Die Biber machen sich breit – ein Konzept musste her

Bern

Als erste Stadt der Schweiz hat Bern ein Biberkonzept entwickelt. Mit Fotofallen werden die Tiere im Marzili beobachtet. Grössere Schäden durch die Nager gab es bis jetzt keine.

Die Fotofalle reagiert auf Wärme und Bewegungen.

Die Fotofalle reagiert auf Wärme und Bewegungen.

(Bild: Urs Baumann)

Unten im Marzili, zwischen Gehweg und Aare, wurde eine Falle installiert. Wenn man eine Holzleiste beim Bretterzaun beiseiteschiebt, entdeckt man sie. Diese Falle schnappt nicht zu, sondern sie schiesst – und zwar Fotos. Meistens geschieht das in der Nacht. Weil dann auch das Fotomodel unterwegs ist. Mit einem Infrarot- und Bewegungssensor ausgestattet, entgeht der Falle keine Bewegung. Fünf, manchmal sechs solche Fallen sind in der Stadt Bern aufgestellt. Sie alle dienen einem Zweck – dem Beobachten der Berner Biber.

Der Nager erobert zunehmend die Stadt Bern. Ein Beispiel dafür ist der Biberbau mit Fotofalle im Marzili. Der Bau ist vergangenen Sommer entstanden und wird von einem Biberpaar bewohnt. Zwischen der Elfenau und der Eymatt in Hinterkappelen sind bereits sieben solche Reviere besetzt. Die Bauherren haben sichtbare Spuren hinterlassen. Mit seinen Zähnen hat der Biber Späne aus dem Holz geschlagen. Auch die Weiden am Aareufer blieben nicht verschont. Besonders zwischen Oktober und Dezember hat er nochmal tüchtig geholzt, schliesslich galt es den Bau winterfest zu machen.

Friedliche Koexistenz

Wo genagt wird, da fallen Späne. Und das bemerkt auch der Mensch. «Wir versuchen, die Schäden so gering wie möglich zu halten», sagt Sabine Tschäppeler, Leiterin der Fachstelle Natur und Ökologie bei der Stadtgärtnerei. Die Stadt Bern schützt Bäume vorsorglich mit einem Gittergeflecht oder einer speziellen Paste. Zudem wird den Bibern Futter in Form von Weidenpflanzungen bereitgestellt.

Um Spannungen zwischen Mensch und Biber vorzubeugen, hat die Stadt ein Biberkonzept entwickelt. Als erste Stadt in der Schweiz. Es soll die friedliche Koexistenz von Biber und Mensch sicherstellen. «Es war uns wichtig, dass wir eine gemeinsame Haltung entwickeln und die Zuständigkeiten regeln», sagt Sabine Tschäppeler. Wie beim Biberkonzept des Kantons, das vor fünf Jahren entwickelt wurde, hat sich die Stadt Unterstützung geholt: Wildhüter, Jagdinspektorat, Biberfachstelle und Pro Natura waren beim Planen dabei.

oder auf der Abschussliste?

Probleme verursachen die Biber im Kanton Bern vor allem im Seeland. Dort kann es vorkommen, dass die Nager Böschungen untergraben – was Strassen einstürzen lässt. Obwohl die Biber eine geschützte Tierart sind, kamen sie deshalb auf die Abschussliste. Die Jagdverordnung des Bundes erlaubt es unter gewissen Umständen, die Tiere umzusiedeln oder gar zu töten.

So weit ist man in der Stadt Bern noch lange nicht: «Solche Massnahmen sind momentan kein Thema», sagt Tschäppeler. Dank der vorsorglichen Schutzmassnahmen seien die Schäden bisher unproblematisch. Der finanzielle Aufwand halte sich darum in Grenzen. Auch die Rückmeldungen der Bevölkerung seien positiv. «Die Tiere werden wahrgenommen, da die Frassspuren ihre Anwesenheit zeigen.»

Die Fallen aufgestellt hat Christof Angst von der Biberfachstelle des Bundesamtes für Umwelt. Der Experte freut sich über die Rückmeldungen aus der Bevölkerung, bleibt aber skeptisch. Besonders Schäden in Privatgärten seien eine heikle Angelegenheit: «Ich bin gespannt, wie lange die Toleranz anhält, wenn mal ein Baum fällt, der nicht fallen sollte.» Aber auch bei Privatgärten gelte: «Mit gutem Willen sind Konflikte vermeidbar.»

Berner Zeitung

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