«Die Basler Fans lassen auswärts die Sau raus»

Für Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP) ist die Haltung von Basels Sicherheitsdirektor Baschi Dürr zum Hooligan-Konkordat unverständlich. Er glaubt, dass das Problem am Rheinknie schöngeredet wird.

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Nina Jecker

Wurde man in Bern von den Ausschreitungen überrascht? Wir haben zwar damit gerechnet, dass es nicht friedlich ablaufen wird. Dennoch hätte man doch erwarten können, dass sich gerade die Fanclubs, die Unterschriften gegen das Konkordat sammeln, zurückhalten würden. Das war aber gar nicht der Fall – im Gegenteil: Die Fans sind bereits vermummt aus dem Zug gestiegen und haben sehr bald darauf angefangen, zu randalieren.

Sind denn die Basler Fans besonders schlimm? In Bern gelten Spiele mit dem Gegner FCB immer als Hochrisikospiele – ebenso die gegen GC oder den FCZ. Die Basler Fans sind aber ja durchaus auch schon anderswo negativ aufgefallen.

Wird in Basel die Problematik von gewaltbereiten Fans verharmlost? Kürzlich habe ich an einem Podium in Basel zum Hooligan-Konkordat teilgenommen. Da hat der Präsident des FCB wortwörtlich gesagt: «Wir haben kein Problem mit gewalttätigen Fans.» Das hat mich schon sehr erstaunt. Es lässt vermuten, dass die Basler Fans offenbar einfach auswärts die Sau rauslassen.

Dass auch der Basler Regierungsrat Baschi Dürr schon einmal gegen das Hooligan-Konkordat Stellung bezogen hat: ebenso erstaunlich? Ich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. In Basel argumentiert man in Bezug auf den FCB aber generell im Stil von «Es gibt hier kein Problem», habe ich den Eindruck.

Können Sie die Argumente gegen das verschärfte Konkordat nicht nachvollziehen? In diesem Zusammenhang wird immer mit den Grundrechten der Fans argumentiert. Da frage ich: Die Passagiere der SBB, haben die keine Grundrechte? Und wo sind die Grundrechte der Passanten in der Berner Innenstadt?

Den Basler Fans ist es wiederholt gelungen, von den Berner Behörden und den SBB Fanmärsche zu erpressen; mit der Drohung, sie würden sonst die Extrazüge verweigern und individuell anreisen. Kann das verschärfte Konkordat die Macht der Fans schwächen? Es stimmt. Die Fanclubs sind mehrfach mit den SBB und den Behörden Schlitten gefahren. Das muss aber ein Ende haben. Ein Fanclub darf doch nicht bestimmen, wohin ein Zug fährt. Das Konkordat mit der neuen Bewilligungspflicht für Fussballspiele würde hier schon etwas ändern. Die Behörden könnten Auflagen machen, zum Beispiel dazu, wie der Fantransport zu organisieren ist. Werden diese bei einem Mal nicht erfüllt, gibt es nächstes Mal halt keine Bewilligung mehr für ein Spiel.

Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause hat angekündigt, dass das der letzte Fanmarsch in Bern gewesen sei und man allenfalls sogar den Cupfinal in Zukunft nicht mehr in Bern durchführen möchte. Stehen Sie hinter seinen Aus­sagen? Ja. Wir wollen hier keine derartigen Saubannerzüge mehr haben. Den Cupfinal nicht mehr hier in Bern auszutragen, fände ich schon sehr schade. Das hat Tradition und als Bub habe ich selbst zweimal hier in Bern einen Cupfinal im Stadion miterlebt. Ich möchte auch nicht, dass vor den Fanclubs kapituliert werden muss. Werden in Zukunft keine Auflagen eingehalten, könnte es aber wohl schon damit enden, dass es keine Bewilligung mehr für den Cupfinal geben wird.

Was erwarten Sie nun vom FCB? Dass eine offizielle Distanzierung des FCB von den aktuellen Vorkommnissen fehlt, erstaunt mich doch sehr. Der Club sollte all seinen Anhängern klarmachen, dass ein solches Verhalten nicht akzeptiert wird. Offenbar ist die Club-Führung aber nicht dazu bereit, zwischen friedlichen Fans, die Stimmung bringen, und gewaltbereiten Chaoten zu unterscheiden.

Was passiert, wenn Basel-Stadt dem interkantonalen Konkordat nicht beitritt Es geht mit oder ohne die Basler. Bisher haben schon 13 Kantone den Beitritt beschlossen. Basler Fans werden künftig vielerorts bei Auswärtsspielen des FCB nach den Konkordats­regeln behandelt.

Basler Zeitung

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