Wabern

Das kleine Festival am Weg zum Gurten

WabernIn der Heiteren Fahne kann sich engagieren, wer immer Lust dazu hat – so auch während des Festivals, das in den nächsten Tagen am Fusse des Gurtens parallel zum Gurtenfestival läuft.

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Bald werden sie keck vom Dach blicken: die Einhörner, die jetzt in der Heiteren Fahne in Wabern noch auf einem Gartentisch liegen. Fränzi Wüthrich hält eine der Masken in der Hand, Felicia Kreiselmaier durchbohrt sie mit einem Locher. Dann zurrt sie den schwabbelnden Gummikopf mit einem Kabelbinder an einem Stab fest. «Soll ich ihn ausstopfen?», fragt Thomas Wüthrich und holt ein paar kleine, aufgeblasene Plastikbeutel aus einer Kiste. «Das sieht mega gut aus», freut er sich wenig später.

Wüthrich kommt regelmässig in die «Heitere Fahne», genau wie viele andere. Ein Kernteam mit rund 30 Leuten und ein Pool von 150 Helfenden sorgt seit letztem November für neuen Betrieb in der alten Beiz bei der Talstation der Gurtenbahn. Alle arbeiten freiwillig und ohne Entgelt. Das Restaurant ist ebenso zu einem Kulturort geworden wie zu einer Beiz.

Alle haben hier Platz, das ist das Credo des Projekts, in dem sich engagiert, wer Lust dazu hat, vom Handwerker über den Künstler bis zum Koch und Sozialarbeiter, mit und ohne Behinderung. «Was heisst schon behindert?», sagt Mitinitiantin Felicia Kreiselmaier. «Wir fragen nicht danach, was jemanden behindert, sondern was einen Menschen befähigt – dann löst sich die Frage rasch auf, was normal ist.» Den Traum eines solchen Ortes habe es schon lange in ihren Köpfen gegeben. «Jetzt haben wir einen Raum gefunden, wo erwachsen kann.»

Der Mann mit dem Zylinder

Dass hier alle, so wie sie sind, akzeptiert sind, wird am Mittagstisch spürbar. Auf der grossen Terrasse des Restaurants wird gescherzt und gelacht, und es geht gemütlich zu und her. Plätzli, Kartoffelsalat und Pasta liegen auf den Tellern. Es sind Reste des letzten WM-Abends in der Beiz. Wer hier sitzt, hilft bei den Vorbereitungen. Denn während es in den nächsten Tagen oben auf dem Gurten rockt, wird es auch auf der grossen Terrasse sehr lebendig sein. «Gugusgurte» heisst das hauseigene Festival, das die Heitere Fahne von heute bis am Sonntag veranstaltet (siehe Box).

Thomas Wüthrich freut sich schon sehr darauf. «Ich werde die Bands ansagen», erzählt er stolz. Gibts in der Heiteren Fahne einen Event, setzt er oft seinen roten Zylinder auf und wirkt als Speaker. Fürs Festival sei er allerdings auch noch zum Securitas «verknurrt worden», erzählt er. Gefragt, ob er das tun würde, hat ihn der Sozialarbeiter Hannes Hergarten, der die Heitere Fahne ebenfalls mitinitiiert hat. Nach dem halbjährigen Probelauf ist klar, dass diese weiter bestehen soll. «Wir denken darüber nach, was für Rahmenbedingungen es braucht, damit das möglich ist», sagt Hergarten. Vieles sei noch offen.

Bis jetzt funktioniert das Projekt laut den Verantwortlichen selbsttragend. Mit dem «Gugusgurte» als Benefizveranstaltung wollen sie dafür sorgen, dass dies weiterhin der Fall ist. Für ihre beispielhafte Art, Behinderte zu integrieren, erhält die Heitere Fahne dieses Jahr auch einen Preis der Zürcher Paulus-Akademie, der ihr 5000 Franken einbringt. «Darüber freuen wir uns sehr», sagt Felicia Kreiselmaier. Ohne ihr Wissen oder Zutun habe sie jemand nominiert.

Profikoch in der Küche

Koch Pablo Bobrik zählt auf, was er für das anstehende Festival alles bestellt hat: 1000 Bratwürste, 120 Kilo Kartoffeln für die hauseigenen Pommes-Frites, 50 Kilo Limetten – und noch vieles mehr. Er ist ein Profi und sorgt auch sonst für die Ware in der Restaurantküche. In dieser arbeitet er wie alle andern freiwillig mit. Daneben betreibt er selbstständig ein Bioeventcatering. «Ein Ort wie dieser ist genau das, was ich wollte», sagt er. «Ich finde, man muss ausbrechen können im Alltag, einen Raum dafür schaffen, kreativ zu sein.» Hier lasse sich viel experimentieren. «Der Kommerz steht nicht im Vordergrund.»

Vieles in der Heiteren Fahne entstehe nach und nach. «Wir verstehen uns als ein Projekt in Bewegung.» Es gebe zwar Ziele und Vorstellungen. «Aber wir wollen offen bleiben für Anregungen und Inputs von verschiedenen Seiten», sagt Felicia Kreiselmaier. «Wir nehmen uns den Freiraum, diesen Ort so bunt und abwechslungsreich zu gestalten, wie es uns gefällt.»

Öffnungszeiten: Ausser an den Festivaltagen derzeit Sommerpause. Ab 12.August wieder Di, Do, Fr, 17 bis 0.30 Uhr geöffnet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.07.2014, 12:31 Uhr

Infobox


Quelle: Vimeo.com/Heiterefahne

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