Das Freizythuus feiert Jubiläum

Münsingen

Seit fünfzig Jahren kann geschreinert, genäht, gebastelt und Keramik herstellt werden – im Freizyt­huus steigt ein Fest. Die Nachfrage sei ungebrochen, so die Verantwortlichen.

Immer am Dienstag: Es wird genäht. Kinderkleider, Mäntel, Kostüme und Blusen entstehen im Münsinger Freizythuus.

(Bild: Andreas Blatter)

Im Dorfzentrum von Münsingen steht das alte Bauernhaus, an dessen Vorderfront steht, was drin ist: das Freizythuus. In der gut ausgerüsteten Werkstatt können die verschiedensten Arbeiten erledigt werden. «Es kommen Leute jeden Alters zu uns», sagt Hanni Pfander-Waber, die Mitglied der Geschäftsleitung ist und in einem 60-Prozent-Pensum die ganze Administration erledigt.

Sie weiss, dass in der Werkstatt jährlich zwischen 2500 und 2800 Besucher verzeichnet werden. Beim Nähen und Basteln sowie im Keramikatelier wurden je 800 bis 1000 Besuche registriert. «Unser Angebot ist also gefragt», sagt Hanni Pfander-Waber. Wie immer am Dienstag arbeiten im ersten Stock die Frauen. Sie nähen die verschiedensten Sachen.

Es begann vor fünfzig Jahren

«Ich mache zurzeit grad ein etwas kompliziertes Kleid», sagt Brigitta Müller. Und da sei sie ab und zu auf die Hilfe von Jeannette Nyd­egger angewiesen, die das Nähatelier leitet und Ratschläge erteilt, wo sie gebraucht werden. Sie komme seit rund drei Jahren regelmässig hierher.

«Es sind gute Frauen da, ich kann mich ins­pirieren lassen und erhalte viele gute Tipps», fasst Brigitta Müller ihre Beweggründe zusammen. Tinka Buchli, die schon als Kind mit ihrer Mutter im Nähatelier anzutreffen war, näht heute ­viele Kinderkleider selber und führt darum die Familientradition weiter.

Apropos Tradition: Darüber verfügt auch das Münsinger Freizythuus. Es besteht seit fünfzig Jahren. Am 21. Januar im Jahr 1967 wurde das Freizeitwerk, wie es damals noch hiess, im ehemaligen Kindergarten Bundacker eröffnet. Die Gemeindeversammlung genehmigte vorgängig einen Kredit von 28'500 Franken. Das reichte damals aus dafür, eine Werkstatt einzurichten, die auch sofort von Hunderten Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen frequentiert wurde.

Der damals in einem halben Pensum angestellte Walter Bartl wurde bald einmal zu hundert Prozent beschäftigt, es kamen Bastelsaal und Webstühle dazu, und die Besucherzahlen stiegen und stiegen. Im Jahr 1979 bezog das Freizythuus beim Schlossgut das Bauernhaus, in dem es heute noch zu finden ist.

Der Zivi näht Jongliersäckli

Wer im Freizythuus tätig sein will, bezahlt pro Halbtag 9 Franken. Es wird ein Abo angeboten, mit dem der gleiche Halbtag für 6.50 Franken zu haben ist. «Es ist aber unmöglich, unser Freizyt­huus kostendeckend zu führen», erklärt Hanni Pfander-Waber.

Die Mitarbeitenden sind von der Gemeinde angestellt, welche auch die Löhne bezahlt. So entsteht ein Defizit. «Aber wir organisieren auch den Ferienpass und die Kunstgewerbe- und Hobbyausstellung.» Und das Kerzen­ziehen vor Weihnachten – «das alles kostet auch». So sei das Freizythuus nicht allein für das De­fizit verantwortlich.

In der Zwischenzeit ist bei den Frauen im ersten Stock der angekündigte Besuch angekommen. Dominik Ramseyer, der 20-jährige Zivildienstleistende der Jugendfachstelle, soll Jongliersäck­li nähen. Zwar habe er seit der sechsten Klasse nicht mehr genäht, doch das sei wie Velofahren, das verlerne man nicht so schnell, ist er überzeugt.

Schon steht er vor den Schachteln mit verschiedensten Stoffresten und trifft seine Wahl. Auch er wird an diesem Vormittag wohl die Hilfe von Jeannette Nydegger in Anspruch nehmen.