Bern

«Das Parlament hat sachlich gearbeitet»

BernDie abtretende Stadtratspräsidentin Ursula Marti (SP) leitet am Donnerstagabend letztmals eine Sitzung. Ihre Bilanz: «Das Parlament hat viel und gut gearbeitet.»

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Ursula Marti, wie oft mussten Sie als Stadtratspräsidentin einem Parlamentarier das Mikrofon abstellen?
Ursula Marti: Nie. Doch einmal war ich nahe dran. Den Namen des Redners behalte ich für mich. Ich habe es bei einer Ermahnung belassen. Ich wollte die Situation nicht noch zusätzlich aufheizen.

Heute Abend leiten Sie zum letzen Mal eine Stadtratssitzung. Mit welchen Gefühlen treten Sie ab?
Ich bin zufrieden. Das Parlament hat viel und gut gearbeitet. Ich habe mich immer wohl gefühlt. Nun spüre ich aber eine Müdigkeit, denn das Amt ist auf die Dauer anstrengend. Ich hatte jede Woche mehrere Verpflichtungen – viele Sitzungen oder Anlässe, zu denen ich als Stadtratspräsidentin eingeladen wurde.

Wie gut war die Disziplin im Rat?
Das Parlament hat sachlich und konstruktiv gearbeitet. Aber die Pünktlichkeit wurde in der letzten Zeit zu einem Problem. Vor allem in der Abendsitzung nach dem Nachtessen. Zeitweise waren wir nicht beschlussfähig, weil die Mehrheit zu spät kam. Das ist peinlich. Diese Nachlässigkeit muss aufhören.

Weil es ein Wahljahr war, kams zu einer Vorstossflut. Hat Sie auch das gestört?
Ja. Es wurden rund 300 Vorstösse eingereicht. Das ist zu viel. Die Parlamentsmitglieder wollen mit Vorstössen oft vor allem Aufmerksamkeit erregen. Vorstösse generieren Medienberichte. Diese kann man auf Facebook oder Twitter präsentieren. Durch die grosse Menge und die Beliebigkeit der Themen verliert der einzelne Vorstoss jedoch an Gewicht.

Im neuen Jahr sind Sie wieder eine «normale» Stadträtin. Politisieren Sie anders als zuvor?
Als Präsidentin habe ich meine politischen Ansichten stark ausgeblendet und mich aufs Formale konzentriert. Ich freue mich, meinen Fokus wieder auf die Politik zu legen. Ich kenne nun das Ratsreglement äusserst gut und werde mehr Verständnis haben für die Entscheide meines Nachfolgers.

Haben Sie einen Tipp für den nächsten Ratspräsidenten Rudolf Friedli (SVP)?
Er soll er selber bleiben und gar nicht erst versuchen, es allen recht zu machen. Das Wichtigste aber ist, das Präsidialjahr zu geniessen – es ist eine einmalige Erfahrung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.12.2012, 10:05 Uhr

Ursula Marti: «Habe mich aufs Formale konzentriert.» (Bild: Christian Pfander)

Vorstossflut

Die 80 Stadträtinnen und Stadträte haben im Wahljahr rund 300 Vorstösse eingereicht (Vorjahr 262). Insgesamt wurden 436 Geschäfte behandelt (Vorjahr: 433). Bis Ende Jahr waren sieben Zusatzsitzungen, verteilt auf vier Abende, nötig. In diesem Jahr standen 71 Sachgeschäfte (10 mehr als im Vorjahr) aus dem Gemeinderat zur Debatte. Alle drei abtretenden Gemeinderätinnen wollten möglichst viele ihrer Geschäfte ins Parlament bringen. tob

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