«Das Internet ist für den Tierhandel nicht geeignet»

Tierverkäufe via Internet boomen, wie ein Fall aus Uttigen zeigt. Dies bereitet den Fachleuten Sorgen: Viele der so angebotenen Hunde und Katzen sind nämlich illegal importiert.

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Zwischen «Tickets» und «TV» ist auf den Inserateplattformen im Internet meistens noch eine andere Rubrik zu finden: «Tiere». Auf Tutti.ch zum Beispiel werden aktuell 1374 Hunde zum Kauf angeboten. Auf Olx.ch lässt sich aus 580 Katzen auswählen. Und auf Gratis-Inserate.ch sind zusammengezählt 6345 Tierinserate aufgeschaltet.

Kurz: Tierverkäufe übers Internet boomen. Auch Amelia Bergers Familie aus Uttigen hat im Internet ihren Traumhund entdeckt: eine Französische Bulldogge für 1400 Franken. Die Familie ging die Verkäuferin – eine Frau aus Landiswil – zwar besuchen, sah den Hund dabei aber nicht. Dieser sei noch bei ihrer Tante in Tschechien, erklärte die Verkäuferin. Nachdem der Hund schliesslich in Uttigen angekommen war, zeigte sich bald, dass er krank ist. Verschiedene andere Hunde- und Katzenbesitzer machten mit der gleichen Verkäuferin ähnliche Erfahrungen.

Wirklich günstiger?

Für Peter Rub, Präsident der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft (SKG), ist klar: «Das Internet ist für den Tierhandel nicht geeignet.» Denn viele Welpen, die auf diesen Plattformen angeboten würden, seien illegal importiert worden – nicht selten aus osteuropäischen Zuchtstationen, wo die Hündinnen möglichst oft Junge werfen müssen.

Rub untermauert die Aussage mit Zahlen: Von den ungefähr 440'000 Hunden in der Schweiz haben etwa 120'000 eine offizielle Abstammungsurkunde der SKG. Bei den restlichen 320'000 kann die Herkunft nicht immer genau überprüft werden. Sicher gebe es auch seriöse Züchterinnen und Züchter, die nicht der SKG angeschlossen seien, sagt Rub. Aber es bestehe die Gefahr, an unseriöse zu geraten: an solche, die Hunde schlecht hielten. Sie nicht sozialisierten. Oder Stammbäume erfänden.

Ein Welpe aus einer Zucht, die den Richtlinien der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft entspricht, kostet durchschnittlich 2000 bis 2500 Franken. Im Internet sind Tiere häufig günstiger erhältlich. Bei Komplikationen seien aber Tierarztbesuche und Medikamente nötig, gibt Peter Rub zu bedenken. Dann ist aus der Ersparnis rasch ein Mehrpreis geworden.

«Gut überlegt?»

Lukas Bircher, Geschäftsführer des Berner Tierschutzes und Leiter des Tierheims Oberbottigen, will «Internetinserate nicht verteufeln». Schliesslich seien auch in Zeitschriften wie der «Tierwelt» Hunderte Inserate zu finden. «Wichtig ist aber, dass man ein Tier erst kauft, nachdem man es vor Ort gesehen hat.»

Wenn jemand im Heim in Oberbottigen ein Tier kaufen will, fragen Bircher und seine Mitarbeitenden jeweils: «Haben Sie sich das gut überlegt?» Sie ermuntern die Interessenten, das Tier mehrmals zu besuchen, mit ihm spazieren zu gehen und sich erst dann zum Kauf zu entscheiden.

Angebot und Nachfrage

Auch für Kantonstierarzt Reto Wyss ist klar: Solange die Nachfrage besteht, werden weiterhin Tausende Tiere über das Internet verkauft. Solche Internetverkäufe in der Schweiz zu verbieten, würde wenig bringen, sagt Wyss. «Dann würden sie einfach über eine ausländische Internetseite abgewickelt.»

Berner Zeitung

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