Bern

Das grosse Kornfeld-Alphabet

BernDiese Woche feiert das Berner Auktionshaus Kornfeld sein 150-Jahr-Jubiläum mit einer Sonderversteigerung zu Marc Chagall. Die Geschichte des Traditionshauses von A bis Z.

Eberhard W. Kornfeld leitet seit 1951 die Galerie.

Eberhard W. Kornfeld leitet seit 1951 die Galerie. Bild: Iris Andermatt

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A wie Auktionen
Das Versteigern von Kunst ist eine Kernkompetenz der von Eberhard W.Kornfeld (siehe K) geleiteten Galerie. Die diesjährigen Auktionen finden morgen und Freitag statt.

B wie Bernhard Bischoff
Der 40-jährige Thuner ist seit Dezember 2013 Mitinhaber der Galerie Kornfeld. 2001 eröffnete Bischoff seine eigene Galerie, die er im Berner Atelierhaus Progr betreibt. Der Kunsthistoriker ist zudem als Publizist tätig und auch kulturpolitisch aktiv, etwa als Vizepräsident des Verbands Schweizer Galerien.

C wie Chagall
Eberhard W.Kornfeld war mit Marc Chagall befreundet (siehe W). An der diesjährigen Auktion kommen – als Höhepunkt des 150-Jahr-Jubiläums – 46 Werke des französischen Malers unter den Hammer. 2006 wurde in der Galerie Kornfeld Chagalls «Le Songe» für 2,45 Millionen versteigert. Ob dieser Spitzenpreis getoppt wird?

D wie Druckgrafik
Mit Druckgrafik alter Meister handelte das Auktionshaus von Anfang an. Auch unter Kornfelds Ägide sind die Stiche und Drucke des 15. bis 18.Jahrhunderts dominierend. Die Reputation strahlt aus: Schreibt zum Beispiel die «New York Times» über Kornfeld, betitelt sie ihn als «one of the world’s leading print experts».

E wie Expressionismus
In Deutschland als «entartet» beschimpft, in der Schweiz mehrheitlich noch unverstanden, kauften bis weit in die Nachkriegszeit nur wenige Kenner expressionistische Kunst. Kornfeld gehörte dazu. Eine besondere Beziehung hat er zu den Werken von Ernst Ludwig Kirchner, dessen Davoser Wohnhaus er kaufte und zur Gedenkstätte machte.

F wie Forschung
Neben der Auktionstätigkeit engagiert sich die Galerie im Bereich der Forschung, veranstaltet Ausstellungen und verlegt entsprechende Fachliteratur.

G wie H.G.Gutekunst
Die Wurzeln der Galerie liegen in Stuttgart. Dort gründete Heinrich Georg Gutekunst am 1.Oktober 1864 eine Galerie für Grafik und führte ab 1868 Auktionen durch. Daraus entstand erst die Richard Gutekunst in London, später Gutekunst & Klipstein und Klipstein & Kornfeld in Bern. Seit 1972 heisst die Firma offiziell Galerie Kornfeld und Cie.

H wie Höchstgebot
Georges Braques Gemälde «La Terrasse» für 7 Millionen Franken im Jahr 2006 – das ist das höchste Gebot, das in 150 Jahren je eingegangen ist.

I wie International
Das Renommee der Galerie und ihres Geschäftsführers reicht weit über die Landesgrenzen hinaus. Entsprechend international ist die Klientel.

J wie Juni
Dass die Auktionen im Juni stattfinden, ist kein Zufall. Dann treffen sich die internationalen Kunstsammler anlässlich der Art Basel in der Schweiz – ein Abstecher zu Kornfeld liegt nahe.

K wie Eberhard W.Kornfeld
Kornfeld, der 1923 in Basel geborene Sohn eines Innenarchitekten, sammelte bereits als Gymnasiast antike Münzen römischer Kaiser. Nach einer kaufmännischen Ausbildung kam er als Volontär zu Dr.August Klipstein nach Bern. Dieser führte in der dritten Generation das seit 1864 bestehende Auktionshaus. 1951 übernahm Kornfeld nach Klipsteins Tod die Leitung der Galerie.

L wie Laupenstrasse
Als sich das Auktionshaus 1919 in Bern niederliess, logierte es erst an der Hotelgasse, später in der Amthausgasse und seit 1944 an der Laupenstrasse.

