Der Chef ist erst 19 Jahre alt

Neuenegg

Seit September ist der Bären in Neuenegg wieder offen. Pächter ist ein 19-Jähriger: Roger Kämpf will das Restaurant zurück zum Erfolg führen. Der erste grosse Test für sein Team ist die Silvesterparty.

Vom Stift zum Pächter des Bären Neuenegg: Er habe in kurzer Zeit viel lernen müssen, sagt der 19-jährige Roger Kämpf.

Vom Stift zum Pächter des Bären Neuenegg: Er habe in kurzer Zeit viel lernen müssen, sagt der 19-jährige Roger Kämpf.

(Bild: Urs Baumann)

Im Bären Neuenegg kam es in den letzten Monaten wiederholt zu amüsanten Dialogen wie etwa diesem: «Ich möchte gerne mit dem Chef sprechen.» – «Ja, bitte.» – «Können Sie ihn holen?» – «Er steht vor Ihnen.»

Zugegeben, der junge Mann in der schwarzen Kochjacke sieht auf den ersten Blick nicht aus wie der Patron eines Restaurants. Eher vermutet man in ihm einen Jungkellner oder einen Kochlehrling. Doch Kämpf ist seit September Pächter und Betriebsleiter des Landgasthofs – mit 19 Jahren. Im Sommer schloss er seine Kochlehre ab. Drei Monate später stand er bereits als Chef im Bären. «Ich musste relativ schnell viel lernen», sagt Kämpf mit einem verschmitzten Lächeln.

Vor einem Jahr war Roger Kämpf noch Stift im dritten Lehrjahr und der Bären seit über einem Jahr geschlossen. In einer Kollegenrunde sei die Idee entstanden, erzählt er. «Roger, sagte einer im Spass, du könntest doch den Bären übernehmen.» Aus dem Spruch sei mit der Zeit ein konkretes Projekt geworden.

Und ausgerechnet im dritten Lehrjahr, neben der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung, hatte der junge Mann jede Menge Arbeit am Hals: mit dem Bären-Besitzer wegen des Pachtzinses verhandeln, die Finanzierung auf die Beine stellen, Bewilligungen einholen, sich mit Vorschriften und Hygienekonzepten herumschlagen, ein Team zusammenstellen.

Räume erhielten neuen Touch

Der in Neuenegg aufgewachsene Jungkoch verhehlt nicht, dass er dabei Hilfe erhalten hat. Allen voran beriet ihn sein Vater, half ihm zu verhandeln und stellte ihm schliesslich einen Kredit zur Verfügung. «Er gab mir die Chance, die Sache anzupacken», sagt Kämpf. Jetzt versucht er, die Herausforderung zu meistern. Den Kredit möchte er dereinst wieder zurückzahlen.

Vor der Eröffnung des Bären liess der neue Pächter Küche, Restaurant und eines der Säli sanft renovieren. Und er legte selbst Hand an. Er strich einen Teil der dunklen Holzflächen hell, installierte neue LED-Leuchten, hängte teils historische, teils moderne Bilder an die Wände. Das Motto des Restaurants: «Tradition und Moderne treffen sich». Damit hofft er, ältere und jüngere Besucher ins Lokal zu locken.

Auf der Karte stehen vorwiegend traditionelle Gerichte aus frischen regionalen Produkten. Kämpf berücksichtigt das Neuenegger Gewerbe: Fleisch und Gemüse bezieht er aus dem Dorf, eine Floristin sorgt fürs Blumendekor.

Viele kennen ihn

Inzwischen hat Roger Kämpf die ersten Erfahrungen als Beizer gesammelt. «Wenn man berücksichtigt, dass der Bären vorher lange geschlossen war, kann ich mich nicht beklagen», sagt er zum Geschäftsgang. Das hat auch damit zu tun, dass ihn viele kennen und deshalb vorbeischauen. Darunter sind die Musikgesellschaft und die Feuerwehr, bei denen Kämpf mitmacht.

Der Jungpächter führt den Betrieb zusammen mit drei Frauen, die im Service tätig sind, und einem Koch. Dieser stand gegen Ende von Kämpfs Lehrzeit am Herd des Lehrbetriebs, war also einer seiner Betreuer. Jetzt ist Roger Kämpf der Chef. Das sei kein Problem, sagt er. «Wir sind ein Superteam.»

Wenn viel los ist, helfen Kolleginnen und Kollegen oder Familienangehörige mit, besonders bei Gruppenessen oder Banketts im grossen Saal. Kämpf selbst steht ziemlich unter Strom: «Ich bin als Erster hier und gehe als Letzter hinaus.» Seit Januar habe er keine Ferien gehabt, sagt er – und lächelt dazu. Er lässt es sich trotzdem nicht nehmen, hie und da nach Feierabend in den Ausgang zu gehen.

Herausforderung an Silvester

Helfer benötigt Roger Kämpf auch am Mittwoch. Für das Silvestermenü mit Unterhaltung rechnet die Bären-Crew mit gegen 50 Gästen. Kämpf aber ist zuversichtlich. Den Anlass managt nämlich eine ehemalige Schulkollegin, eine angehende Lehrerin, die auch sonst manchmal im Bären aushilft. Die Silvesterparty ist als Start gedacht für weitere Events, die im Bären stattfinden sollen.

An seine berufliche Zukunft denkt Roger Kämpf noch nicht. «Ich will hier erst Erfahrungen sammeln», sagt er. Dem Bären möchte er zu einem guten Namen verhelfen. Und als Chef eine gute Figur machen.

Berner Zeitung

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