Die Biker erobern den Bärengraben

Wer am Samstag in den Bärengraben schaut, sieht keine Mutzen, sondern Artisten auf dem Fahrrad. Tierparkdirektor Bernd Schildger erzählt, was auch noch geschah.

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Verblüfft schaut die Bärenpark-besucherin in den Graben. «Jesses, das isch doch der», stammelt die elegant gekleidete Frau. «Eh, der – Grüessech Herr Schildger!»

Bernd Schildger lacht und grüsst zurück. Der Direktor des Tierparks Dählhölzli beweist Sinn für Situationskomik. «So elegant wie der Bär von Carlo Lischetti über uns balanciere ich aber nicht durch die Gegend», sagt Schildger. Der 57-Jährige ist in den grossen Bärengraben gestiegen, um die Trial-strecke zu begutachten. Im Rahmen der Mountainbike-EM werden hier am Samstag die Fahrradartisten um die Medaillen manövrieren (siehe Infobox).

Schildger steigt auf sein Bike; dann überwindet er das erste Hindernis, eine Holzpalette. «Wir haben den EM-Organisatoren den Bärengraben als Standort zur Verfügung gestellt, weil er das Wahrzeichen der Stadt ist. Die Bilder des Grossanlasses werden um die Welt gehen. Bern wird davon profitieren», sagt der Frankfurter. Und es sei ja nicht so, dass die Bären an den vier Wettkampftagen einen hohen Preis dafür zahlen würden, meint Schildger mit einem verschmitzten Lächeln. «Die Bären müssen sich bis am Montag eine Stunde lang in den Stallungen statt im Graben aufhalten, wenn das Gehege gereinigt und das Futter versteckt wird.»

Vier Tote im Bärengraben

Der Graben werde nicht zum ersten Mal zweckentfremdet, erzählt Schildger. «Vor drei Jahren wurde an dieser Stätte das Theaterstück ‹Warten auf Godot› gespielt. Und von 2008 bis 2009 konnten die Leute im Graben Führungen buchen und Bär spielen.»

Dann macht Bernd Schildger eine ketzerische Aussage: «1926 sorgten der Bärengraben und ein Fahrrad schon einmal für Aufsehen. Es war aber ein trauriger Moment.» Im «Bärenbuch» von Friedrich August Volmar kann die Geschichte nachgelesen werden. Weil die Bremsen seines Velos am Aargauerstalden versagen, rast der 17 Jahre alte Solothurner Albert Adam ins Gitter am Bärengraben. In hohem Bogen fliegt er in den Graben. Dabei reisst er einen Zehnjährigen Knaben namens Ellenberger mit. Bärenwärter Rudolf Grossenbacher versucht mit einem Wasserstrahl und einer Heugabel, die Mutzen Hans und Joggi abzulenken. Zwei Bauarbeiter gelingt es in der Folge, Adam mit Seilen zu retten. Der Knabe jedoch liegt bewusstlos und blutend am Boden. Mit einem Prankenschlag werden dem Jüngling die Klamotten vom Leib gerissen. Ellenberger stirbt im Inselspital an den Folgen seiner Verletzungen.

Er ist nicht das einzige Opfer in der 156-jährigen Geschichte des Bärengrabens. Insgesamt sieben Menschen fielen in den Graben respektive Park, 4 davon überlebten den Sturz nicht: 1861 wird der englische Kavalleriehauptmann Lorck getötet, 1896 findet man die Leiche eines alkoholisierten Melkers, 1920 stirbt ein angetrunkener Student, und 1926 – wie bereits geschildert – verunglückt Ellenberger tödlich.

Hindernisse im Grenzbereich

Streckenbauer Stefan Moor ist begeistert von der Location. «Die Geschicklichkeitsprüfung im Graben stellt für die Athleten sowohl konditionell als auch von den Sprüngen her eine grosse Herausforderung dar», sagt Moor. «Bei einigen Hindernissen gingen wir an die Grenze des Machbaren.»

Berner Zeitung

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