Der «gigantische dreistöckige Verkehrszirkus» erregt Gemüter

Bern

Die Ausbaupläne für die Bolligenstrasse und der Riesenkreisel beim Knoten Wankdorf stossen im rot-grünen Lager auf viel Kritik.

Schon die Pläne des neuen Wankdorf-Knotens sehen kompliziert aus (klicken zum Vergrössern).

Schon die Pläne des neuen Wankdorf-Knotens sehen kompliziert aus (klicken zum Vergrössern).

Markus Zahno

Eigentlich geht es nur um die Bolligenstrasse, um den Abschnitt von der Waldau bis zum Rothus bei Bolligen. 23'000 Fahrzeuge sind hier täglich unterwegs, jeden Morgen und jeden Abend herrscht vor den Kreiseln Stau. Nun will der Kanton Abhilfe schaffen: Drei der vier Kreisel sollen durch ampelgesteuerte Kreuzungen ersetzt werden. Und die Bolligenstrasse wird um mehrere Spuren verbreitert.

Während der öffentlichen Mitwirkung gingen über 20 Stellungnahmen zu den Plänen ein. Sie sind zwar noch nicht ausgewertet – ein halbes Dutzend Medienmitteilungen von Parteien und Verbänden zeigen aber bereits jetzt: Das rot-grüne Lager ist mit den Plänen überhaupt nicht einverstanden.

Hunderte Millionen

Die Kritik richtet sich nicht nur gegen den Ausbau der Bolligenstrasse, sondern auch gegen ein damit verbundenes, noch viel grösseres Projekt: den Knoten Wankdorf. Das Bundesamt für Strassen plant bei der Kreuzung Bolligenstrasse/Schermenweg einen mehrspurigen Kreisel unter der Autobahn. Darüber sind diverse Überführungen für den Langsamverkehr vorgesehen. So entsteht eine dreistöckige Kreuzung, die in der Region ihresgleichen sucht. Die Kosten bewegen sich in dreistelliger Millionenhöhe, Baubeginn ist frühestens 2021.

Der geplante Wankdorf-Knoten sei ein «gigantischer dreistöckiger Verkehrszirkus», schimpfen Stimmen aus dem rot-grünen Lager. Die SP Bern-Nord etwa kritisiert, dass auf dem neuen Kreisel weder Velos noch Fussgänger etwas zu suchen hätten. Sie würden «in den dritten Stock verbannt», was zusätzliche Steigungen und Umwege zur Folge habe. Ähnlich tönt es bei der Grünen Partei Bern und beim Verband Pro Velo, der kurz und bündig fordert: auf das Projekt Knoten Wankdorf sei zu verzichten.

«Problem wird verlagert»

Sowohl der neue Knoten Wankdorf wie auch der Ausbau der Bolligenstrasse basieren auf der Prognose, dass der Verkehr in Zukunft weiter zunimmt. Die Kritiker widersprechen: Obwohl im Raum Wankdorf neue Arbeitsplätze entstanden seien, habe das Verkehrsaufkommen in den letzten Jahren sogar leicht abgenommen, rechnen der VCS und die SP vor. Das heutige Verkehrsnetz sei genügend leistungsfähig.

Für den Verband Fussverkehr Kanton Bern steht fest: Die angedachten Projekte dienten lediglich dazu, Spitzen für den motorisierten Verkehr zu decken. Die zusätzlichen und breiteren Strassen frässen zu viel wertvolles Kulturland. Und die Grüne Partei argumentiert: Wenn der Engpass beseitigt werde, verschiebe sich das Problem an andere Orte – in Richtung Schönbühl und zum Autobahnviadukt im Westen.

Gibts Anpassungen?

Es gibt aber auch positive Stimmen. Der Gemeinderat von Ostermundigen zum Beispiel steht hinter dem Ausbau der Bolligenstrasse-Nord. Die Stadt Bern will sich derweil dafür einsetzen, dass der Ausbau nicht zu grösseren Belastungen der Wohnquartiere führt. Weiter fordert die Stadt in ihrer Mitwirkungseingabe zusätzliche Verbesserungen für den Veloverkehr, insbesondere breitere Velostreifen.

Bevor die Mitwirkung ausgewertet ist, will sich der Kanton nicht zu den Kritikpunkten äussern. Man werde die über 20 Eingaben aber ernst nehmen, sagt der stellvertretende Kreisoberingenieur Thomas Schmid. Und: «Sollten Anliegen immer wieder auftauchen, werden wir über Anpassungen reden müssen.» Erste Erkenntnisse sind bald zu erwarten. Beginnen soll der Ausbau der Bolligenstrasse zwischen der Waldau und dem Rothus Anfang 2018.

Berner Zeitung

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