Das Lichtspiel zieht weg aus Holligen

Bern

Die Kinemathek Lichtspiel verlässt Holligen und sucht ein neues Lokal. Für die Betreiber ist es nicht realistisch, dass der Charakter des Betriebs in der geplanten Überbauung auf dem KVA-Areal erhalten werden könnte.

Das Lichtspiel an der Bahnstrasse in Holligen. Die Kinemathek wird diesen Standort verlassen.<p class='credit'>(Bild: Susanne Keller)</p>

Das Lichtspiel an der Bahnstrasse in Holligen. Die Kinemathek wird diesen Standort verlassen.

(Bild: Susanne Keller)

Nun ist es definitiv: Das Lichtspiel zieht von der Bahnstrasse in Holligen weg und wird ein neues Lokal beziehen. Der Umzug steht in Zusammenhang mit der geplanten Grossüberbauung am Warmbächliweg. Mitte 2012 soll die neue Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) im Forsthaus ihren Betrieb aufnehmen. Am jetzigen Standort am Warmbächliweg wird damit Platz frei für Wohn- und Arbeitsraum. 2012 soll Bern über die entsprechende Zonenplanänderung abstimmen. Ab 2015 könnte, nach dem Abriss der Verbrennungsanlage, mit dem Bau des neuen Quartiers begonnen werden.

Das Lichtspiel in der ehemaligen Chocolat-Tobler-Fabrik an der Bahnstrasse beherbergt unter anderem die grösste private Kinosammlung Europas. Das Gebäude am Rand des Areals wird für die Grossüberbauung möglicherweise abgebrochen. 2009 erklärte sich der Gemeinderat in einer Antwort auf ein SP-Postulat aber bereit, sich für den Erhalt des Lichtspiels in Holligen einzusetzen – oder bei der Suche nach einem Ersatzstandort zu helfen. Letzteres passiert nun. Denn der Verein Lichtspiel, der die Kinemathek führt, hat sich «schweren Herzens» entschieden, den Standort an der Bahnstrasse zu verlassen.

Stadt hilft bei der Suche

«Grundsätzlich wären wir gerne hier geblieben, denn wir sind hier verwurzelt», sagt Lichtspiel-direktor David Landolf. Eine Möglichkeit wäre etwa gewesen, die Kinemathek in einen Neubau zu integrieren. Doch es wäre schwierig gewesen, den Charakter des Lichtspiels in einem nüchternen Neubau aufrechtzuerhalten, so Landolf.

Die Stadt hatte angedeutet, dass man den Erhalt des Lichtspiels etwa als Bedingung für den Architekturwettbewerb vorschreiben könne. Man dürfe sich aber keiner Illusion hingeben, sagt David Landolf. «Es wird ja nicht so sein, dass die Überbauung quasi um das Lichtspiel herum geplant wird.» Deshalb ist der Verein mithilfe der städtischen Liegenschaftsverwaltung auf der Suche nach einem neuen Lokal. «Ohne die Unterstützung seitens der Stadt hätten wir wohl um den Standort im Warmbächli gekämpft», erzählt Landolf. Nun ergebe sich elf Jahre nach der Gründung auch eine Chance, das gesammelte Material aus der Film- und Kinogeschichte zu sichten und sich eventuell auch von einigen Objekten zu trennen.

«Wir fürchten den Umzug nicht, wir denken, dass dadurch viel Neues entstehen kann, etwa Möglichkeiten für Ausstellungen und Workshops», sagt Landolf. Drei, vier Liegenschaften seien im Gespräch als neuer Standort. Die Verhandlungen sind laut Fernand Raval von der Liegenschaftsverwaltung weit fortgeschritten. Die Standorte nennt er nicht. Der Entscheid falle aber noch diesen Herbst.

Eine Möglichkeit ergäbe sich etwa in der früheren Strickfabrik Ryf – dem Backsteinbau vis-à-vis der Dampfzentrale. Dort werden ab Februar 2012 nämlich grössere Räume frei. Heute ist dort der Fachbereich Oper und Theater der Hochschule der Künste (HKB) untergebracht. Nach 21 Jahren verlässt die HKB nächsten Februar den Standort Sandrain und zieht an den Zikadenweg im Nordosten Berns. Dort hat die HKB bereits Räume und wird nach Umbauarbeiten über mehr Platz verfügen.

Die Miete wird höher sein

Sicher ist, dass die Finanzierung des Lichtspiels an einem neuen Standort breiter abgestützt werden muss. Die Betreiber zahlen an der Bahnstrasse eine relativ tiefe Miete. «Wir werden um Unterstützung durch öffentliche Gelder anfragen», sagt Landolf. Der Verein Lichtspiel hat seit 2008 einen Leistungsvertrag mit der Stadt und erhielt für die Jahre 2008 bis 2011 jeweils 30'000 Franken.

Berner Zeitung

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