Thun/Worb

Der Fotograf, der gerne «Charaktergringe» ablichtet

Thun/WorbBeat Mumenthaler liebt es, Menschen zu fotografieren. Am liebsten Charakterköpfe, deren Gesichter Geschichten erzählen. Das kommt an. Kürzlich hat der Thuner Fotograf einen internationalen Preis gewonnen.

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Für Beat Mumenthaler gibt es nichts Spannenderes als Gesichter, bzw. die Vielfältigkeit der menschlichen Mimik. Für den 41-jährigen Fotografen aus Thun war deshalb schon immer klar, dass bei seinen Aufnahmen der Mensch im Zentrum stehen sollte. Sein Ziel bei jedem Foto: Die Persönlichkeit des Porträtierten muss sichtbar werden. Bei einem rund halbstündigen Shooting für ein Porträtbild drückt er gerne mal bis 200 Mal den Auslöser, bis er ein solch «starkes Bild», wie er es nennt, im Kasten hat.

Mumenthalers Fotostudio ist in der alten Wäbi in Worb einquartiert, wo er seit zwei Jahren arbeitet. Zuvor hatte er seine Wirkungsstätte in Thun – seinem Wohnort. Bei freien Arbeiten legt er seinen Fokus vorzugsweise auf Personen mit prägnanten Gesichtszügen. «Charaktergringe» nennt er diese. Vor allem etwas in die Jahre gekommene Menschen, deren Gesichter Geschichten erzählen, haben es dem Fotografen angetan.

«Ich liebe alte ‹Gringe›», sagt Mumenthaler, «je mehr Falten im Gesicht, desto besser». «In faltigen Gesichtern lassen sich spannende Geschichten lesen», erklärt Mumenthaler, der Vater von zwei Kindern ist. Am liebsten lichtet er knorrige, alte Bergbauern ab.

Sieg mit grimmiger, alter Dame

Mit seinen zuweilen etwas ungewohnten Sujets abseits dem oberflächlichen Elite-Model-Look hat Beat Mumenthaler kürzlich einen internatonalen Preis gewonnen. Und dies erst noch in einer Kategorie, die ihm zunächst einmal gar nicht behagte: Beauty-Fotografie. Gewonnen hat er denn auch mit einem für ihn typischen Sujet. Zu sehen ist eine streng dreinblickende ältere Dame, die sich von zwei Chihuahuas die Backen ablecken lässt (siehe Bildstrecke).

Der Fotowettbewerb des Bundes professioneller Portraitfotografen (bpp) hatte nur eine Vorgabe: Ein Porträtfoto einer Frau mit ausgeprägtem Make-up oder Frisur. «Ich wollte bewusst provozieren», sagt Mumenthaler, «deshalb fotografierte ich ein ältere Frau». Denn ein solches Foto könne genauso viel Schönheit bzw. Charakter verströmen.

Seine Taktik ging auf. Die 20 internationalen Fachjuroren kürten von den 160 eingereichten Bildern die strenge, alte Dame des Thuners zur Siegerin. Sein Bild stach zweifelsohne heraus, so hatten sich doch die anderen Teilnehmer vorzugsweise auf jüngere Schönheiten fokussiert. Nachdem ihm an der jährlichen bpp Convention im Kölner Marriott Hotel die Auszeichnung übergeben worden war, kam ein Mann der Geschäftsstelle auf Mumenthaler zu und verriet ihm, dass sein Foto mit grossem Abstand gewonnen hätte.

Eine «Herzensangelegenheit» nennt Mumenthaler seine Porträtfotografien von charaktervollen Gesichtern. Diese machen nur einen kleinen Teil seiner Arbeit aus. Denn damit lässt sich kein Geld verdienen, dafür hin und wieder einen Preis gewinnen wie den bpp-Award.

Den weitaus grössere Anteil machen seine kommerziellen Auftragsarbeiten wie Corporate-, Business- und Portraitfotografie für Firmen, Agenturen und Privatkunden aus. Damit verdient er sein Geld und kann sein vor vier Jahren gegründetes Studio namens «BMP – beat mumenthaler photography» am Laufen halten. Zu Beginn seiner Selbständigkeit im Foto-Business (zuvor war er Oberstufenlehrer in Thun und Interlaken) kam er kaum dazu, freie Arbeiten zu verwirklichen. Heute hat er nun etwas mehr Kapazität.

«Hall of Fame» in die Jahre gekommener Promis

Neuerdings macht Beat Mumenthaler auch Porträts von prominenten Charakterköpfen – am liebsten alte, nicht mehr in der Öffentlichkeit stehende. Dabei mischt er sich jedoch nicht unter die Fotografen-Meute am roten Teppich irgendeines Cüpli-Anlasses. Nein, er fragt die Promis persönlich an für ein Shooting. So wie etwa Gabriela Amgarten, die er nächsten Monat bei ihr zu Hause ablichten darf. Die ehemalige SRF-Unterhaltungschefin und einstige «Risiko»-Moderatorin ist einer jener Charakterköpfe, die Mumenthaler gerne in seiner persönlichen «Hall of Fame» haben möchte.

Und wie hat er das angestellt? «Nachdem ich Frau Amgarten an einem Anlass kennengelernt hatte, schrieb ich ihr eine Mail», so Mumenthaler. Darin erklärte er ihr, dass sie in seinen Augen einen typischen «Charaktergring» habe und er sie gerne porträtieren würde. Die 53-Jährige sagte sofort zu.

Warten auf Polo Hofers Anruf

Manchmal spricht Mumenthaler prominente Persönlichkeiten auch spontan an. So wie letzte Woche, als er an einem Bankett der Universität Bern auf Alt-Bundesrat Samuel Schmid traf. Dieser liess sich ohne zu murren vom Thuner Profifotografen ablichten.

Polo Hofer möchte er unbedingt einmal fotografieren. Mumenthaler war dem Musiker aus Oberhofen letzthin am Berner Hauptbahnhof begegnet und fragte ihn ebenfalls spontan an, ob er ihn mal in sein Fotostudio einladen dürfe. Polo war eher skeptisch, gab ihm jedoch seine Mailadresse. «Ich habe ihm geschrieben», sagt Mumenthaler, «bis heute habe ich aber noch nichts gehört von Polo.» Ihn möchte er aber unbedingt porträtieren. Zweifelsohne hat die Mundartrock-Legende einen «Charaktergring» wie er Beat Mumenthaler idealtypisch vorschwebt. Ein Ausspruch von «Polo National», der eben 70 geworden ist, lautet ja auch: «Lieber vom Leben gezeichnet, als von Rolf Knie gemalt.»

www.beatmumenthaler.com (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.03.2015, 13:16 Uhr

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