Charlotte von Graffenried ist gestorben

Bern

Die Ethnologin und ehemalige Kuratorin des Historischen Museums Bern ist gestorben. Charlotte von Graffenried war dreifache Mutter und forschte in Afrika.

Charlotte von Graffenried in Nordkamerun.

Charlotte von Graffenried in Nordkamerun.

(Bild: zvg)

Charlotte von Graffenried-von Muralt wurde 1930 in Boston als Tochter des Medizinprofessors Alexander von Muralt geboren. Mit 21 heiratete sie Charles von Graffenried, Gründer der von Graffenried Gruppe GR. Drei Kinder kamen zur Welt. Als junge Mutter absolvierte sie ein Studium in Ethnologie, Urgeschichte und Religionswissenschaft, das sie Jahre später, nach der Trennung von ihrem Mann, wieder aufnahm, mit Feldforschungen im Mandara-Bergland Nordkameruns ergänzte und mit einer Dissertation abschloss.

In den 1950er- und 1960er-Jahren kannte man sich in Bern. Der Reiseschriftsteller und Fotograf René Gardi und Hans-Georg Bandi, Ordinarius für Ur- und Frühgeschichte, engagierten sich dafür, dass die Kunsthalle Bern erst kurz zuvor entdeckte algerische Felsmalereien ausstellte. Archäologie, Afrika – beides zog Charlotte von Graffenried an. Beides war für sie Ferne, war das Andere, das ihr schliesslich erlaubte, ihrem bürgerlichen Leben einen anderen Dreh zu geben. Für die Kunsthallen-Ausstellung stellte sie die Texte für den Katalog zusammen.

Forschung in Nordkamerun

Die 1970er-Jahre waren die Epoche der intensiven ethnologischen Feldforschung. Charlotte von Graffenried tat genau dies. Bei ihrer Abreise 1978 nach Nordkamerun war sie nicht mehr jung, sondern hatte bereits drei erwachsene Kinder. Zielort waren die Mandara-Berge südlich des Tschadsees. Es muss kein Zuckerschlecken gewesen sein, all die Monate mit Bergbauern und Hirsebiertrinkern zu verbringen.

Aber für Charlotte von Graffenried waren die 15 Monate bei den Gemjek und Zulgo von entscheidender Bedeutung. Mit ihren Kontakten half sie später, Geld für das Projekt «Zebu und Pflug» zu sammeln, das im Bau eines Schulhauses in Mokolo gipfelte. Weiterhin engagierte sie sich in der Schweizerischen Afrika Gesellschaft (SAG/SSA), wo sie von 1984 bis 1990 das Präsidium innehatte. Ihre Tätigkeit am Historischen Museum Bern (1984–1992) schloss sie ab mit einer Ausstellung über die Goldgewichts-Sammlung aus Ghana.

Berufliche Werdegänge lassen sich skizzieren; sie werden aber der Verstorbenen nicht gerecht – bleibt sie doch den meisten durch ihre Generosität und Warmherzigkeit, ihr soziales Engagement für Afrika sowie durch ihre lebhafte Neugier an allem Menschlichen in Erinnerung. Ihre letzten sechs Lebensjahre verbrachte sie in einem Heim in der Elfenau, an Alzheimer erkrankt.

Berner Zeitung

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