Das Wasserwerk macht dicht

Bern

Auf Ende Jahr schliesst der älteste Club in der Matte. Einer der Hauptgründe für die Schliessung ist hohe Lärmemission, wie umstrittene Bericht der Lärmfachstelle aufzeigen.

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Nach dem Sous Soul auch das Wasserwerk: «Die Betreiber haben uns mitgeteilt, dass sie den Konzert- und Discobetrieb auf Ende Jahr einstellen werden», sagte Regierungsstatthalter Christoph Lerch am Donnerstag im «Bund».

Beide Clubs leiden unter dem Streit um den Lärm. Die zu laute Musik im Wasserwerk war denn auch Hauptgrund für das Regierungsstatthalteramt, dem Club wohl keine Überzeitbewilligung bis fünf Uhr morgens zu erteilen, wie das Amt dem Wasserwerk mitteilte. Daraufhin habe der Klub zuerst das Gesuch für die Überzeitenbewilligung zurückgezogen.

«Unprofessionelle Messungen»

Um die Lautstärke zu beurteilen, seien Beamte der kantonalen Lärmfachstelle an einem Dienstagabend vor Ort gegangen, hätten die Musikanlagen mit den Betreibern in Gang gesetzt und dann in den Zimmern der Anwohner gemessen. Das schreibt der «Bund» in seiner heutigen Printausgabe. Da es keine Grenzwerte für die Beurteilung von Immissionen gebe, müssten sich die Beamten auf ihr Ohr verlassen - und somit auf einen subjektiven Eindruck.

Die Clubbetreiber vom Wasserwerk wie auch vom Sous Soul sind sich einig: Die Messungen der Polizei seien unprofessionell. Albert Gomez, einer der Betreiber des Wasserwerks, sagte gegenüber «Bund»: «Der Schall ist bei einem gefüllten Raum ganz anders und der Lärmpegel der Strasse an einem Dienstag nicht mit dem Samstag zu vergleichen.» Auch Sous-Soul-Betreiber Fire Widmer findet den Dienstagabend kaum repräsentativ: Der Grundlärmpegel sei am Wochenende viel tiefer. Bei der Lärmfachstelle ist man sicher, dass sich auch ausserhalb der Betriebszeiten aussagekräftige Messungen anstellen lassen.

Willkür bei Messungen?

Auch der Sekundärlärm vor dem Lokal sei berücksichtigt worden. Im Bericht der Lärmfachstelle zum Sous Soul vom Dezember 2009 wurde eine halbe Stunde beobachtet, wie ungefähr zehn Personen sich permanent vor dem Sous Soul aufgehalten hätten. Die Besucher liessen sich eindeutig dem untersuchten Gastgewerbebetrieb zuordnen. «Wegen Rufen, Gelächter und Diskussionen müssten die Lärmklagen als berechtigt eingestuft werden», heisst es weiter.

Wie garantiert die Lärmfachstelle, dass nicht willkürliche Eindrücke in den Bericht einfliessen? Martina Rivola, die Leiterin der Abteilung Umwelt, sagte im Namen der ihr unterstellten Fachstelle gegenüber dem «Bund»: «Von Willkür kann keine Rede sein.» Man stütze sich auf Erfahrungswerte und tausche sich mit Fachstellen der anderen Kantone aus.

In einer solchen Messung habe die Lärmfachstelle Anfang Jahr erhebliche Störungen in der Nachbarschaft des Wasserwerks festgestellt, die durch die Musikbeschallung resultiere. Deshalb wurde den Wasserwerk-Betreibern empfohlen, den Musikpegel auf 80 Dezibel zu reduzieren – laut Urs Imhof vom Wasserwerk sei dies aber wie «Hintergrundmusik in einer Bar». Des Weiteren sei auch der Widerstand der Anwohner ein Grund gegen die Überzeitbewilligung.

jek/cls/BZ

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