Das Lichtspiel zieht an die Aare

Bern

Jetzt ist es definitiv: Die Kinemathek Lichtspiel zieht in die ehemalige Strickfabrik Ryff neben der Dampfzentrale. Das alte Gebäude wird zum neuen «Filmhaus Bern».

Hier entsteht das «Filmhaus Bern»: Die alte Strickfabrik Ryff an der Sandrainstrasse.

Hier entsteht das «Filmhaus Bern»: Die alte Strickfabrik Ryff an der Sandrainstrasse.

(Bild: zvg)

Die Spatzen pfiffen es schon länger von den Dächern. Jetzt ist es offiziell: Die Kinemathek Lichtspiel hat im Berner Marziliquartier ein neues Zuhause gefunden. Im kommenden Frühling zieht die Institution nach elf Jahren von der ehemaligen Chocolat-Tobler-Fabrik in Holligen in die Räume der alten Strickfabrik Ryff an der Sandrainstrasse. Bereits an der Museumsnacht vom 16.März 2012 wollen die Verantwortlichen die neuen Räume der Öffentlichkeit präsentieren.

Der Umzug wurde nötig, weil das bisherige Lokal des Lichtspiels abgerissen wird. Gemeinsam mit der Berner Liegenschaftsverwaltung habe man nun die «ideale» Lösung im Marzili gefunden, sagt Lichtspiel-Leiter David Landolf.

In den Räumen der Ryff-Fabrik ist derzeit der Fachbereich Oper und Theater der Hochschule der Künste (HKB) untergebracht. Nach 21 Jahren zieht die HKB im Februar 2012 an den Zikadenweg in den Nordosten der Stadt.

Das Lichtspiel, das dieses Jahr den mit 100'000 Franken dotierten Kulturpreis der Burgergemeinde Bern erhielt und die grösste private Kinosammlung Europas beherbergt, wird im Gebäude neben der Dampfzentrale das gesamte Dachgeschoss (1000 Quadratmeter) belegen. Fünf Berner Filmproduzenten teilen sich die Büroräume in den unteren Etagen. Bereits heute eingemietet sind Peter Guyers Recycled TV AG und das Büro für visuelle Medien. Wer die restlichen Produzenten sind, will Landolf in Bälde kommunizieren.

Aus der alten Ryff-Fabrik entstehe so das «Filmhaus Bern», in dem sich Filmproduktion-, -vermittlung und - archivierung vereinen und ergänzen, sagt der Lichtspiel-Chef. «Daraus werden weit über Bern hinausstrahlende Aktivitäten entstehen.»

Der Geist bleibt

Im neuen Filmhaus wird es eine grosse Halle geben, in der Kino, Ausstellung, Schaulager und Arbeitsplätze eingerichtet werden. Im Zwischentrakt werden unter anderem Büro, Bibliothek und Werkstatt untergebracht. Ein kleinerer Saal schliesslich bietet Raum für Workshops und Sitzungen und kann als Studio und Schnittplatz genutzt werden. Man freue sich sehr auf die bevorstehende «Metamorphose» des Lichtspiels, sagt Landolf. «Der Geist des Lichtspiels aber bleibt erhalten. Wir werden auf keinen Fall ein steriles Museum.»

Finanziert wird der Lichtspielbetrieb primär durch Subventionen. Die Stadt Bern hat den Unterstützungsbeitrag für die Periode 2012 bis 2015 kürzlich von 30'000 auf 55'000 Franken pro Jahr erhöht, Landolf verhandelt zudem mit Kanton und Bund um Leistungsverträge. Wie viel der Betrieb im neuen «Filmhaus» kosten wird, weiss der Lichtspiel-Chef noch nicht. Fest stehe aber schon jetzt, dass der städtische Beitrag nicht reicht, um die Kosten zu decken.

Aufbruchstimmung

Die Nachricht vom Umzug des Lichtspiels passt zur allgemeinen Aufbruchstimmung bei den Berner Programmkinos. Drohte etwa fürs Kino Kunstmuseum noch vor wenigen Monaten das Aus, wird der Betrieb jetzt ausgebaut. Dort wird ab Anfang Dezember jeweils an sieben statt wie bisher an vier Tagen pro Woche gespielt.

Beschlossene Sache ist seit kurzem auch, dass Kellerkino und Kino Kunstmuseum in Zukunft eng zusammenarbeiten.

Berner Zeitung

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