Die Emotionen gehen hoch – schon Monate vor der Abstimmung

Bern

Satte 1,8 Millionen Franken wollen die Planer der Tram Region Bern für die Öffentlichkeitsarbeit ausgeben. Das sei keine Propaganda, betonen sie. Der Puls der Gegner geht trotzdem nur noch höher.

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Stephan Künzi

Die Mail traf auf den Redaktionen ein, noch bevor die Gegner von Tram Region Bern ihre erste grosse Veranstaltung über die Bühne gebracht hatten. Mit markigen Worten geisselten die Befürworter die Argumente, die die Kritiker ein paar Stunden später auf ihrem Podium vortragen wollten. Wie immer in der leidenschaftlichen Debatte um die Schienenverbindung, die dereinst Ostermundigen über Bern mit Köniz und Schliern verbinden soll, ging es um richtig und falsch berechnete Kapazitäten von Bus und Tram, um abgeholzte Bäume oder darum, wie viel das 530-Millionen-Projekt am Ende wirklich kostet.

Die Nerven liegen blank im Kampf um die Gunst der Stimmberechtigten in Ostermundigen, Bern und Köniz, die das Projekt noch absegnen müssen. Und das – wie ungewöhnlich – schon Monate vor dem Urnengang vom 28.September: Zurzeit steckt die Vorlage erst in der Phase der parlamentarischen Beratung. Während die Volksvertreter in Ostermundigen das Geschäft bereits verabschiedet haben, steht jenen in Bern und Köniz diese Debatte erst noch bevor.

Aufgebrachte Gegner

Wie hoch die Emotionen gehen, zeigte sich schon vor Monatsfrist, als die drei Parlamente das künftige Tramtrassee vom Bus aus erkundeten. An der ganzen Strecke wurden die Politiker mit dem Protest konfrontiert. Mal hingen Transparente, mal demonstrierten Eltern mit ihren Kindern – am Viktoriaplatz kam es sogar zur direkten Konfrontation, als sich aufgebrachte Gegner den Bussen in den Weg stellten.

Wortreiche Befürworter

Die andere Seite war zuvor nicht untätig geblieben. Wortreich hatte die Stadtberner Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) auf dieser Fahrt, die nach dem Willen der Organisatoren eigentlich der neutralen Meinungsbildung dienen sollte, die Vorzüge des Trams gepriesen. Am Schluss spielten die Befürworter gar eins zu eins durch, wie eng man in einem bis ans technisch Mögliche gefüllten Bus steht. Ungeachtet dessen, dass die Gegner die Kapazität gar nicht derart ausreizen wollen.

Unvermittelt verschwamm die Grenze zwischen Information und Propaganda – falls sie sich überhaupt so scharf ziehen lässt. Die Gegner klagen jedenfalls darüber, dass mit öffentlichen Geldern Stimmung gemacht werde. Explizit tut dies der Könizer Alt-Gemeinderat Walo Hänni (FDP), der von einer Kampagne spricht, «mit der die Bevölkerung auf die Zeit mit dem Tram eingestimmt wird». Natürlich sehen die Tramplaner das ganz anders: «Wir machen keine Propaganda», betont Rolf Meyer in ihrem Namen.

Der Sprecher des Verkehrsunternehmens Bernmobil, das zusammen mit den drei Gemeinden und mit dem Kanton das Tram vorantreibt, sagt den Satz nicht von ungefähr. Immerhin sollen von den für die Planungsarbeiten bereitgestellten 30 Millionen Franken nicht weniger als 1,8 Millionen für die Öffentlichkeitsarbeit abfallen. Ein Projekt über drei Gemeinden zu entwickeln, sei von vornherein komplex, erklärt Meyer den hohen Betrag.

Aufwendige Arbeit

Öffentlichkeitsarbeit bedeutet nicht nur, eine Website zu unterhalten, kleine Filme zu drehen, elektronische Newsletter zu verfassen oder Prospekte zu drucken. Letzteres haben die Verantwortlichen zwar gleich in mehrfacher Ausführung getan, weil sie in Ostermundigen, Bern und Köniz angepasst informieren wollen. Aufwendig sei aber vor allem auch, die Vorlage für die politischen Debatten in den drei Gemeinden koordiniert aufzubereiten, erklärt Meyer. Aus diesem Grund seien die gesamten Arbeiten an eine externes Kommunikationsbüro vergeben worden.

Regionale Komitees

Die eigentliche Überzeugungsarbeit will ohnehin ein Komitee leisten, zu dem sich Trambefürworter aus Politik und Wirtschaft auf regionaler Ebene zusammengeschlossen haben. Noch sei unklar, wie viel Geld man mit Blick auf die Abstimmung aufwenden werde, sagt Hans-Rudolf Saxer (FDP), ihr Kopf. Sicher sei aber bereits jetzt, dass die Ausgaben nur über Zuwendungen von Firmen sowie über private Spenden gedeckt würden.

Auch die Gegner, die bislang in kleinen Gruppen operiert haben, sammeln sich langsam. Morgen Donnerstag wollen sie ihr regional abgestütztes Komitee vorstellen.

Berner Zeitung

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