Das Velo mit Kofferraum

Bern

Wer Kinder und Fracht transportieren muss, fährt mit dem Auto am besten. Wirklich? Nein, findet die Mobilitätsakademie. Im Stadtverkehr bietet das Caki-Bike – ein E-Velo für Cargo und Kinder – viele Vorteile.

Alain Brügger will das Caki-Bike in Bern unter die Leute bringen. In Amsterdam oder Kopenhagen gehören diese Räder zum Stadtbild.

Alain Brügger will das Caki-Bike in Bern unter die Leute bringen. In Amsterdam oder Kopenhagen gehören diese Räder zum Stadtbild.

(Bild: Urs Baumann)

Ralph Heiniger

Und auf einmal wird der Wocheneinkauf schwerer, der Platzbedarf grösser, und auch die Fahrt im Tram kann plötzlich an den Nerven zehren. Sobald Kinder da sind, ändern sich die Ansprüche an die Mobilität. Erfahrungsgemäss schaffen sich selbst überzeugte Velo- und ÖV-Nutzer, die vorher jahrelang ohne Auto lebten, nach der Familiengründung oft ein Automobil an.

Mit dem Projekt «Caki-Bike» will die Mobilitätsakademie unter anderem zeigen, dass es auch in dieser Lebensphase Alternativen zum Autokauf gibt. Das Caki-Bike bietet auf seiner Ladefläche Platz für zwei Kinder im Kindersitz oder für bis zu hundert Kilo Fracht. In einer Testphase stellt die Mobilitätsakademie mehreren Familien in der Stadt Bern während vier 3-Monats-Zyklen ein Caki-Bike zur Verfügung. Die Familien müssen das E-Velo jeweils mit mindestens einer anderen Familie teilen. Auf diese Weise wird eine möglichst hohe Auslastung der Räder erzielt. Der erste Testzyklus ist abgeschlossen. Projektleiter Alain Brügger hat von den Testfamilien überwiegend positive Rückmeldungen erhalten. «Es macht den Leuten Spass, mit dem Caki-Bike zu fahren», sagt er. Dank der guten Federung und dem starken E-Antrieb – der bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt – ist der Fahrkomfort sehr hoch. Obwohl der Platzbedarf grösser ist als bei einem normalen Velo, hatten die Testpersonen keine Schwierigkeiten, einen Abstellplatz für das Fahrzeug zu finden.

Gegenüber einem Veloanhänger, der auch oft zum Kindertransport genutzt wird, fühlten sich sämtliche Testpersonen mit dem Caki-Bike sicherer. «Die Visibilität gegenüber den Autos ist besser, und man selbst sieht die Kinder beim Fahren ebenfalls», sagt Alain Brügger. Der Raumplaner sieht noch sehr viel Potenzial in den Frachträdern. «In der Stadt ist es nicht nur für Familien, sondern auch für manche Handwerker geeignet.»

Nicht gerade billig

Allerdings hat das Gefährt auch seine Grenzen. Es ist vom Handling her eher für geübte Velofahrer geeignet, ab etwa vier Jahren wird der Laderaum für zwei Kinder zu klein, und mit rund 5500 Franken ist der Anschaffungspreis nicht gerade billig. «Dafür sind die Unterhaltskosten sehr gering, man muss keine Parkgebühren bezahlen und spart in der Stadt viel Zeit, weil man nicht lange nach einem Parkplatz suhen muss», so Brügger. Und wird das Caki-Bike geteilt, so gelte dies schliesslich auch für den Preis.

Berner Zeitung

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