Der Lift hilft Behinderten ins Wasser

Bern

Das Hallenbad Weyermannshaus ist seit gestern zu 100 Prozent rollstuhlgängig. Der 49-jährige Hugo Müller hat als erster Badegast selbstständig den Weg vom Parkplatz bis ins Schwimmbecken unter die Räder genommen.

Mit dem Schwimmbadlift ins Wasser: Seit gestern ist das Hallenbad Weyermannshaus vollständig rollstuhlgängig.

Mit dem Schwimmbadlift ins Wasser: Seit gestern ist das Hallenbad Weyermannshaus vollständig rollstuhlgängig.

(Bild: Urs Baumann)

Tobias Habegger@TobiasHabegger

Nun hat auch die Stadt Bern ein Hallenbad, das behinderte Menschen problemlos alleine benutzen können. Als sich Hugo Müller in seinem Rollstuhl am Montagmorgen aufmachte, um die neue Infrastruktur im Hallenbad Weyermannshaus zu testen, traf er vor dem Eingang auf eine Hand voll Zuschauerinnen und Zuschauer. Vom CEO der Stadtbauten Bern (Matthias Haag) über den Geschäftsführer der Stiftung Cerebral (Michael Harr) bis zum Anlagechef des Hallenbades (Hugo Wenger) warteten alle gespannt auf das Feedback des behinderten Badegastes.

«Es ist ideal», sagte Hugo Müller, als er mit dem Schwimmbadlift ins Wasser glitt. «Hier kann ich wirklich ohne Hilfe schwimmen gehen», sagte er. Mit der linken Hand hielt er sich an der Stuhllehne fest, seine rechte bediente den Hebel des Lifts. «Dieser funktioniert mit Wasserdruck», sagte Armin Zeder von der Herstellerfirma Nosag AG.

Der Rollstuhl bleibt trocken

Keine zehn Minuten hat es gedauert, vom Zeitpunkt als Hugo Müller bei der Kasse den Schlüssel für die Behindertengarderobe und die Dusche verlangte, bis er im Wasser lag. In der Garderobe hatte er seinen persönlichen Rollstuhl gegen das spritzwasserfeste Exemplar des Hallenbades ausgetauscht. «Früher wurden die Lehne und das Sitzkissen meines Rollstuhls nach dem Schwimmen nass», sagte er. «Diese Zeiten sind vorbei.» Auch Anlagechef Hugo Wenger freute sich: «Die von der Strasse verschmutzten Rollstühle bleiben jetzt draussen – das ist aus Hygienegründen ein grosses Plus.»

Ein Geschenk fürs Hallenbad

Sowohl der Schwimmbadlift wie auch der spritzfeste Rollstuhl im Hallenbad Weyermannshaus sind ein Geschenk der Stiftung Cerebral. Im Rahmen ihres 50-Jahr-Jubiläums rüstete die Stiftung 25 Hallenbäder in der ganzen Schweiz mit dem 14'000 Franken teuren Equipment aus. «Wir investieren unser Geld lieber in solche Sachen, als eine Jubiläumsfeier zu finanzieren», sagte Michael Harr, Geschäftsführer der Stiftung Cerebral. «Denn betreffend Rollstuhlgängigkeit der Schwimmbäder besteht in der Schweiz noch ein grosser Nachholbedarf.»

Berner Zeitung

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