Die Baustelle, die alle beobachten

Bern

An dieser Baustelle strömen täglich Tausende Pendler vorbei. Der Post-Parc steht unter permanenter Beobachtung. Projektleiter André Wälti spricht über die Herausforderungen des Millionenprojekts der Post.

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Es zieht im dritten Stock des Hochhauses. Weil im Westen die Fensterfront herausgerissen wurde, bläst der Wind André Wälti frontal entgegen. Der Projektleiter beim Totalunternehmer Steiner AG steht an der Fassade des ausgeweideten Hochhauses und zeigt nach unten. Dort, wo früher die Schanzenpost stand, klafft ein Loch. Auch die über zehn Meter hohe Holzwand, welche Passanten und Passagiere vor Staub und Dreck geschützt hat, ist verschwunden. Dafür sind entlang der Schanzenstrasse die alten Liftschächte, in denen früher die Pakete und Briefe runter zu den Gleisen gebracht wurden, wieder sichtbar. Sortieranlagen werde es im Post-Parc keine mehr geben, sagt Projektleiter Wälti.

Auch wenn es für manche Passanten den Eindruck macht – als Passagierzugang zu den Gleisen sind die Lifte nicht gedacht. Die Liftschächte werden zweckentfremdet. Sie dienen dem Neubau in Zukunft als Stütze. «Ein dritter Zugang zum Bahnhof ist nicht Bestandteil des Projektes und ist darum auch nicht geplant», sagt der Ingenieur. Falls die SBB in Zukunft einen dritten Passagierzugang bauen möchten, würden bauliche Veränderungen nötig werden.

Unter Beobachtung

Seit Ende 2011 wird an den drei Gebäuden Mitte, West und Hochhaus des Post-Parc gebaut. Die Post lässt sich das neue Dienstleistungs- und Geschäftsviertel 200 bis 300 Millionen Franken kosten. Die Baustelle liegt an zentraler Stelle. Unterhalb der grossen Schanze und rund um die Gleise des Bahnhofs wird sie täglich von Tausenden Pendlern gesehen. «Viele Blicke sind auf uns gerichtet», sagt Projektleiter André Wälti. Die belebte Lage der Baustelle sei auch das Schwierigste am Projekt. «Der Bahnbetrieb darf auf keinen Fall gestört werden», sagt Wälti.

Der Rückbau der Schanzenpost war aufwendig. Wegen der Statik sei das Gewicht jeder einzelnen Baumaschine in die Berechnungen mit eingeflossen. Eine weitere Herausforderung sei das Aufstellen der Kräne gewesen. Weil zwei von ihnen über den Gleisen installiert wurden, musste der Baumeister diese mit dem Helikopter einfliegen lassen.

Ankermieter wird bekannt

Überraschungen habe es bis jetzt keine gegeben. «Wir sind im Zeitplan», sagt Wälti. Geplant ist, bis Ende Jahr den Rohbau der Gebäude errichtet zu haben. Im Herbst 2013 soll mit dem Stahlbau begonnen werden. Anfang 2016 wird der Post-Parc der Post übergeben. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die ersten Mieter einziehen. Wer als einer der Ankermieter das Gebäude beleben wird, will die Post Mitte dieser Woche kommunizieren. Weitere Infos sollen folgen, wenn Mietverträge unterschrieben sind.

Derzeit sind rund 70 Arbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Wenn es im Herbst mit dem Stahlbau losgeht, werden es 400 bis 500 Bauarbeiter sein. Vor zwei Jahren wurde von der Gewerkschaft Unia aufgedeckt, dass auf der Baustelle Arbeiter beschäftigt waren, die unter dem Mindestlohn arbeiteten (siehe Kasten links). Eine Eingangskontrolle soll heute solche Vorfälle verhindern. Auch Baustellenbesucher müssen diese Kontrolle passieren. Öffentliche Führungen über die Post-Parc-Baustelle werden momentan keine angeboten. Führungen für Baufachleute sind auf Anfrage möglich.

Berner Zeitung

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