Debakel um Solar Industries: Stadt Bern verliert 7,3 Millionen

Bern

Der Konkurs der Firma Solar Industries AG und die finanziellen Wirren der Beteiligungsgesellschaft New Value kosten die Stadt Bern 7,3 Millionen Franken. Allein der Verlust bei der städtischen Pensionskasse beträgt 2,34 Millionen.

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Wolf Röcken

Die Rede ist von einer Fehlinvestion oder von einem missglückten Risikogeschäft. Tatsache ist: Die Stadt hat wegen Beteiligungen des stadteigenen Unternehmens Energie Wasser Bern (EWB) sowie ihrer Pensionskasse (PVK) viel Geld verloren; 7,3 Millionen Franken total.

EWB war mit 15 Prozent an der Solar Industries AG beteiligt, über die im April 2012 der Konkurs eröffnet wurde. Dem ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten Rolf Wägli wird Veruntreuung vorgeworfen, die zum Debakel führte (siehe Kasten). Der Abschreiber für EWB beträgt 5 Millionen Franken, wie Sprecherin Alexandra Jäggi bestätigt. 2 Millionen gingen zulasten der Rechnung 2011, 3 Millionen wurden 2012 verbucht.

Aktien nach Panama verkauft

Einen Millionenverlust befürchtete auch die städtische Pensionskasse. Nun steht fest, dass er 2,34 Millionen Franken beträgt. Dies geht aus einer Gemeinderats-Antwort auf einen Vorstoss von Rolf Zbinden (PDA) hervor. Die PVK war mit gut 20 Prozent an der Beteiligungsgesellschaft New Value beteiligt. New Value wiederum hielt bei der Solar Industries ein Engagement von 11,7 Millionen Franken. PVK-Leiter Jürg Schad spricht von einem Verlust, «der wehtut». Die PVK wies Ende 2012 bei einer Bilanzsumme von 1,83 Milliarden einen Deckungsgrad von 94,4 Prozent auf.

Allerdings fällt der Verlust geringer aus als einst befürchtet. Im Frühjahr 2012 war von 3,2 Millionen Franken auszugehen – dem Wert, den die Aktien damals noch hatten. Laut Jürg Schad gelang es aber, im November 2012 das gesamte Aktienpaket der PVK an die Macornay Investment aus Panama zu verkaufen. Für die PVK reduzierte sich der Verlust wegen des Verkaufserlöses auf die erwähnten 2,34 Millionen. Die PVK gehörte vor rund zehn Jahren zu den Gründungsmitgliedern von New Value und war stets die grösste Aktionärin. Als die Verluste im April 2012 bekannt wurden, erwirkte die PVK den Rücktritt sämtlicher Verwaltungsräte von New Value und erzwang Neuwahlen.

Die Verfahren sind hängig

Schad ist seit Dezember 2012 im Amt, war also weder am Investment noch am Aktienverkauf beteiligt. Im Rückblick sagt er zur Beteiligung an New Value: «Es ist sinnvoll, als Ergänzungsstrategie in andere Märkte zu investieren, aber mit weniger Risiko.» Die PVK sei damals sicherlich eine «etwa achtmal zu grosse Position» eingegangen. Schon Schads Vorgänger hatte eingeräumt, dass es «eher unüblich» sei, dass eine Pensionskasse einen 20-Prozent-Anteil an einem einzelnen Unternehmen halte.

Die New Value hat gegen den früheren Verwaltungsratspräsidenten Rolf Wägli Strafanzeige und Zivilklage eingereicht. Die Verfahren sind gemäss Auskunft bei New Value hängig. Ebenso wie ein Strafverfahren, das der Verwaltungsrat der Solar Industries gegen Wägli eingeleitet hatte. PVK-Leiter Schad rechnet nicht damit, dass noch Geld zu holen ist. EWB hat laut Sprecherin Jäggi die «möglichen rechtlichen Schritte» unternommen.

Als Konsequenz der Verlustgeschäfte «erwartet» der Gemeinderat von PVK und EWB, dass das Risikomanagement sowie Kontrollen bei Beteiligungen erneut verstärkt werden.

Berner Zeitung

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