«Der E-Prix hatte Volksfestcharakter»

Bern

Wegen des Formel-E-Rennens prasselte viel Kritik auf die Berner Stadtregierung hernieder. Stadtpräsident Alec von Graffenried zieht im Nachgang aber eine positive Bilanz.

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried ist mit dem Formel-E-Renntag zufrieden.
(Video: Benjamin Bitoun)
Benjamin Bitoun

Das erste Berner Formel E-Rennen ist vorbei. Wie haben Sie es erlebt?
Alec von Graffenried: Der Anlass als Ganzes war wunderbar friedlich. Am Klösterlistutz lagen Leute auf Liegestühlen, der Rosengarten war ein einziges Familienfest, dazu Musik und Parties. Über 100'000 Menschen kamen noch Bern, um einfach zu feiern – und das haben sie getan: Der E-Prix hatte Volksfestcharakter. Ich habe ihn also insgesamt sehr positiv erlebt.

Nun gab es im Vorfeld ja auch Misstöne. Während einer Kundgebung der Gegner kam es am Donnerstag zu Sachbeschädigungen an der Rennstrecke. War es rückblickend falsch, die Demonstration zu bewilligen?
Nein. Der Entscheid war absolut richtig. Wir wollten den Gegnern des Anlasses eine Möglichkeit geben, Ihren Unmut auszudrücken und Dampf abzulassen, und das haben sie getan. Im Gegenzug durften wir dann am Samstag dieses friedliche Volksfest feiern.

Dampf ablassen klingt etwas gar beschönigend. Es entstand erheblicher Schaden. Das hat gemäss Organisator Hunderttausende Franken gekostet.
Das es zu diesen Sachbeschädigungen kam, ist sehr unschön. Inwiefern den Leuten bewusst war, was sie damit für einen finanziellen Schaden anrichten, weiss ich nicht. Die Sabotageakte an der Rennstrecke hingegen verurteilen wir auf das Schärfste.

Beim Schlussspurt der Aufbauarbeiten haben Sie auf einmal öffentlich Kritik geübt am Veranstalter. Warum diese Schelte kurz vor dem Rennen?
Einige der getroffenen Abmachungen, um die Belastung der betroffenen Quartiere zu mindern, wurden nicht vollumfänglich eingehalten. Zudem sind Pannen passiert, bei der Informationspolitik des Veranstalters und auch technische: etwa bei der Zugänglichkeit des Quartiers und bei den Liften an den Brücken. Wir hatten gehofft, dass die Organisatoren am Freitag öffentlich dazu Stellung beziehen. Als dies ausblieb, haben wir uns an die Öffentlichkeit gewandt.

Hat die Stadt Bern die Grössenordnung des E-Prix und damit auch die Folgen für die Bevölkerung falsch eingeschätzt?
Nein, das glaube ich nicht. Und selbstverständlich wird nun eine umfassende und kritische Auswertung folgen. Aber letztlich darf man auch sagen: Im Grossen und Ganzen hat ja auch alles geklappt – trotz der Pannen. Ich betone: Es wurde niemand verletzt, die Organisation des Anlasses und die Betreuung der Besucherinnen und Besucher klappte und die Leute wurden bestens unterhalten. Dass ein Anlass dieser Grössenordnung nicht ohne Einschränkungen der Bewegungsfreiheit machbar ist, liegt auf der Hand. Was ich aber noch nie erlebt habe, ist, dass Kritiker so selektiv einen einzigen Anlass kritisieren.

Was meinen Sie damit?
Grundsätzlich finde ich es spannend, über Sinn und Unsinn und die jeweiligen Ökobilanzen von Grossanlässen zu diskutieren. Doch darum ging es den Gegnern nicht. Für den E-Prix wurden andere, viel strengere Massstäbe angewendet als für andere Grossanlässe in der Region. Das stört mich.

Dabei wollte die Stadtregierung mit dem Anlass für die Elektromobilität, die in den Berner Klimazielen eine wichtige Rolle spielt, Werbung machen. Ist der Plan aufgegangen?
Wir wollten vor allem eine breit geführte Debatte über die Elektromobilität anregen. Das ist uns gelungen. Ich habe das Gefühl, dass in den vergangenen Monaten so viel über die Vor- und Nachteile und über die Ökobilanz von Elektromobilität diskutiert wie nie zuvor.

Zweitens wollte die Stadt natürlich aber auch Werbung für sich selbst machen und sich der ganzen Welt als gute Gastgeberin präsentieren. Das dürfte ihr aber aufgrund der Sabotage und der Beschädigungen an der Rennstrecke nur bedingt gelungen sein, oder?
Für mich steht fest: Der Anlass war beste Werbung für die Stadt Bern. Es waren vor allem die Bilder von der wunderschönen Altstadt und der blauen Aare, die um die Welt gingen. Ich glaube nicht, dass die Misstöne, die es vor dem Rennen gegeben hat, von aussen wahrgenommen wurden. Das ist ein Thema, mit wir uns hier in Bern beschäftigt haben und mit dem mir uns nun bei der Auswertung des Anlasses noch intensiv beschäftigen werden.

Berner Zeitung

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