Das grosse Missverständnis um das Astronomie-Festival

Bern

Die Universität und die Stadt Bern versprachen sich viel vom geplanten Starmus-Festival. Doch die Pläne scheiterten.

Ein Referent an einem früheren Starmus-Festival.

(Bild: PD)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Für die Universität Bern, die Stadt Bern und Bern Welcome ist es ein Lehrstück: Diese Institutionen haben die Zusammenarbeit mit den Organisatoren des Astronomiefestivals Starmus abgebrochen. Im Februar haben sie mit Stolz angekündigt, dass die Veranstaltung Ende Juni 2019 in Bern stattfinden würde. Zum 50-Jahr-Jubiläum der ersten Mondlandung eines Menschen. «Das Festival wird ein grosses Publikum für Themen der Wissenschaft und der Raumfahrt begeistern», freute sich Stadtpräsident Alec von Graffenried.

Die Ankündigungen tönten vielversprechend: «Es ist ein Festival, das Wissenschaft – vornehmlich Astronomie und Weltraumforschung –, Musik und Kunst zusammenbringt und einer breiten Öffentlichkeit Forschung näherbringen will», schrieb die Universität. Die Veranstalter wiesen darauf hin, dass die US-Astronauten Buzz Aldrin und Neil Armstrong sowie der im März verstorbene Starphysiker Stephen Hawking bei früheren Austragungen Vorträge hielten. Die Veranstalter sprachen von gegen 2500 Teilnehmern, die sie erwarteten.

Die Notbremse der Berner

Marcel Brülhart, Präsident der Tourismusorganisation Bern Welcome, erklärt, wieso er und die Universität nun die «Notbremse gezogen haben»: «Im Laufe der Arbeiten haben wir festgestellt, dass die Vorstellungen über den Anlass zu weit auseinanderliegen. Das Starmus-Team wollte die meisten Veranstaltungen als geschlossene Anlässe durchführen. Bern Wel­come hätte es dagegen begrüsst, wenn diverse Events offen für das Publikum gewesen wären.»

Bei den Vorbereitungsarbeiten kamen bei den beteiligten Berner Institutionen zunehmend Zweifel auf: «Die Zusammenarbeit mit den Vertretern von Starmus gestaltete sich immer schwieriger. So erhielten wir nie eine Bestätigung für getroffene Abmachungen», erklärt Brülhart. Auch das gross angekündigte musikalische Rahmenprogramm war nicht gesichert: «Die Veranstalter hatten noch keine Verträge mit Musikern abgeschlossen, die am Festival auftreten sollten», erzählt er weiter.

Schliesslich nahmen die Vertreter von Bern Welcome Kontakt mit den Austragungsorten von früheren Festivals auf. Diese Gespräche bestätigten, dass auch bei früheren Austragungen nicht alles rundlief. Das Fass zum Überlaufen brachten schliesslich ständig steigende finanzielle Forderungen. Die Universität trieb zwar Sponsorengelder in Höhe von drei Millionen Franken ein, die Organisatoren hätten jedoch gerne fünf Millionen gehabt, wie «Der Bund» berichtet.

Die Lehren aus dem Fall

Für die Universität Bern, Bern Welcome und die Stadt Bern ist es eine peinliche Geschichte. Bei Bern Welcome ist man bereit, die Lehren daraus zu ziehen: «Wir werden künftig intensivere Abklärungen über die Organisatoren solcher Grossveranstaltungen machen müssen», sagt Marcel Brülhart. Das gute alte Prinzip des Einholens von Referenzen soll also wieder mehr Beachtung erhalten.

Der Fall ist auch ein Symptom dafür, dass die Städte weltweit in zunehmender Konkurrenz um solche Veranstaltungen stehen. Bern-Welcome-Präsident Marcel Brülhart will da künftig nicht mehr so bereitwillig mitziehen: «Die Vorzeichen im Geschäft mit Grossveranstaltungen haben sich gedreht. Die Austragungsstädte werden immer mehr gegeneinander ausgespielt dazu, höhere Beiträge zu ergattern. Es ist nicht sinnvoll, an diesem Wettlauf teilzunehmen», sagt er.

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