«Der Stellenwert des GP ist so hoch wie nie»

Bern

Matthias Aebischer (46), OK-Direktor des Grand Prix Bern, spricht über den Haile-Effekt, Glücksgefühle und eine traurige Statistik.

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Haile Gebrselassie gab dem Grand Prix von Bern mit seiner Teilnahme im vergangenen Jahr den Ritterschlag. War es schwierig, sich nach dem Hype um Äthiopiens Wunderläufer neu zu motivieren?Matthias Aebischer: Nein, der Hype hält an. Wir verzeichnen dieses Jahr einen neuen Anmelderekord. Erstmals knackten wir die 30'000er-Schallmauer. Dank Hailes Teilnahme hatten wir doppelt so viele Medienberichte wie gewöhnlich. Der Stellenwert des GP ist so hoch wie nie.

Was blieb von Haile ausser den 7 nachgedruckten und von ihm signierten Startnummern, die Sie als Erinnerung jedem OK-Vorstandsmitglied überreichten? Es bleiben grossartige Erinnerungen. Haile hat unser Helferteam, ja die ganze Stadt Bern mit seiner lockeren Art verzaubert. Haile traf im Bundeshaus Bundespräsident Ueli Maurer und war total happy. Er interessiert sich sehr für Politik. Afrikanische Läufer sagen oft nur Yes und No. Beim lebensfrohen Haile mussten wir aufpassen, dass er das Rennen nicht verpasst (lacht).

Wenn er eine Bestellung aufgeben könnte, sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät im vergangenen Herbst, würde er Doppelolympiasieger Mo Farah holen. Weshalb präsentieren Sie dem Berner Publikum keinen internationalen Star? Wir schätzen uns glücklich, dass wir vor der Heim-EM im August in Zürich zwei Schweizer Aushängeschilder in Bern am Start haben: Viktor Röthlin und Maja Neuenschwander. Das sind die Gesichter des diesjährigen GP. Es freut mich ausserordentlich, dass sowohl Röthlin als auch Neuenschwander in Bern auf Sieg laufen wollen. Das Rennen passt ideal in ihre Wettkampfplanung. Mit dem gebürtigen Eritreer Tadesse Abraham, der bald eingebürgert werden sollte, und der Kenianerin Cynthia Kosgei können wir mit zwei weiteren Topathleten aufwarten.

Eine berührende Geschichte hat Adeline Gouenon geschrieben. In einem SOS-Kinderdorf in der Elfenbeinküste aufgewachsen, verpasste sie die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London mit dem ivorischen Team nur knapp. Weshalb verpflichteten Sie Adeline Gouenon? Das SOS-Kinderdorf ist in den nächsten zwei Jahren unser Human-Partner. Bei der Onlineanmeldung konnte man sich gleichzeitig entscheiden, der wohltätigen Institution Geld zu spenden. Auf diese Art sind über 20'000 Franken zusammengekommen. Mit der Verpflichtung von Gouenon wollen wir sichtbar machen, wer unser Human-Partner ist.

Bereitet Ihnen gegenwärtig etwas Sorgen? Jetzt nicht mehr (lacht). Ich habe die Wetterprognosen angeschaut. Es werden am Samstag ideale Temperaturen herrschen – also nicht Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad. Das wäre eine Katastrophe.

Worauf freuen Sie sich speziell? Auf den Startschuss. Wenn ich die Energie der rund 32'000 Startenden spüre, geht mir das Herz auf. Ich sehe ein Meer von glücklichen und fitten Menschen an der Startlinie. Das ist sensationell.

Wer gibt den Startschuss ab? STB-Präsident Theo Pfaff schickt die Läufer beim Altstadt-GP auf die Strecke. Regierungsrat Hans-Jürg Käser eröffnet das Frauenrennen, und Regierungsrat Andreas Rickenbacher ist Ehrenstarter beim Hauptrennen.

Haben Sie einen Wunsch, einen Traum vielleicht? Einen Traum nicht, nein. Aber ich hoffe, dass der GP ohne Zwischenfälle verlaufen wird. Statistisch gesehen gibt es weltweit auf 160'000 Läufe ein Todesopfer zu beklagen. Uns würde es statistisch alle fünf Jahre treffen. Da hoffen wir natürlich jedes Jahr, dass nichts passiert.

Die 30'000er-Schallmauer ist geknackt. Müssen am GP bald Laufbegeisterte abgewiesen werden? Bei 40'000 Anmeldungen würden wir an Grenzen stossen – vor allem im Zielbereich. Aber wir müssen realistisch bleiben. Der diesjährige Zuwachs von über 2000 Läufern hängt im Wesentlichen mit drei Faktoren zusammen: Wir profitierten vom Haile-Effekt; uns spielte der milde Winter in die Karten, und der Lauf findet heuer nicht an Pfingsten statt, was sich besonders bei der Anzahl teilnehmender Schüler niederschlug. Wir müssen damit rechnen, dass es 2015 nicht in diesem Stil weitergeht.

Berner Zeitung

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