«Die FDP bleibt eine bürgerliche Partei»

Philippe Müller soll Stadtberner FDP-Präsident werden. Der 49-jährige Grossrat nimmt Stellung zum internen Richtungsstreit: «Es nützt nichts, wenn wir uns gegenseitig auf die Schulter klopfen», sagt er.

«Die SVP bleibt ein wichtiger Partner.» Grossrat Philippe Müller ist der offizielle Kandidat fürs Stadtberner FDP-Präsidium.

«Die SVP bleibt ein wichtiger Partner.» Grossrat Philippe Müller ist der offizielle Kandidat fürs Stadtberner FDP-Präsidium.

(Bild: Jürg Spori)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Philippe Müller, Sie haben gezögert – und werden doch FDP-Präsident. Weshalb? Philippe Müller: Ich will der Stadtpartei etwas zurückgeben. Hier habe ich mit Politisieren begonnen. Hingegen steckt die FDP in einer schwierigen Situation. Ich fühle mich meiner Partei in dieser Situation verpflichtet.

Welches sind die Probleme der FDP? Wie viele andere Parteien haben auch wir einen Mitgliederschwund. Zudem gibts in der FDP viele Ansichten darüber, wie es wieder aufwärtsgehen soll. Die unterschiedlichen Strömungen will ich zusammenführen.

Die Partei war in den Negativschlagzeilen wegen Grabenkämpfen und Mobbingvorwürfen. Stadtrat Alexander Feuz wurde gebeten, sie zu verlassen. Wir haben viele Parteimitglieder, sowohl jüngere als auch ältere, die voller Ideen sind. Ich bin froh um diese engagierten Menschen. Leider haben mehrere FDPler ihre Meinungsverschiedenheiten via Medien ausgetragen.

Nun werden Sie auf den Tisch klopfen und Ruhe fordern? Ich will alles, nur keine Ruhe in der FDP. Wir brauchen interne Debatten, denn am Anfang einer Entwicklung stehen meistens Querdenker. Damit eine Partei weiterkommt, braucht es auch Ideen, die nicht mehrheitsfähig sind. Aber ganz klar, die Debatten müssen intern bleiben. Mir ist wichtig, dass die FDP gegen aussen eine klare Linie fährt und ein erkennbares Profil hat.

FDP-Parteileitungsmitglied Peter Gugger sagte in einem Interview mit dieser Zeitung, in der FDP dürfe nicht mehr jeder seine Meinung äussern. Ich bedaure, dass es in der Stadtratsfraktion zu Problemen kam. Und ich bedaure den Parteiwechsel von Alexander Feuz. Die FDP ist eine kleine Schweiz. In der Schweiz gibt es auch über alles eine riesige Diskussion. Das führt zu guten Lösungen, weil jeweils viele Aspekte eingebracht werden. Es nützt uns nichts, wenn wir uns gegenseitig auf die Schulter klopfen. Aber wie gesagt: Es muss intern bleiben.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen? Ich bin zuversichtlich. Ich habe bereits erste Gespräche geführt mit Leuten, die ich gerne in der Parteileitung hätte. Dazu gehört Claudine Esseiva, die Generalsekretärin der FDP-Frauen. Aber auch Jungfreisinnige sollen in die Parteileitung kommen.

Ein Linksrutsch unter Philippe Müller – im Ernst? Wir sind eine bürgerliche Partei, und wir bleiben eine bürgerliche Partei. Aber im Vordergrund steht die Sachpolitik. Wir haben einen starken gesellschaftsliberalen Flügel. Und das ist gut so. Der wirtschafts- und der gesellschaftspolitische Flügel zusammen machen uns stark.

Was halten Sie davon, dass die Stadtratsfraktion nicht mehr mit der SVP, sondern mit der Mitte zusammenarbeiten will? Ich bin offen gegenüber der sogenannten Mitte. Aber die SVP bleibt ein wichtiger Partner. Wir stimmen in vielen Themen überein und müssen jetzt gar nicht so tun, als wäre dies anders.

Berner Zeitung

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