Der Berner, der weltweit die Schmerzpatienten vernetzt

Jahrelang litt Daniel Lawniczak selbst unter chronischen Schmerzen. Mit seiner App «Catch my Pain» vernetzt der Jungunternehmer nun weltweit Schmerzpatienten. Experten und Investoren sind begeistert.

Bietet Patienten und Ärzten zahlreiche neue Möglichkeiten zur Beschreibung und Therapie chronischer Schmerzen: Das Onlinetagebuch «Catch my Pain» von Sanovation.

Bietet Patienten und Ärzten zahlreiche neue Möglichkeiten zur Beschreibung und Therapie chronischer Schmerzen: Das Onlinetagebuch «Catch my Pain» von Sanovation.

(Bild: Susanne Keller)

Benjamin Bitoun

Die Schmerzen kamen schleichend und wurden immer stärker. «Ich sass am Computer, als meine Handgelenke und Unterarme anfingen, wehzutun», erinnert sich Daniel Lawniczak. Für den 32-jährigen Berner Wirtschaftsinformatiker begann damit ein jahrelanger Leidensweg, der ihn quer durch die Schweiz von Arzt zu Arzt führte. Doch weder brachten die Konsultationen Erkenntnisse über den Ursprung seiner Schmerzen, noch verschafften die verschriebenen Medikamente und Therapien dauerhaft Linderung. Zudem sei der Ärzteparcours zeit- und nervenaufreibend gewesen, sagt Lawniczak. Oftmals werde man als Schmerzpatient nicht einmal ernst genommen, wenn alle medizinischen Tests negativ ausfielen.

Online-Tagebuch für Schmerzpatienten und Ärzte

Der Gedanke, die eigenen Erfahrungen in eine Geschäftsidee umzumünzen, kam Lawniczak während seines Aufenthaltes in einer Basler Schmerzklinik. «Ich wurde aufgefordert, meine Schmerzen aufzuzeichnen, anstatt sie nur zu beschreiben. Ich dachte sofort, so etwas müsste es digital geben», sagt Lawniczak. Er entwickelte daraufhin «Catch my Pain», ein Online-Schmerztagebuch, in dem Patienten Intensität und Ort ihrer Schmerzen einzeichnen können. Aus dem grafisch dargestellten Schmerzverlauf können diese dann ablesen, welche Medikamente oder Therapien die Leiden linderten oder verstärkten. Eine Schmerzpatientin habe ihm erzählt, dass sie in fünf Jahren vierzehn verschiedene Schmerzmittel verschrieben erhalten habe, sagt Lawniczak. «Am Ende konnte sie sich nicht mehr erinnern, welches der Mittel am besten wirkte.» So etwas sei mit «Catch my Pain» unmöglich.

Ein weiterer Vorteil der Software: «Der Arzt sieht den Schmerz des Patienten bildlich vor sich und erhält sofort dessen lückenlos dokumentierte Krankengeschichte», erklärt der Unternehmer. Er habe am eigenen Leib erlebt, wie zeitaufwendig es sei, bei jedem Arztwechsel wieder bei null anfangen zu müssen und zu versuchen, den Schmerz in Worte zu fassen. «Catch my Pain» könnte als «digitalisierte Krankenakte» dazu beitragen, administrative Abläufe und Behandlungen effizienter und damit auch kostengünstiger zu gestalten, sagt Lawniczak.

Unterstützung durch Investoren und Mäzene

Geldgeber zeigten sofort Interesse an der Idee. Von der Berner Hasler-Stiftung, die sich der Förderung der Informations- und Kommunikationstechnologie verschrieben hat, wurde Lawniczaks 2011 gegründete Sanovation AG mit 150'000 Franken unterstützt. Ein Jahr später gewann Sanovation zudem den auf 100'000 Franken dotierten Preis der W.-A.-de-Vigier-Stiftung, mit welchem diese jedes Jahr die fünf erfolgversprechendsten Schweizer Start-up-Unternehmen auszeichnet. In diesem Sommer noch wird die Firma die zweite Finanzierungsrunde über 700'000 Franken abschliessen.

Mittlerweile wirken zehn Mitarbeiter an der Weiterentwicklung von «Catch my Pain» mit. Die App ist für PCs, Smartphones und Tablets erhältlich – und unter den Gesundheitsapplikationen in den diversen App-Stores ein Hit: 37'000 Patienten auf der ganzen Welt nutzen sie regelmässig, und jede Woche kommen rund 1200 neu dazu.

Im Juni wird erstmals eine Version erscheinen, die die Schmerzpatienten aufgrund ihrer Einträge miteinander vernetzt. «Ein Algorithmus identifiziert Gruppen der ähnlichsten Patienten und ermöglicht diesen, sich untereinander auszutauschen», sagt Lawniczak. Statistische Auswertungen gäben den Patienten in einem weiteren Schritt Aufschluss über die korrekte Diagnose ihres Problems und die erfolgversprechendste Behandlungsmethode.

Seine eigenen chronischen Schmerzen hat Lawniczak mittlerweile im Griff. «Sie haben mich ganze zwei Jahre meines Informatikstudiums gekostet. In der schlimmsten Zeit konnte ich maximal dreissig Prozent arbeiten und nicht länger als zwanzig Minuten am Stück am Computer sitzen», sagt Lawniczak. Es waren letztlich die Zeichnungen aus dem Onlinetagebuch, welche die Lösung brachten. «Meine Physiotherapeutin hat dadurch erkannt, dass die Schmerzen durch Verspannungen aus den Schultern ausgelöst werden», sagt Lawniczak. Dank der richtigen Therapie könne er heute normal arbeiten und die Schmerzen auf einem erträglichen Niveau halten.

Berner Zeitung

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