Das Sensorium spielt mit der Zeit

Walkringen

Im Rüttihubelbad hat das Sensorium diese Woche seine neue Jahresausstellung «von Zeit zu Zeit» eröffnet. Rund 50'000 Personen besuchen die Wechselausstellungen jedes Jahr.

Die Nachricht von Anne-Sophie Marchal wird nach der Ausstellung vergraben. Fotos: Nicole Philipp Nur kurz ist das mit Wasser gemalte Wort auf dem Stein sichtbar. Was ein Baum alles erlebt, zeigen seine Strukturen im Holz.

Die Nachricht von Anne-Sophie Marchal wird nach der Ausstellung vergraben. Fotos: Nicole Philipp Nur kurz ist das mit Wasser gemalte Wort auf dem Stein sichtbar. Was ein Baum alles erlebt, zeigen seine Strukturen im Holz.

«Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren sehnen.» – «Wer keine Zeit hat, ist ärmer als der ärmste Bettler.» – «Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit hat.»

Diese und eine Vielzahl weiterer Zitate hängen zurzeit im Rüttihubelbad in der neuen Jahresausstellung des Sensoriums. Seit dieser Woche begrüsst das interaktive Museum seine Besucher zum Thema «von Zeit zu Zeit». Es ist die sechste wechselnde Ausstellung des Sensoriums. Dank der Jahresausstellungen verzeichnet das Museum wieder steigende Besucherzahlen, rund 50'000 Personen sind es pro Jahr.

«Die Zeit ist etwas so Abstraktes und doch allgegenwärtig», sagt Anne-Sophie Marchal. Die Kommunikationsleiterin des Sensoriums erklärt das Ziel der neuen Ausstellung: «Wir wollen versuchen, die Zeit wahrnehmbarer, greifbarer zu machen.» Dazu wurden rund zwanzig verschiedene Stationen aufgebaut, die sich dem Thema auf unterschiedliche Art und Weise nähern, die meisten von ihnen handgefertigt von Mitarbeitern des Museums.

Wort wird zur Erinnerung

In einem Raum stehen zwei Steintafeln. Anne-Sophie Marchal tunkt einen Pinsel ins Wasser und schreibt das Wort Zeit auf die Tafel. Nur wenig später ist der Schriftzug wieder verschwunden. «Die Worte sind vergänglich, sie werden im Laufe der Zeit zu Erinnerungen, und wenn sie wichtig sind, bleiben sie dort erhalten», sagt sie.

Als Gegensatz dazu zeigt Marchal auf eine andere Konstruktion. Der «Kern» ist eine Art Behälter, der Nachrichten speichern wird. Auf einer Plakette können Besucher einen Satz eingravieren, anschliessend wandert die Plakette ins Innere des Behälters. «Wir werden den Kern im Frühling 2020 im Garten beim Rüttihubelbad ein- und erst in fünfzig Jahren wieder ausgraben», sagt Anne-Sophie Marchal. Als Zeitzeuge sollen die Nachrichten dann von der vergangenen Zeit erzählen.

Ein anderer Zeitzeuge in der Ausstellung hat eine noch längere Geschichte zu erzählen. Die Scheibe eines alten Baumes wurde in einem Raum aufgestellt, die vielen Ringe im Holz weisen auf sein beträchtliches Alter hin.

Neben dem Alter gibt es in diesem Holz aber noch ganz andere Dinge, die man bei genauerer Betrachtung herausfinden kann – etwa ein Waldbrand vor so und so vielen Jahren oder dass der Baum in einer anderen Zeit stark von Insekten befallen war.

Zähflüssige Stunden

Alle Stationen zeichnen sich dadurch aus, dass es etwas zu erleben, zu machen, herauszufinden gibt. «Wir sind kein Museum für Wissenschaft, hier soll man sich mit einem Thema ganz unterschiedlich auseinandersetzen können.» Deshalb gibt es in der Ausstellung neben der messbaren auch noch andere Arten von Zeit. Wie etwa die wahrgenommene Zeit. «Wer kennt sie nicht, diese langweilige Stunde, die sich endlos hinzuziehen scheint, zähflüssig zerrinnt und kein Ende nehmen will?», fragt Marchal.

Oder die gesellschaftliche Zeit, in der alle eine gewisse Erwartung daran haben, wie viel Zeit in welcher Situation vergehen darf. Etwa bis eine Gesprächspause zu lang wird und Unbehagen entsteht oder nach wie langer Zeit wir einen Blickkontakt abbrechen, weil es sonst unanständig werden könnte.

Auch andere Beispiele aus der Gesellschaft werden in der Ausstellung aufgenommen, an allen Stationen kann der Besucher sich die Zeit vertreiben. «Nehmen Sie sich die Zeit ruhig», sagt Anne-Sophie Marchal und lacht leise über das Wortspiel.

Sensorium Rüttihubelbad, Jahresausstellung «Von Zeit zu Zeit». Läuft bis Dezember 2019.

Berner Zeitung

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