Das Churchill-Pub macht dicht

Grossaffoltern

Es war der einzige Ort, wo sich die Dorfjugend zum Feiern treffen konnte: Ende April schliesst das Churchill Pub.

<b>Das Churchill Pub wird verschwinden,</b> die Profile für den Neubau stehen schon.<p class='credit'>(Bild: Franziska Rothenbühler)</p>

Das Churchill Pub wird verschwinden, die Profile für den Neubau stehen schon.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Ein Dienstagabend, kurz nach halb 5. Die Wintersonne wirft für diesen Tag ihr letztes Licht durch die Fenster auf die roten Spannteppiche und die abgenutzten Barhocker. Sie sind typisch, genau so wie der Flipper- und der Töggelikasten,  die Plüschsofas, die Spiegel an der Wand und der Geruch nach kaltem Rauch: Typisch für ein Pub auf dem Land.

Ein paar junge Frauen trinken Bier, lachen, spielen Dart. An der Bar sitzen Männer und trinken ihr Feierabendbier. Bald müssen sie dafür an einen anderen Ort ausweichen: Das Churchill Pub in Vorimholz, Gemeinde Grossaffoltern, schliesst Ende April seine Türen. Die Besitzerin, Susanne Egger, hat die Liegenschaft verkauft. Noch in diesem Jahr soll das Gebäude abgerissen werden und Platz machen für ein Mehrfamilienhaus.

Konflikt mit den Nachbarn

Susanne Egger und ihr Mann haben das Churchill Pub vor 28 Jahren gekauft. In der Zeit waren sie ebenfalls Pächter des Restaurants Krone in Aarberg und bereits Inhaber des Rössli Pubs, ebenfalls in Aarberg. Egger: «Wir führten parallel drei Betriebe.» Bald schrumpft das Kleinimperium auf das Pub in Aarberg.

«Das Churchill ist ein Nullsummenspiel», sagt Egger. «Im Sommer läuft zu wenig, im Winter muss man das Defizit mit Mühe und Not wieder wettmachen.» Im Gebäude in Aarberg hingegen würden sich wenigstens noch eine Bäckerei sowie eine vermietete 5-Zimmerwohnung befinden, das bringe Geld in die Kasse.

Die Lage im Weiler Vorimholz habe sich vor einigen Jahren verschlechtert, so Egger, als terrassenseitig neben dem Pub eine Neubausiedlung entstand. Familienleben und Barbetrieb in unmittelbarer Nachbarschaft: Es kam zu Konflikten und Lärmklagen, hauptsächlich im Sommer, und die zogen Auflagen der Gemeinde nach sich. «Somit durften wir auf der Terrasse keine Musik mehr hören», sagt Susanne Egger.

Die Situation wurde für die Inhaberin zusätzlich unbefriedigend, als sich das langjährige Pächterpaar trennte und sich vom Churchill zurückzog. Von da an musste Egger auf eigene Rechnung wirtschaften. Und jetzt hat sie, bald 65, zweifache Grossmutter und unternehmungslustige Frau, für die nächsten Jahre andere Pläne.

«Ich und meine Töchter, die ältere führt das Rössli in Aarberg, besprachen das Ganze und kamen zum Schluss, dass ein Verkauf am meisten Sinn macht.» Susanne Egger schaltete ein Inserat.

Und war erstaunt, wie rasch die Liegenschaft einen Käufer fand. Ein Belper Unternehmer wird das Haus niederreissen und ein Mehrfamilienhaus bauen lassen. Die Profile stehen bereits. Egger: «Der Verkauf ist abgewickelt. Läuft alles nach Plan, wird auf der Parzelle noch in diesem Jahr gebaut.»

Beliebt bei den Jungen

Das Churchill Pub hat in Grossaffoltern seinen festen Platz. Vor allem die Dorfjugend trifft sich in dem alten Haus an der Hauptstrasse zum Feiern, aber auch der Gemeinderat kehrt nach seinen Sitzungen dort ein – unter dem Strich ist das Publikum bunt gemischt. Ihnen allen wird der Ort fehlen, sagt Gemeindepräsident Niklaus Marti (BDP). «Das Pub ist sehr beliebt, auch meine Tochter und alle ihre Freunde kehren regelmässig dort ein.»

Alternativen wird es keine geben. Das Restaurant Kreuz gegenüber des Pubs ist seit Jahren eine Kita, als einzige Beiz im Dorf bleibt die Traube. Marti: «Aber eine Beiz ist kein Pub. Die Jungen wollen dort nicht rein.»

Berner Zeitung

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