Das Beste kommt zum Schluss

Bern

Im Traktandum Verschiedenes wird über den Samichlaus gestritten, über die Dorfbeiz oder einen Müllcontainer. Häufig ist es die Grande Finale einer Gemeindeversammlung. In Belp ging es kürzlich um frierende Badigäste.

Eine statt zwei Pumpen erwärmten im Mai das Badewasser im Giessenbad. Darum war es einige Grad kälter, als in anderen Jahren. Das führte zu Diskussionen an der Gemeindeversammlung.

Eine statt zwei Pumpen erwärmten im Mai das Badewasser im Giessenbad. Darum war es einige Grad kälter, als in anderen Jahren. Das führte zu Diskussionen an der Gemeindeversammlung.

(Bild: Jürg Spori)

Dominik Galliker@DominikGalliker

Sie können einem schon leidtun, die Lokalpolitiker. Sie schmeissen den Laden, und wenn sie an der Gemeindeversammlung darüber berichten, kommt keiner hin. Nur weil auf der anderen Seite der Erde der Ball rollt. Gegen fliegende Holländer, tanzende Ghanaer und blutende Schweizer kommen sie nicht an, die Politiker. In Belp kam weniger als ein Prozent der Bevölkerung. Das Programm konnte sie nicht vom Sofa locken. Gemeinderechnung – langweilig. Kreditabrechnung – langweilig. Zonenplan mit Naturgefahren – langweilig. Raum für Überraschungen gab es höchstens im Verschiedenen, in der Wundertüte unter den Traktanden, der Showbühne für Mitdenker und Stürmis.

Heutiges Thema: Badiwasser. Stets wurde das Belper Badiwasser schon vom ersten Tag der Saison an auf 22 Grad Celsius erwärmt. Heuer aber, das blieb nicht unbemerkt, fror man sich im Freibad regelrecht die Füdlibacken weg, war das Wasser doch nur 20 Grad warm. Resultat: eine schriftliche Anfrage. Die Misere dauerte von der Eröffnung des Bades Anfang Mai bis in die Mitte des Monats hinein, wie Gemeinderat Benjamin Marti (SVP) mit einer Tabelle auf der Leinwand illustrierte. Und: Sie betraf 15 bis 20 Leute pro Tag, die schon im Mai ins Freibad gehen.

Man sah Marti an, dass er den Fragen den nicht so recht verstand. Aber er gab sich Mühe, die Frage trotzdem gewissenhaft zu beantworten. Der Grund für die Frösteltemperaturen, führte Marti aus, sei einfach: Zwei Wärmepumpen sorgen im Belper Bad für warmes Wasser, und die sind leider ziemlich alt. «Sie zu erneuern, liebe Leute, das kostet dann richtig Geld», sagte Marti. Bis ein Projekt steht, müssen die alten Pumpen irgendwie durchhalten. Deshalb legt man den Schongang ein und lässt teilweise nur eine Pumpe laufen. So spare man zusätzlich Energie. Auch gut.

Nicht gut, fand ein Mann, der sich zu Wort meldete. Für Leute in seinem Alter gingen 20 Grad gerade noch so «häb chläb», argumentierte der Mann mit weisser Mähne. Aber für ältere sei das zu kalt. «Spart doch das Geld und die Energie lieber damit, dass ihr das Bad später öffnet.» Weitere Äusserungen gab es nicht. Und auch keine weiteren Eingaben. «Nun gut», fand Benjamin Marti. «Wenn unser einziges Problem ist, dass das Wasser einen halben Monat lang nur 20 Grad warm ist, dann scheint es uns gut zu gehen.» Damit war die Gemeindeversammlung geschlossen. Und wer sich beeilte, der sah noch ein gutes Stück vom Match Kolumbien gegen Elfenbeinküste. Die erste Hälfte war ohnehin: langweilig.

Berner Zeitung

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