Grosshöchstetten

Der Stern kehrt zum Himmel zurück

GrosshöchstettenAm Wochenende war es so weit: Der Stern, der vor rund 50 Jahren von der Kirchturmspitze in Grosshöchstetten gefallen war, wurde wieder an seinen Platz gebracht. Dank einer anonymen Spenderin.

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Noch ist der Platz um die Kirche Grosshöchstetten verlassen. Einzig ein älterer Mann steht da und schaut zum Kran auf, der neben dem Gotteshaus steht. Es ist ein wichtiger Tag für Hans Kühni. Der Stern, der Anfang der 1960er-Jahre von der Kirchturmspitze gefallen ist, wird an diesem Samstagmorgen wieder an seinen Platz zurückgebracht. «Ich war 1951 dabei, als er zum ersten Mal montiert wurde», sagt der 84-Jährige. Er habe damals geholfen, das Gerüst fertigzustellen. «Wir haben alles von Hand gemacht. Es gab noch keinen Kran.»

Kühni ist der einzige noch lebende Zeitzeuge des Ereignisses. Nochmals zur Kirchturmspitze zu fahren, ist ihm allerdings zu viel: «Es reicht, dass ich einmal dort oben war», sagt er und lacht.

Hoffnung und Zuversicht

Nach seinem Sturz vom Kirchturm blieb der Stern gut 50 Jahre vergessen. Er wurde erst wieder entdeckt, als ihn Baukommissionspräsident Jakob Zum­brunnen 2014 während der ­Renovationsarbeiten auf dem Dachboden der Kirche fand. «Der Stern ist ein wichtiger Bestandteil der Kirche», hält Zumbrunnen fest. «Deshalb haben wir ­beschlossen, ihn zum Abschluss der Sanierungsarbeiten wieder zu installieren.»

Das anderthalb Meter grosse Schmuckstück, wie Zumbrunnen sagt, sei in einem schlechten Zustand gewesen und habe restauriert werden müssen. «Das war so nicht im Budget ­eingeplant.» Die Kirchgemeinde musste zuwarten. Das Vorhaben wurde erst realisierbar, als eine anonyme Spenderin die 6000 Franken für Renovation und Montage übernahm.

Mit diesem Geld konnten nun die neue Goldlegierung und die Miete des Krans bezahlt werden. «Wir wissen, dass ihr der Stern viel bedeutet», sagt Kirchgemeindepräsident Ernst Zürcher. Die Spenderin habe viele Schicksalsschläge erlitten, und der Stern symbolisiere Hoffnung. «Wer ihn in der Sonne glänzen sieht, kann auch in hoffnungslosen Zeiten Zuversicht spüren», so Zürcher.

Eine heikle Aktion

Nach und nach treffen immer mehr Leute bei der Kirche ein. Sie alle wollen sehen, wie der Stern montiert wird. Das 20 Kilogramm schwere Stück wird direkt aus der Werkstatt der Spenglerei Stalder aus Zäziwil geliefert. Die Brüder Fabio und Remo Stalder fahren vor und laden den frisch sanierten Stern aus. Am Vorabend habe er noch bis nach Mitternacht daran gearbeitet», sagt Fabio Stalder. Er habe ihn an der Wetterfahne fixiert, damit er diese nur noch über die Kirchturmspitze zu stülpen brauche.

Nun ist die Zeit, den Stern an seinen Platz zurückzubringen, definitiv gekommen. Die beiden Brüder steigen in einen Korb, der am Kran befestigt ist, und werden in die Höhe gezogen. Etwa 65 ­Meter ab Boden bleiben sie in der Luft hängen. Nun halten sie den Stern und versuchen die Kirchturmspitze zu treffen. «Das ist der heikle Teil der Aktion», sagt Ernst Zürcher. Der Wind dürfe nicht zu stark gehen.

Nach zehn Minuten lassen die Monteure den Stern los. Alles ist gut gelaufen. Die Zuschauer applaudieren. Baukommissionspräsident Zumbrunnen ist zufrieden: «Hoffen wir, dass der Stern dieses Mal länger oben bleibt.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 04.04.2016, 08:48 Uhr

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