Der legendäre Boxkeller lebt weiter

Bern

Geri Staudenmann hat den Boxkeller des Berner Athletic Box Club von Max Hebeisen übernommen. Er will den Keller in bewährter Form weiterbetreiben.

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Markus Ehinger@ehiBE

«Der Alltag mit seiner aufreibenden Arbeit verlangt heute von uns Ausdauer, Energie und Tatkraft mehr denn je.» Dieser Satz stammt aus der Feder von David Avrutschenko. Er gründete 1935 den Boxkeller des Athletic Box Club Bern, kurz ABCB, an der Kochergasse 4 und warb mit diesem Spruch um Kunden.

Auf Avrutschenko folgten als Betreiber des Kellers der legendäre Boxer Charly Bühler, der mit seinen Zöglingen Fritz «Die Berner Fliege» Chervet, Max Hebeisen und Enrico Scacchia Boxen in der Schweiz salonfähig machte. Hebeisen führte den Boxkeller in den letzten rund 13 Jahren, bevor er Ende 2013 das Zepter an Geri Staudenmann (62) übergab.

Keuchen und schwitzen

Unter dem Namen «Boxen Bern» soll ein Stück Boxgeschichte neuen Schwung erhalten, sagt Staudenmann, der unter anderem auf TeleBärn den Medical-Talk moderiert. Ein Augenschein im Keller zeigt: Ausser dem Namen ändert der ehemalige Handballnatispieler vorerst nichts.

17.22 Uhr, Donnerstagabend. Langsam trudeln die Boxer ein. Die Sportler begrüssen sich alle mit Vorname und Handschlag. «Das gehört zu unserer Philosophie», sagt Staudenmann. «Auch boxtechnisch wollen wir Charly Bühlers Schule und Philosophie weiterpflegen.» Aus den Lautsprechern scheppert Hardrock-musik. Um 17.34 Uhr startet Staudenmann das Aufwärmtraining. Eine schweisstreibende Übung löst die nächste ab. 15 Männer und eine Frau keuchen, schnaufen und schwitzen.

Spass gehört beim Boxen dazu

Nächster Programmpunkt: Hände einbandagieren und Boxhandschuhe anziehen. Jeweils zwei gleich grosse Boxer stellen sich gegenüber und beginnen, miteinander Schlagtechniken zu trainieren. Staudenmann nimmt immer wieder Einfluss und korrigiert die Boxer. Im Keller wird gescherzt und gelacht. Der Spass gehört dazu. Das ist ganz im Sinn des neuen Chefs: «Wir pflegen einen kameradschaftlichen Umgang. Das war auch meine Motivation, den Keller zu übernehmen.» Fünf Trainer leiten die verschiedenen Trainingseinheiten, rund 45 Boxer, darunter Jugendliche und Frauen, boxen regelmässig – Tendenz steigend.

Max Hebeisen auf Stippvisite

17.53 Uhr. Plötzlich taucht Max Hebeisen auf – in Zivilkleidern. «Ich komme noch ab und zu in den Keller», sagt die lebende Boxlegende, die in ihrer Karriere 43 Profikämpfe bestritt. Daraus resultierten 37 Siege, 5 Niederlagen und ein Unentschieden. «Ich habe mich noch nicht so richtig an meine Pension gewöhnt», sagt Hebeisen. Er gibt den Boxern gerne Tipps. «Max ist jederzeit willkommen», sagt Geri Staudenmann. «Wir hoffen, dass er auch in Zukunft mit uns boxt.»

Es folgt ein intensives Sparring, das bei «Boxen Bern» einen hohen Stellenwert geniesst. Jetzt fliegen die Fäuste, auch jene von Milan (72) und Danilo (22) Bergant. Vater und Sohn boxen schon seit mehreren Jahren gemeinsam. Die einzige Frau im Ring ist an diesem Abend Grazia Siliberti (49): «Boxen ist ein super Konditionstraining», sagt sie.

Zum ersten Mal dabei ist Samuel Lanz. Der 27-Jährige ist auf Anraten eines Kollegen zu einem Schnuppertraining gekommen. «Das Training ist sehr anstrengend, man kommt fast in eine Trance», sagt Lanz. Der Schweiss läuft ihm über das Gesicht. Am Ende des einstündigen Trainings sagt er: «Ich komme ganz bestimmt wieder.»

Er und seine Boxkollegen tanken mit dem Boxen Energie für den Alltag – ganz im Sinn des Gründers David Avrutschenko.

Infos: www.boxen-bern.ch.

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