«Die Altstadt wird durch die Sanierung zur Stolperfalle»

Bern

Fussverkehr Bern erhebt Einsprache gegen die Sanierungspläne für die Berner Marktgasse. Die Stimmberechtigten haben die finanziellen Mittel für die Sanierung mit deutlichem Mehr beschlossen.

So hoch wie eine gefaltete Zeitung soll die Kante bei der Haltestelle am Bärenplatz nach der Sanierung der Marktgasse werden. Zu hoch, findet Fussverkehr Bern und hat Einsprache erhoben.

So hoch wie eine gefaltete Zeitung soll die Kante bei der Haltestelle am Bärenplatz nach der Sanierung der Marktgasse werden. Zu hoch, findet Fussverkehr Bern und hat Einsprache erhoben.

(Bild: Urs Baumann)

Ralph Heiniger

Für Gisela Vollmer von Fussverkehr Bern (FV Bern) sind die jetzt vorliegenden Sanierungspläne für die Marktgasse wie ein Schlag ins Gesicht. «Seit Jahrzehnten wird versucht, den öffentlichen Raum möglichst behindertengerecht zu gestalten. Nun will die Stadt drei Schritte zurückgehen.» FV Bern will, dass die Marktgasse nach der Sanierung möglichst eben ist. Anders als in den aktuellen Plänen der Stadt, so Vollmer. Der Fachverband der Fussgängerinnen und Fussgänger – der unter anderem Personen mit Kinderwagen, mit Gehhilfen oder Rollstuhlfahrende vertritt – hat deshalb Einsprache erhoben und fordert, die Pläne noch vor Baubeginn zu ändern. «Es ist Unsinn, die Strassen nachträglich wieder behindertengerecht umzubauen», betont Vollmer.

Schlucht und Stolperstein?

«Alle würden von diesen Bauplänen benachteiligt», sagt Gisela Vollmer und verweist darauf, dass gemäss einer Studie der Uni Bern täglich rund 100'000 Personen die Marktgasse passieren würden. Einer der Hauptkritikpunkte von FV Bern liegt an der Haltestelle Bärenplatz. Dort reisse eine geplante 24 Zentimeter hohe Kante «eine Schlucht» in die Altstadt. Über eine Länge von 60 Metern würde gemäss den Sanierungsplänen ein Hindernis geschaffen, welches viele Leute nicht mehr überqueren könnten, befürchtet FV Bern.

Ein weiterer Dorn in den Augen des FV Bern sind die geplanten Schrägkanten in der Marktgasse. «Die Altstadt wird dadurch zur Stolperfalle», sagt Vollmer und fordert den Verzicht auf einen 4 Zentimeter hohen Schrägabsatz am Rand der Fahrbahn.

«Behindertengerecht»

Von Seiten der Stadt Bern bestätigte der Informationsbeauftragte Markus Binder gestern, dass die Einsprache des FV Bern eingetroffen ist und behandelt wird. Wegen des laufenden Verfahrens könne die Stadt aber keine Aussagen zum Projekt machen, so Binder. Gemeinderätin Regula Rytz (GB) meinte am Sonntag nach der Abstimmung, dass die Einstiege beim Bärenplatz durch die Sanierung behindertengerecht gemacht würden. Dadurch, dass die Haltestellenkante höher werde als bisher, können Behinderte einfacher ins Tram steigen, so Rytz. Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) sprach von einem Trottoir, welches beim Bärenplatz entstehen würde.

Gegen erste Projektpläne hat auch der Behindertenverband Procap Einsprache erhoben. Zur aktuellen Version will sich Pierre Chanez von der Fachstelle für hindernisfreies Bauen der Procap noch nicht äussern. «Wir werden unsere Stellungnahme auf der Basis der gesetzlichen Grundlagen und in Absprache mit anderen Behindertenverbänden Anfang Oktober einreichen», so Chanez.

Berner Zeitung

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