Worb

Das «Radiesli» gedeiht langsam

WorbFenchel, Karotten und Tomaten – das Gemüse auf dem Gemeinschaftsfeld des Vereins Radiesli gedeiht prächtig. Die Mitglieder können sich nicht über kleine Portionen beklagen: Die erste Ernte ist bisher gut ausgefallen.

Gärtnerin Marion Salzmann pflegt die Tomatenstauden. Einige der gelben Blüten verwelken bereits, erste Tomätchen sind zu sehen.

Gärtnerin Marion Salzmann pflegt die Tomatenstauden. Einige der gelben Blüten verwelken bereits, erste Tomätchen sind zu sehen. Bild: Andreas Blatter

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Die Tomatenstauden des Vereins Radiesli fühlen sich wohl. Dank viel Sonne schiessen sie in die Höhe wie der Blitz. Einige der gelben Blüten verwelken allmählich, Gärtnerin Marion Salzmann findet bereits die ersten Tomätchen. Und freut sich. Die Mischung aus Sonne und Regen der letzten Tage sei optimal für die Pflanzen, sagt die 39-jährige Naturpädagogin aus Worb und wickelt die Schnur, welche die Pflanze aufrecht hält, sorgfältig um die obersten Blätter.

Bernisches Tempo

Statt dass jeder zu Hause seine eigenen Pflänzchen pflegt, gärtnern die Mitglieder des Vereins Radiesli zusammen auf einem Feld im Worbboden, das etwa so gross ist wie ein Fussballplatz. Zwei teilzeitangestellte Gärtnerinnen machen einen Teil der Arbeit, aber auch die Mitglieder selber müssen mit anpacken: Auf dem Feld, beim Verpacken und Verteilen. Die Ernte wird aufgeteilt. Seit letztem Herbst besteht der Verein, vor einem Monat wurde zum ersten Mal geerntet. Später als geplant, wegen Kälte und Nässe Anfang Jahr.

Nun erhalten die Mitglieder jeden Dienstag Gemüse für zwei Personen. Dafür zahlen sie 1100 Franken pro Jahr, rund 20 Franken pro Tasche. Die Mitglieder hätten bisher grosse Portionen erhalten, sagt Marion Salzmann. Einerseits weil das Gemüse hervorragend wachse, andererseits weil sich die Ernte noch auf wenige Mitglieder verteile. Bisher wurden etwa 50 Taschen abonniert. Auf dem Feld gedeiht jedoch genug Gemüse für rund 100 Taschen. Der Verein wachse, anders als die Tomaten, in Berner Manier, sagt Marion Salzmann. «Jede Woche tröpfeln ein paar Mitglieder mehr hinein.» Viel wichtiger sei für sie jedoch, wie gut die Mitglieder auf das Projekt reagieren. «Für viele sind die Gemüsetaschen eine Entlastung», sagt Marion Salzmann. «Die Mitglieder müssen nicht überlegen, was sie kaufen wollen. Sie erhalten einfach eine Portion Gemüse und können kochen, was sich damit eben kochen lässt.»

Kunterbuntes Grün

Den ersten Tomatensalat gibts für die Mitglieder im Juli. Dann sind die Früchte reif, werden geerntet. Rote, gelbe, kleine, grosse, runde und längliche – ein wilder Mix von Tomatensorten. Es gehört zur Ideologie des Vereins, nicht nur das gängige Supermarktgemüse anzupflanzen. «Es macht Spass, mit solch einer Vielfalt von Pflanzen zu arbeiten», sagt Marion Salzmann. So trifft man auf dem «Radiesli»-Feld auf ein kunterbuntes Grün. Hier wächst alles: von Karotten, Salat und Radieschen bis Kardy, einer Art Artischocke, und Forellenschuss, einer speziellen Salatsorte mit Pünktchen auf den Blättern.

Damit die Vereinsmitglieder wissen, was sie essen, erhalten sie mit der Gemüsetasche eine Beschreibung. Auch Rezepte sind darauf.

Die Arbeit hinter der Tomate

Die Konsumhaltung der Mitglieder soll mit dem Projekt sensibilisiert werden. Dieser Punkt sei zentral, sagt Marion Salzmann. «Als Mitproduzenten sehen sie, welche Arbeit hinter dem Gemüse steckt.» Einige würden extra ihre Kinder mit aufs Feld nehmen, um ihnen die Produktion zu zeigen. «Man isst eine Tomate anders, wenn man zwei Stunden gejätet, die Pflanzen gepflegt und ihr Wachstum miterlebt hat.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.06.2012, 07:09 Uhr

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