«Der Zeitaufwand spielt eine grosse Rolle»

Isabelle Stadelmann­ ­beleuchtet die Hintergründe, weshalb die Frauenanteile in den politischen Ämtern ­tendenziell stagnieren.

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«Man muss sich bewusst sein, dass sich nur eine sehr kleine Minderheit dazu entschliesst, ein politisches Amt zu übernehmen», sagt Isabelle Stadelmann, Professorin für vergleichende Politik an der Universität Bern. Sie erklärt: «Nach der Einführung des Frauenstimmrechts war das Bedürfnis der Frauen gross, sich vermehrt in der Politik einbringen, überall präsenter sein und mitbestimmen zu können.»

Dieses Thema habe in den letzten Jahren an Brisanz verloren und sei ein Grund dafür, dass die Frauenanteile in Parlamenten stagnierten. «Frauen haben zudem tendenziell weniger Interesse an kompetitiven Aktivitäten, wie sie in der Politik oft vorkommen», erklärt Stadelmann.

Sparen an der Politik

Eine wichtige Rolle, weshalb sich nach wie vor weniger Frauen auch auf Gemeindeebene für ein politisches Amt interessieren, spiele möglicherweise der Zeitaufwand. «Die zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen, die aber gleichzeitig noch wenig an der traditionellen Rollenverteilung zu Hause geändert hat, führt dazu, dass Frauen die Zeit für gesellschaftliche Aktivitäten fehlt», zitiert Stadelmann eine Studie.

Frauen würden am Freizeit- und Vereinsleben oder eben in der Politik sparen, um andernorts mehr Zeit zu ­gewinnen. Dies gelte aber auch für in der Familie engagierte Männer. «Noch selektiver ist es in der Exekutive einer Gemeinde, ein solches Amt braucht noch mehr Zeit», sagt sie. «Spezifische Berufsgruppen, die den Berufsalltag flexibel gestalten können, sind hier im Vorteil», erklärt Stadelmann.

Ein anderer wichtiger Faktor sei die Partei, der frau angehören wolle. Die Politologin sagt dazu: «Bei links-grünen Parteien findet sich keine Unter­vertretung der Frauen.» Das ist auch in Zollikofen so. Sieben der zehn Frauen im GGR kommen aus den Reihen der SP und der GFL. Bei der SVP hingegen kommt auf elf Vertreter nur gerade eine Frau. Aber spielt das Geschlecht in der Lokalpolitik wirklich eine grosse Rolle?

Nicht zwingend, sagt die Politologin. «Die Untervertretung der Frauen mag zwar aus demokratischer Sicht bedenklich sein. Rein inhaltlich sind sich aber Frauen und Männer innerhalb einer Partei oft einig und vertreten deshalb nicht unbedingt unterschiedliche Positionen.»

Es geht etwas

Die Minderheit von Frauen in der Politik sei in der Tat nach wie vor ausgeprägt, dies sei aber auch in Unternehmen immer noch der Fall, so Expertin Stadelmann. «Trotzdem kann man aber nicht sagen, dass nichts geht.» Vor allem in den Exekutiven von grösseren Städten hätten die Frauenanteile in den letzten Jahren stark zugenommen.

Diese Ämter seien tendenziell mit mehr Prestige und Handlungsspielraum verbunden und deshalb für Frauen und Männer mit politischen Ambitionen attraktiver. Dies deute auch auf einen weiteren wichtigen Punkt hin: «Frauen werden in der Politik in erster Linie nicht weniger gewählt, sie treten vor allem viel seltener an.» (abe)

Erstellt: 14.11.2017, 06:11 Uhr

Expertin Isabelle Stadelmann (Bild: zvg / Universität Bern)

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