Gantrisch

Claudia Meier lässt das Schwefelbergbad hinter sich

GantrischEin Thuner Unternehmer wird neuer Besitzer des Viersternhotels Schwefelbergbad im Gantrisch. Der Verkauf des Betriebs hat mit dem Lebenslauf von Hoteldirektorin Claudia Meier zu tun: Vor eineinhalb Jahren hatte sie ihr Coming-out als Transsexuelle.

Schwefelbergbad aus der Vogelperspektive. Zum Hotel (Bildmitte) gehört auch viel Land und ein Skilift. Mehr als 40 Jahre lang führte die Familie Meier den Betrieb.

Schwefelbergbad aus der Vogelperspektive. Zum Hotel (Bildmitte) gehört auch viel Land und ein Skilift. Mehr als 40 Jahre lang führte die Familie Meier den Betrieb. Bild: Andreas Blatter

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«Das ist das Allerwichtigste für mich», sagt Claudia Meier und lächelt: «Ich durfte verkaufen, ich musste nicht.» In diesen Wochen hat die Hoteldirektorin die Verträge unterschrieben. Das Viersternhaus Schwefelbergbad im Gantrischgebiet ist verkauft. Neuer Besitzer ist der Unternehmer Peter Ammann, der in Hilterfingen die Generalunternehmung Globalbau AG führt. Ammann hat nicht einfach ein Hotel gekauft. Zum Schwefelbergbad gehören auch ein Skilift und ziemlich viel Land.

Der Verkauf überrascht manchen in der Gantrischregion. Aber er passt zur Lebensgeschichte von Claudia Meier. Eineinhalb Jahre ist es her, dass im Schwefelbergbad erstmals die Hoteldirektorin Claudia Meier am Empfang stand – und nicht mehr Andreas Heribert Meier wie in zehn Jahren zuvor. Es war der Zeitpunkt, als «Claudia» an die Öffentlichkeit trat, nachdem sie zuvor nur abends, nur heimlich, nur im Versteckten existiert hatte. Es war der Moment, als Andreas Meier sein Coming-out als Transsexuelle hatte.

Verkauf dank Coming-out

Seither ist vieles passiert. Claudia Meier kämpfte mit den Behörden darum, dass in den offiziellen Papieren Claudia steht und sie bei den Behörden als Frau akzeptiert wird, auch wenn sie noch keine geschlechtsangleichende Operation gemacht hat. Dieser Kampf ist noch im Gang. Im Rückblick sagt sie, dass der Verkauf ohne das Coming-out nie möglich geworden wäre. «Der Schwefelberg war über die Jahre ein guter Ort, um mich nicht mit mir selber und meinen Zielen auseinandersetzen zu müssen», sagt die 43-jährige heute. Immer habe es etwas zu tun gegeben im abgelegenen Betrieb, den sie im Jahr 2000 von ihren Eltern übernommen hat. Im Betrieb, in dem sie jeden Nagel kennt, weil sie viele Arbeiten und Renovationen selber durchführte.

Von Andreas zu Claudia

Das Coming-out veränderte das Gesicht des Schwefelbergbads. Aus dem für die Gäste wenig zugänglichen Andreas war die lebenslustige Claudia geworden, die schnell mit Gästen ins Gespräch kommt. Hunderte Rückmeldungen hat sie zu ihrem Schritt erhalten. Stammkunden erinnerten sich wegen ihrer öffentlichen Auftritte wieder an das Schwefelbergbad und reisten wieder einmal in die Gantrisch-region. Über solche Stammgäste kam auch der Kontakt zu Peter Ammann zustande. Es sei ein «guter Preis», den Ammann zahle, sagt Claudia Meier und erzählt: «Früher gab es Phasen, in denen ich dachte, jetzt muss ich das Hotel verkaufen, es geht nicht mehr weiter. Nun aber gab es keinen Druck.»

Peter Ammann möchte den Betrieb laut Meier im gleichen Rahmen weiterführen. Ammann gehört die Gastroimpuls Management AG, er ist Besitzer von mehreren Betrieben wie etwa dem Bellevue Au Lac in Hilterfingen oder der Krone in Uetendorf, die im Februar nach zwei Jahren mit geschlossenen Türen mit neuen Besitzern wieder öffnete. Ammanns Globalbau AG baute zudem das Beo-Center in Spiez.

Der Unternehmer hat das Schwefelbergbad nun zwar gekauft, will und kann es aber nicht selber führen, wie Claudia Meier sagt. Sie selber werde den Betrieb deshalb sicher bis Oktober weiterführen, «und dann in Absprache mit Amman die Saison beenden». Ammann sei auf der Suche nach einer geeigneten Person, die den Betrieb ab dann in Pacht führen wird. Selber äusserte sich Peter Ammann nicht zu den Plänen.

40-jährige Ära Meier beendet

Wenn Claudia Meier den Schwefelberg im Herbst verlässt, geht die über 40-jährige Ära Meier zu Ende. 1968 hatten ihre Eltern Anni und Heribert den Betrieb übernommen, 1973 kauften sie die Liegenschaft. Die Nachricht, dass sie verkaufe, hätten sie gut aufgenommen, sagt Claudia Meier. «Wir standen im Stierenmoos, unserer Alp, als ich meinem Vater davon erzählte.» Er habe sie lange angeschaut und dann gesagt: «Das wird Zeit. Ich hätte das schon früher machen sollen.» Claudia Meier selbst erzählt entspannt und nüchtern über den Handel. Wahrscheinlich, weil er eben ihrem Lebenslauf entspricht.

Im letzten Jahr hat sich in ihrem Leben so viel verändert wie in Dutzenden Jahren vorher nicht. So entstand viel Platz für neue Ideen. Auch für jene eines kleinen Betriebs mit spanischem Ambiente, «einfach herzlich, kommunikativ und gut», den sie am liebsten in der Berner Altstadt eröffnen möchte. Vorerst soll dies ein zweites Standbein sein. Die diplomierte Betriebswirtschafterin kann sich verschiedene Beschäftigungen vorstellen. Demnächst bezieht sie eine Wohnung in Bern. Wenn ihre Gastroidee funktioniert, kann sie sich vorstellen, das Konzept auf andere Städte auszuweiten. «Und nach zehn Jahren ziehe ich Bilanz, ob das klappt oder nicht», sagt sie und lacht. Oder sie wandere vorher nach Spanien aus.

Sie sagt selber: Als Andreas Meier würde sie diese Pläne wohl nie umsetzen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.06.2012, 09:38 Uhr

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