«Designing ist abgelutscht»

Bern

Die Bernerin Chantal Andrey bastelt seit zwei Jahren aus alten Kristallschalen Lampen. Die 26-Jährige über Design, faule Menschen und die Wegwerfgesellschaft.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Manchmal kommt ihr Nachbar Endo Anaconda auf das Terrässchen eine Zigarette rauchen und fragt: «Bist du wieder kreativ?» Das ist Chantal Andrey tatsächlich, sie fertigt Hängelampen, Nachttischlämpchen und Wanduhren an. Ihr kleines Atelier im Obstberg hat sie selber renoviert und wenn sie nicht hier ist, kurvt sie mit ihrem bordeauxroten Piaggio Ape durch die Stadt Bern.

Malen ist denn auch kein Problem für sie, schliesslich hat sie eine Lehre gemacht. Andrey war danach ein Jahr auf dem Beruf tätig, wechselte in die Gastronomie und hat vor zwei Jahren zurückgefunden. «Ich liebe meinen Job einfach», erklärt sie. Mit Maleraufträgen verdient sie auch ihr Geld: «Da mich die Leute als Kreativkopf kennen, bekomme ich oftmals spezielle und wunderschöne Arbeiten.»

Als Kind 13 Lampen im Zimmer

Ihr Atelier heisst «Handwerk mit Form und Farbe», in dem sie Lampen kreiert. Die 26-Jährige ist bekannt, bereits hängen ihre Lampen in fünf Lokalen der Stadt und am Donnerstag auch im Breitenrain im Blumengeschäft «Vergissmeinnicht». «Schon als Kind war ich verrückt nach Lampen, hatte 13 Stück in meinem kleinen Zimmer hängen, auch eine Discokugel», erinnert sie sich. Seit jeher bastle sie Lampen und nun ihren gelernten Beruf und das Basteln unter einen Hut gebracht.

«Wenn die Leute etwas kreieren, nennen sie es ja sofort Design. Ich finde diesen Begriff abgenutzt», sagt sie. «Ich sehe mich nicht als Designerin, sondern als Handwerkerin.» Das Prinzip ihrer Lampen ist bestechend einfach: Sie sucht sich Kristallschalen- und Vasen in Brockenstuben, bei Räumungen und aus dem Abfall zusammen, befestigt eine Glühbirnenfassung darin und voilà, geboren ist die «Lampe unique». Die rund 50 verkauften Lampen hat sie noch im Kopf und kann so garantieren, dass alle Unikate sind.

Das Schönste aus dem Abfall

«Es ist wieder in, Kristallschalen als Fruchtschalen zu benutzten, deshalb sind sie in den Brockis zu teuer und rar. Aber die Leute schmeissen unglaublich Schönes einfach weg.» Als Beweis hält sie drei Vasen hoch, ohne Kratzer, mit schönen Verzierungen, die sie aus der Abfallmulde beim Egelsee gefischt hat. Das Finden der Gläser brauche auch am meisten Zeit. Das Verarbeiten erfordert viel Geduld und Geschick. «Beim Montieren der Fassung habe ich Übung», erklärt die gebürtige Bernerin.

Sie kritisiert die Wegwerfgesellschaft: «Die Leute sind einfach zu faul und werfen alles lieber weg.» Nicht nur mit ihren Lampen rezikliert sie Altes: Sie nimmt Aufträge entgegen, bei denen die Leute Produkte restaurieren oder umfunktionieren lassen wollen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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