Das Hüttendorf im Gürbetal

Toffen

Seit Jahrzehnten hält ein Toffener Hunde, Vögel und Schafe. Für die verschiedenen Hütten benötigte er nie ein Baugesuch. Bis jetzt.

Lochacker in Toffen: Ein paar Hütten, Tiere und viel Gerümpel, aber keine Baubewilligung.?

Lochacker in Toffen: Ein paar Hütten, Tiere und viel Gerümpel, aber keine Baubewilligung.?

(Bild: Raphael Moser)

Johannes Reichen

Medienmitteilungen der Gemeinde Toffen enden immer mit dem gleichen Satz: «Fragen beantwortet gerne Ruth Rohr (Gemeindepräsidentin).» Im vorliegenden Fall um ein nachträgliches Baugesuch kann man das nicht behaupten: Gemeindepräsidentin Rohr hat keine Lust, Fragen zu beantworten. Dabei geht es um eine Sache, die viele Fragen aufwirft.

Am Rand der Gemeinde Toffen liegt der Lochacker. Ein Weg, ein paar Häuser, Gärten und Wiesen. Und schliesslich, am Ende des Lochackerwegs, ein «Ghütt». So sagt es eine Einwohnerin. Das Hüttendorf neben einem Hof besteht aus einer grosszügigen Voliere, einem Hundezwinger, einem Bienen- und einem Tomatenhaus. Und aus Gerümpel, das sich über das Areal verteilt.

Manche Bauten sind behelfsmässig mit Blachen abgedeckt. Allesamt sehen sie verwittert und verlottert aus. Sie wurden auch nicht erst gestern gebaut. Sondern vor Jahren, vor Jahrzehnten schon. Allerdings, und das ist das Seltsame an diesem Fall: Die fünf Kleinbauten wurden in all den Jahren nie von der Gemeinde bewilligt. Erst jetzt sollen sie nachträglich legalisiert werden.

Das Baugesuch

Am 21. März erschien im Gürbetaler Anzeiger eine «nachträgliche Bau- und Gewässerschutzpublikation», unterzeichnet von der Baupolizeibehörde der Gemeinde Toffen. Der Gesuchsteller wohnt zwar in Toffen, aber nicht bei seinen Tieren, sondern weiter unten im Dorf. Die «diversen Kleinbauten» stehen auf zwei Parzellen und liegen in der Landwirtschaftszone.

Der Vogelkäfig ist 20 Meter lang, 6,5 Meter breit, besteht aus «einer Metallkonstruktion aus Stahlrohren mit Drahtgeflecht» und ist «auf Gartenplatten montiert». Das Dachwasser versickert. Nach ähnlichem Muster wurden auch die Bauten für Hunde, Schafe, Bienen und Tomaten gebaut. Das Gesuch für diese Bauten liegt derzeit öffentlich auf der Bauverwaltung in Toffen auf. Es besteht aus ein paar wenigen Seiten.

Das Gesuch beinhaltet einen Übersichtsplan, auf dem die einzelnen Bauten kaum zu erkennen sind. Eine Liste mit den Eigentümern der angrenzenden Parzellen. Und Fotos der verschiedenen Bauten – sie sind alle blass und unscharf.

Die interessanteste Information hat der Gesuchsteller von Hand aufs Papier gekritzelt: das Alter der fünf Bauten. Demnach wurden Voliere, Zwinger, Bienen- und Tomatenhaus 1985 gebaut, der Schafstall 2004. So jedenfalls hat es der Eigentümer ins Baugesuch gekritzelt. Erwähnt wird auch noch ein «Spielgerät» von 1976.

Die Fragen

Das ist alles. Mehr Informationen hält das Baugesuch nicht parat. Auch nicht zu diesen Fragen:nonbreakingspaceWie kann es sein, dass diese auffälligen Bauten, bestens einsehbar von der Gartenstrasse her, so lange illegal stehen konnten? Wurde die Gemeinde nie darauf aufmerksam? Oder wurde sie es doch, unternahm aber nichts? Und wie sieht es mit dem Tierschutz aus?

Wie die Gemeindepräsidentin will auch der Gesuchsteller nicht mit der Zeitung reden. «Später», sagt er. So bleibt auch die Frage ungeklärt, warum das Baugesuch doch noch und gerade jetzt eingereicht wurde. Wer sich im Dorf umhört, erhält verschiedene Erklärungen, aber keine gesicherten Erkenntnisse. Eine Anzeige habe den Fall ausgelöst. Ein Streit wegen eines anderen Baugesuchs stehe am Anfang. Oder Luftaufnahmen der Gemeinde, die den Sünder überführt hätten.

Genau will es niemand wissen. «Es interessiert mich auch nicht», sagt eine Nachbarin. Schliesslich stellt sich am Ende doch noch heraus, was die Gemeinde auf den Plan rief: eine Umzonung des danebenliegenden Gebäudes.

Der Entscheid

Die beiden Parzellen mit den fünf Kleinbauten befinden sich in der Landwirtschaftszone. Neben anderen kantonalen Stellen ist auch das Amtnonbreakingspace für Gemeinden und Raumordnung (AGR) gefragt: «Wir müssen entscheiden, ob die Zustimmung zur nachträglichen Ausnahmebewilligung nach Raumplanungsgesetz erteilt werden kann», sagt Bauinspektor Thomas Bauer.

Dies werde in den nächsten Tagen passieren, näher äussert er sich nicht zum laufenden Verfahren. Das AGR wird die Verfügung anschliessend der Gemeinde zustellen. Auch andere Stellen des Kantons werden sich noch vernehmen lassen.

Falls das Gesuch aus Sicht des Amts nicht bewilligungsfähig ist, stellt sich dann die Frage, ob der Eigentümer die Hütten abreissen muss. Denn in der Landwirtschaftszone gilt: Sind seit der Fertigstellung eines Gebäudes mehr als 30 Jahre vergangen, kann die Gemeinde nicht mehr verlangen, dass der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wird – ausser in Ausnahmefällen, beispielsweise aus Umweltschutzgründen, sagt Bauer.

Das wäre für den Eigentümer eine gute Nachricht. Sofern die Angaben aus dem Baugesuch stimmen und keine Ausnahme gemacht wird, müsste er nur den Schafstall von 2004 abreissen. Die Voliere, das Bienenhaus, der Hundezwinger und das Tomatenhaus könnten stehen bleiben. Und das Schweigen könnte weitergehen.

Berner Zeitung

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