Die Blütezeit im Zentrum Kleinwabern ist vorüber

30 Jahre lang verkaufte Pascale Gerber in ihrer Boutique ausgangs Wabern Blumen. Nun gibt sie auf.

Pascale Gerber ist froh darüber, ihren Laden aufgeben zu können.

Pascale Gerber ist froh darüber, ihren Laden aufgeben zu können.

(Bild: Raphael Moser)

Christoph Albrecht

Schnittblumen, Grünpflanzen, Tischgestecke, Hängevasen. Wer in die Blumenboutique von Pascale Gerber tritt, der taucht in eine knallbunte Welt ein. Seit einigen Wochen sind noch ein paar Farbtupfer dazugekommen. Gerber hat praktisch auf dem ganzen Sortiment rote Kleber angebracht. «Alles mit einem roten Punkt ist zum halben Preis erhältlich», steht gross am Schaufenster. Noch kleben im Laden zahlreiche Punkte. Die Aktion scheint nicht allzu viel bewirkt zu haben.

Pascale Gerber mag aber gar nicht erst Frust aufkommen lassen. Im Gegenteil: Der harzige Ausverkauf bestärkt sie vielmehr in ihrem Entschluss, den sie letztes Jahr gefasst hat: nach 30 Jahren ihren Laden im Zentrum Kleinwabern per Ende März endgültig dichtzumachen. «Der Entscheid fiel mir sehr schwer, seither bin ich aber erleichtert», sagt die 54-Jährige.

Es sei ein Krampf geworden, sechs von sieben Tagen im Laden zu stehen, daneben Bestellungen zu managen, die Ware zu besorgen – in letzter Zeit meist ganz allein, weil Angestellte nicht mehr drinlagen. Ein Krampf, bei dem mittlerweile kaum mehr etwas herausschaue. «Letzten Sommer gab es einzelne Tage ohne einen einzigen Kunden.»

Der Grund für das harzige Geschäft, das ist für Pascale Gerber klar, ist der Standort. In den letzten Jahren hat das in die Jahre gekommene Zentrum Kleinwabern in der Umgebung knallharte Konkurrenz erhalten. In Wabern machte ein Aldi auf, in Kehrsatz ein Lidl. Seit kurzem gibt es in Belp zudem eine neue Migros (siehe Zweittext). Sie alle verkaufen auch Blumen – im grossen Stil und zu kleinen Preisen. «Da kann ich schlicht nicht mithalten.» Nicht einmal an der Berner Blumenbörse, wo Gerber ihre Ware einkauft, bekomme sie solch günstige Blumen.

Warten auf das Tram

Dabei hat Pascale Gerber mit ihrem Blumenladen in Kleinwabern durchaus Blütezeiten erlebt. Als sie Ende der 1980er-Jahre im Alter von gerade mal 24 Jahren ihre Boutique eröffnete, musste sie bald drei Mitarbeiterinnen anstellen. Das Geschäft brummte, sie arbeitete vor lauter Aufträgen nicht selten bis in die Nacht hinein. «Damals kamen die Leute von weither, um im Zentrum Kleinwabern einzukaufen», erinnert sie sich.

«Heute herrscht im Zentrum Kleinwabern tote Hose.»Pascale Gerber?erklärt, wieso sie ihreBlumenboutique schliesst.

Besonders den Samstagmorgen, an dem die Kinder damals noch zur Schule gingen, hätten die Eltern jeweils scharenweise für einen Einkaufsbummel im schwer angesagten «Bomben-Zentrum» genutzt. «Heute herrscht hier tote Hose», stellt Gerber fest. Ihr Laden ist nicht der einzige, der Mühe hat. Erst im Januar schloss auch das Kleidergeschäft.

Eine Zeit lang hatte Gerber noch die leise Hoffnung, dass sich die Situation wieder bessern könnte. «Ich war zuversichtlich, dass die Verlängerung des 9er-Trams von Wabern nach Kleinwabern Frequenz bringen könnte», sagt sie. Das geplante Projekt komme aber nur schleppend voran, bis die Linienerweiterung dereinst in Betrieb ist, dürfte es 2035 werden. «Dann bin ich ohnehin pensioniert.»

Nur noch auf Bestellung

Ganz in den vorzeitigen Ruhestand geht Gerber aber auch nach der Ladenaufgabe nicht. Ihr Mann betreibt in Kehrsatz ein Gartenbaugeschäft. Von da aus wird die Floristin für eine Handvoll langjähriger Kunden – Altersheime, Arztpraxen, Restaurants – weiterhin auf Bestellung Blumensträusse und Gestecke fabrizieren.

Die tägliche Arbeit im Laden aber ist ab nächster Woche vorbei. Ostern oder den Muttertag – in der Blumenbranche in der Regel die umsatzstarken Tage des Jahrs – konnte sie, nachdem sie den Mietvertrag gekündigt hatte, nicht mehr abwarten. Ihr ist das aber ganz recht so, schliesslich hätten solche Feiertage in den vergangenen 30 Jahren jeweils viel Stress bedeutet. «Jetzt habe ich endlich einmal frei an einem Feiertag.»

Berner Zeitung

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