliebten Kulturort. Das Lokal geriet aber immer mehr ins Visier von Nachbarn. Gegen den geplanten Ausbau des Betriebs reichten sie Einsprachen ein. Daraus wurde ein langwieriger Rechtshändel. Per Gerichtsentscheid wurde 2010 die Schliessung verfügt. Der letzte Anlass fand am 17.Februar 2011 statt.

Genug gekämpft

«Man mochte es uns nicht gönnen», sagt Hans Rüedi zur definitiven Schliessung. «Wir bedauern sehr, dass wir keine Veranstaltungen mehr anbieten können. Für 90 Prozent der Bevölkerung ist das schade.» Trotz der grossen Arbeit, die ein Kulturbetrieb mit sich bringe, hätten sie gerne weitergemacht.

Aber: «Mir möge jetz nümm wyter stürme», sagt Rüedi resigniert. Auch der Gemeinderat ist enttäuscht. «Wir bedauern die aktuelle Situation ausserordentlich», heisst es in der Mitteilung. Auch viele Kirchlindacher dürften das Ende der Heubüni bedauern. Die Gemeindeversammlung hatte sich 2010 klar für eine Kulturzone auf dem Heubüni-Areal ausgesprochen.

Die Familie Rüedi hat sich seit 2010 ganz auf den Landwirtschaftsbetrieb konzentriert. Ihre Spezialität ist das Beherbergen von Pferden, das sie in Ortschwaben, Hasle und Grünenmatt betreibt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.11.2014, 10:28 Uhr

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Zehn Jahre Streit

Die Geschichte der Heubüni in Ausserortschwaben ist wechselhaft. Nach der Eröffnung im Jahr 2000 wird sie zu einem beliebten Kulturlokal. Der Erfolg wandelt sich aber zu einem zehnjährigen Nachbarschaftsstreit, bei dem es um Öffnungszeiten, Lärm und Verkehrsaufkommen geht.
2004: Hans Rüedi will einen Teil seines Bauernhofs in ein Konzertlokal mit Gastgewerbebetrieb ausbauen. Nachbarn reichen Einsprachen dagegen ein.
2005: Der Regierungsstatthalter weist die Beschwerden ab. Das Verwaltungsgericht urteilt aber, Rüedi dürfe die Heubüni in der Landwirtschaftszone nicht betreiben. Rüedi zieht den Entscheid ans Bundesgericht weiter.
2010: Im Rahmen der Ortsplanungsrevision beschliesst die Gemeindeversammlung 2010, für die Heubüni eine Kulturzone zu schaffen. Die Heubüni-Gegner reichen gegen den Beschluss Beschwerde ein.
2010:
Das Bundesgericht entscheidet, ein Kulturlokal sei in der Landwirtschaftszone nicht möglich. Die Gemeinde verfügt die Schliessung.
2011:
Regierungsstatthalter, Verwaltungsgericht und Bundesgericht urteilen in einem zweiten Verfahren, der Entscheid der Gemeindeversammlung für eine Kulturzone sei rechtens.
2013: Das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung lehnt die Einsprachen gegen die Ortsplanung ab.
2014: Die kantonale Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion beschliesst, eine Kulturzone am Standort sei nicht möglich.hrh

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