Cowboys trotzten dem Regen

Riggisberg

Countrymusik, Lassos und gute Stimmung: Die Cowboys und Cowgirls liessen sich vom schlechten Wetter den achten Cowhorse Day in Riggisberg nicht verderben.

Wegen des rutschigen Bodens lassen sich die drei Kühe, die von der Herde abgetrennt werden müssen, kaum mehr bändigen. Hier ist Juan Garcia von den Nightlatchers Cowboys am Werk.

Wegen des rutschigen Bodens lassen sich die drei Kühe, die von der Herde abgetrennt werden müssen, kaum mehr bändigen. Hier ist Juan Garcia von den Nightlatchers Cowboys am Werk.

(Bild: Nadia Schweizer)

Das Wasser sammelt sich in der Hutkrempe und tropft auf das Pferd. Unentwegt regnet es. Die Hufe der Pferde haben die Grasnarbe längst aufgerissen – der Boden ist braun, matschig und rutschig. Dany Baumann scheint das alles nichts auszumachen. Anders als viele ihrer Kollegen trägt sie keinen Regenschutz, sondern präsentiert ihre Cowgirlkluft. Zu dieser gehören natürlich die «Chaps», das charakteristische lederne Beinkleid mit den Fransen. Sichtlich entspannt sitzt sie auf ihrem Pferd und lässt die vergangenen acht Minuten Revue passieren. «Es war in Ordnung. Wir haben es aber leider verpasst, den Kühen das Lasso über den Kopf zu werfen», sagt sie. Dann trabt sie von dannen – es wartet der nächste Lauf.

Widerspenstige Kühe

Dany Baumann reitet mit der Windy-Hill-Equipe. Das Trio aus dem freiburgischen Heitenried ist eines von über 30 Teams aus der ganzen Schweiz, das am achten Cowhorse Day in Riggisberg teilnimmt. Sie messen sich im sogenannten Cowhorsing: Drei auf Pferden reitende Cowboys müssen dabei aus einer 15 Kühe umfassenden Herde 3 Tiere ausscheiden. Anschliessend treiben die Reiter die Kühe durch ein Tor auf einen Parcours. Dort geht es darum, die Tiere an bestimmten Hindernissen vorbeizuleiten und sie dazu zu bringen, einen etwa zwei Meter breiten Holzsteg zu überqueren. Zuletzt versuchen die Teilnehmer, den Tieren ein Lasso um den Hals zu werfen. Das klingt martialischer, als es ist: «Die Lassos sind präpariert, das sie sich sofort lösen, wenn sie festgezogen sind. Den Tieren passiert also nichts», beruhigt Nicole Mollet vom Organisationskomitee. Und wer gewinnt das Turnier? «Diejenigen, die am schnellsten den Parcours absolvieren und dabei am meisten Punkte gesammelt haben.»

Der strömende Regen stellt die Teilnehmer vor eine echte Herausforderung. Am frühen Samstagmorgen gelingt es den Cowboys noch häufig, die Tiere um die Hindernisse zu leiten, einige können die Kühe gar über den Holzsteg bugsieren. Später aber schaffen es die Cowboys kaum noch, drei Rinder aus der Herde abzutrennen – zu widerspenstig sind sie geworden. Sind die Kühe erst am späteren Morgen aufgewacht? «Nein», klärt Mollet auf. «Es ist vor allem so, dass sie der Regen zum Herumtollen animiert. Entsprechend sind sie schwieriger zu kontrollieren.»

Viele Cowgirls

Westernstimmung und Lagerfeuerromantik – davon ist wetterbedingt nicht viel zu sehen. Trotzdem sieht man überall lachende Gesichter. Man sieht sich schliesslich nicht oft: Der Event in Riggisberg ist der einzige seiner Art in der Schweiz. Und so meldeten sich laut Nicole Mollet nur wenige Teams ab. Etwas düsterer sieht es bei den Zuschauern aus. Es scheint, als habe der Regen viele Besucher abgehalten: «Das ist so», bestätigt Mollet: «In den letzten Jahren war die Anlage jeweils zum Bersten voll.»

Was auffällt: Man sieht nicht nur toughe Cowboys, die mit ihrer Aufmachung wie Westernhelden aussehen. Es gibt auch erstaunlich viele Cowgirls: «Etwa die Hälfte der Teilnehmer ist weiblich», bestätigt Dany Baumann. Das Cowgirl hat sich vom Pferd geschwungen und wärmt sich mit einem traditionell gebrühten «Cowboy-Coffee» auf. «Jetzt bin ich ganz zufrieden mit unserer Leistung. Wir konnten sogar drei Kühe über den Holzsteg bugsieren», resümiert Baumann.

In der Schweiz wird Cowhorsing als Sport betrieben. «In Nordamerika wird nach wie vor auf diese Art gearbeitet», erzählt Mollet. Dann wendet sie sich wieder dem Parcours zu. Dort spielt sich eine kuriose Szene ab: Eine Kuh macht sich kurzerhand über ein Hindernis her. Sie reisst die Hülle auf und frisst das Stroh, aus dem das Objekt besteht. In diesem Lauf sind ganz offensichtlich die Kühe Sieger.

Berner Zeitung

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