«Das Gurtenfestival ist ein Heimspiel»

«Mr. Gurtenfestival» Philippe Cornu erklärte im Interview am Stand der BZ, was ein gutes Festival ausmacht und warum es heute mehr erfolgreiche Schweizer Bands gibt.

Weil Liveaufritte die grosse Einnahmequelle der Musiker sind, muss Philippe Cornu kaum noch exklusive Sonderwünsche von Bands erfüllen.

Weil Liveaufritte die grosse Einnahmequelle der Musiker sind, muss Philippe Cornu kaum noch exklusive Sonderwünsche von Bands erfüllen.

(Bild: Urs Baumann)

Markus Ehinger@ehiBE

Philippe Cornu, sind Sie ein regelmässiger BEA-Besucher?Philippe Cornu: Ja, und zwar seit ich klein bin. Dieses Jahr natürlich um so mehr, weil wir in der Curlinghalle, wo sich die Stadt Bern präsentiert, zwei Bands pro Tag gebucht haben.

Was halten Sie als Eventmanager von der BEA? Ich finde, die BEA hat sich sehr gut entwickelt. Sie wurde zu einem Ort der Begegnung für Alt und Jung, für Stadt und Land.

Sie bringen jedes Jahr grosse Bands auf den Gurten. Gibt es eine Band, die Sie persönlich unbedingt einmal auf den Gurten holen möchten? Da gibts natürlich einige. Dieses Jahr hätte ich zum Beispiel gerne Tracy Chapman gebucht, aber das hat leider nicht geklappt. Dabei wurde ich sogar etwas ausgelacht im Büro, die Jungmannschaft meinte, das wolle niemand mehr hören. Beim Gurtenfestival ist es aber besonders schwierig, das Zielpublikum zu definieren, weil mittlerweile drei Generationen ans Festival kommen.

Was sind Ihre persönlichen Highlights beim diesjährigen Festival? Uns freut extrem, dass die Toten Hosen so früh zugesagt haben. Die Fantastischen Vier unplugged mit einem Orchester sind ebenfalls etwas Besonderes, Schönes, auf das ich mich sehr freue.

Was zeichnet ein gutes Festival aus? Es braucht einen guten Mix. Es braucht Headliner, die eine grosse Anziehungskraft haben. Die Fans brauchen aber auch die Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken. Das Gurtenfestival ist ein Heimspiel. 70 Prozent des Publikums kommen aus der Region Bern. Es spielt nicht nur der Faktor Musik eine Rolle, sondern auch das Soziale.

Sind die Bands auf dem Gurten zweitrangig? Das sicher nicht, das Programm spielt natürlich eine Rolle, aber das Programm und das Soziale sind die treibenden Kräfte dieses Festivals. Neben der besonderen Lokalität des Festivals natürlich.

Haben die grossen künstlerischen Acts auf dem Gurten auch grosse Sonderwünsche? Es gibt eigentlich nur sehr wenige Anekdoten zu solchen Sonderwünschen. Für die Musiker sind Liveauftritte die grosse Einnahmequelle. Mit den CD-Verkäufen verdienen Sie heute nicht mehr so viel Geld. Die Bands wissen genau, dass es sie nicht weiterbringt, wenn sie sich besonders schwierig anstellen.

Letztes Jahr waren 76'000 Besucher am Gurtenfestival. Wann stossen Sie an die Kapazitätsgrenze? Die maximale Tageskapazität von 20'000 Besuchern ist seit Jahren gegeben. Ab Freitag ist das Festival in der Regel ausverkauft. Nur am Donnerstag hat es manchmal mehr oder weniger Leute.

Vor 15 Jahren gab es nur eine Handvoll Schweizer Künstler, die von der Musik leben konnten. Heute ist diese Liste viel länger. Warum hat sich dies geändert? Wir Schweizer hatten oft den Eindruck, dass Bands aus Frankreich, England oder den USA einfach besser sind. Das galt auch für uns als Veranstalter. Mit der Zeit haben wir aber gelernt, dass wir gar nicht so schlecht sind. Das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen der Bands haben sich in den letzten Jahren verändert.

Heute Mittwoch (15 Uhr) ist SCB-General Marc Lüthi Interviewgast am Stand der Berner Zeitung in der Festhalle.

Am Donnerstag (15 Uhr) stellt sich Luca Hänni den Fragen der BZ.

Berner Zeitung

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