M wie Moderne
Neben der Druckgrafik ist die Kunst der Moderne ein Kerngebiet der Galerie. Zahlreiche Ikonen dieser Epoche werden auch dieses Jahr versteigert. So die Bronzeskulptur «Annette debout» (um 1954) von Alberto Giacometti, Schätzwert: 1 Million Franken.

N wie No-Go
Am Ohrläppchen ziehen oder die Nasenspitze reiben? Geheime Gebote gibts bei Kornfeld nicht! Alle Bieter kriegen ein Paddle. Bevor damit geboten werden kann, muss man sich registrieren.

O wie der Fall Oskar Schlemmer
1997 sollte Oskar Schlemmers Zeichnung «Tänzerfigur» unter den Hammer kommen. Doch das Werk wurde von Unbekannten entwendet. 2009 tauchte es in Berlin auf und wurde konfisziert. Ein Jahr später fand es seinen Weg zurück zu Kornfeld.

P wie Pressepräsenz
Letzten November geriet die Galerie Kornfeld weltweit in die Schlagzeilen: Cornelius Gurlitt, Besitzer der umstrittenen Sammlung «entarteter Kunst», gab an, Geschäfte mit Bern gemacht zu haben. Doch Gurlitts Aussage gegenüber den Zollbehörden, das bei ihm konfiszierte Geld stamme «aus geschäftlichen Kontakten mit der Galerie Kornfeld von 2010, stimmt nicht», stellte die Galerie klar. Die letzten Geschäftskontakte gingen auf das Jahr 1990 zurück.

Q wie Qualität
Für seine hochstehende Arbeit wurde Eberhard W.Kornfeld 1982 die Ehrendoktorwürde der Universität Bern verliehen. 2011 wurde er Ehrenbürger der Stadt Bern. Er ist zudem Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ritter des französischen Ordre des Arts et des Lettres.

R wie Rembrandt
Kornfeld ist ein Rembrandt-Experte. 1946 kaufte er eine erste Radierung und legte damit den Grundstein zu einer der weltweit wichtigsten privaten Rembrandt-Grafiksammlungen.

S wie Christine Stauffer
Die 71-jährige Christine Stauffer ist Mitglied der Geschäftsleitung und seit 1967 rechte Hand von Kornfeld. Der «Motor der Firma» profilierte sich auch als Verfasserin von zahlreichen Werkverzeichnissen, etwa Giovanni Giacomettis.

T wie Telefongebote
Kornfeld liess sich erst 2008 überzeugen, auch Telefongebote zuzulassen. Lange Zeit war er der Meinung, dass Bieter im Auktionssaal präsent sein sollten. Internetgebote, wie sie in vielen Auktionshäusern möglich sind, bleiben aber tabu.

U wie Umsatz
Die Jahresumsätze variieren stark, je nachdem, ob eine Sonderauktion stattfindet oder nicht. 2013 betrug der Umsatz rund 31 Millionen Franken.

V wie Vorbesichtigung
Zu jeder Auktion gehört eine Vorbesichtigung der Werke. Die diesjährige Ausstellung ist noch bis heute um 18 Uhr geöffnet.

W wie Weggefährten
Picasso kannte er persönlich, Chagall (siehe C) war sein Freund: Mit vielen der Künstler, die das 20.Jahrhundert geprägt haben, stand Eberhard W.Kornfeld in engem Kontakt. Besonders nah stand ihm Alberto Giacometti, den er in der Kunsthalle Bern kennen lernte.

X wie x-mal
In 150 Jahren fiel der Auktionshammer x-mal. Allein dieses Jahr werden 934 Lose versteigert: 813 in der Kategorie «Kunst des 19. bis 21.Jahrhunderts», 75 in «Grafik Alter Meister» und 46 von Chagall (siehe C).

Y wie Yen
Die Schätzpreise in Katalogen sind in Schweizer Franken angegeben, aber kann man auch in Yen bezahlen? Ja, solange der Gegenwert dem Betrag in Franken entspricht.

Z wie Zukunft
Bernhard Bischoff (siehe B.) wird in Insiderkreisen als Nachfolger Kornfelds gehandelt. Und wer weiss, vielleicht werden dereinst gar Internetgebote angenommen.

Jubiläumsauktion: Do und Fr, Galerie Kornfeld, Laupenstrasse 41. Besichtigung: am Mittwoch bis 18 Uhr. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.06.2014, 08:28 Uhr

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