Bussen spülen Geld in die Könizer Kasse

Köniz

Manche mögen es als Schikane empfinden, doch es hat gut funktioniert: Durch intensivere Tempokontrollen hat die Gemeinde Köniz letztes Jahr rund 420'000 Franken mehr Bussengelder eingenommen.

Viele fahren zu schnell: Der Blechpolizist an der Kirchstrasse in Wabern ist immer noch eine zuverlässige Einnahmequelle für die Gemeinde.

Viele fahren zu schnell: Der Blechpolizist an der Kirchstrasse in Wabern ist immer noch eine zuverlässige Einnahmequelle für die Gemeinde.

(Bild: Urs Baumann)

Lucia Probst

Es war der grösste Einzelposten im aktuellen Sparprogramm. Und auch einer der umstrittensten: 550'000 Franken wollte der Könizer Gemeinderat letztes Jahr durch verstärkte Tempokontrollen einnehmen. Das hat unter anderem auch das Parlament kritisch beäugt. Der Vorschlag erntete dort einige hämische Bemerkungen.

Doch nun zeigt sich: Die Busseneinnahmen sind tatsächlich markant gestiegen. 2016 spülten Tempokontrollen rund 420'000 Franken mehr in die Gemeindekasse als im Jahr zuvor. 1,33 Millionen waren es insgesamt. Einfach so ist das nicht passiert. Köniz hat dafür die Kontrollen ­massiv intensiviert: Seit Mitte November 2015 werden alle fünf stationären Blechpolizisten konstant betrieben. Seit einem Jahr sind zudem zwei statt eine semistationäre Anlage in Betrieb. Diese stehen wechselnd an 18 definierten Standorten in der Gemeinde. Das hat sich ausbezahlt.

Ohne Fehler keine Busse

«Wer mehr kontrolliert, nimmt mehr Bussengelder ein – das ist eindeutig», zieht der zuständige Gemeinderat Urs Wilk (FDP) zufrieden Bilanz. «Ich stehe dazu, dass wir mit der Massnahme mehr Geld hereinholen wollten.» Sie trage aber auch zu mehr ­Sicherheit auf den Strassen bei. Böse Mails und Kritik erhielten Wilk und seine Mitarbeiter immer wieder. «Wer sich korrekt verhält, wird nicht gebüsst», erwidere er den Leuten jeweils, sagt Wilk. Er könne deren Ärger durchaus nachvollziehen. «Es ärgert mich auch, wenn ich eine Busse erhalte.» Trotzdem findet er: «Eine Schikane ist diese Massnahme nicht.»

Vier der fünf stationären Anlagen stehen in der Nähe von Schulhäusern und sollen dort die Verkehrssicherheit erhöhen. Wo die semistationären Anlagen in Betrieb sind, gibt das Polizeiinspektorat jeweils in der «Könizer Zeitung» bekannt. Derzeit stehen sie an der Mühlestrasse in Oberwangen und an der Eichholzstrasse in Wabern. Wer sich als Autofahrer etwas schlau macht, weiss also, wo Vorsicht geboten ist.

«Immer mehr Leute kennen die Standorte der Anlagen», sagt Urs Wilk. Ein Lerneffekt sei durchaus vorhanden. Trotzdem liefert der Blechpolizist an der Kirchstrasse immer noch konstant hohe Einnahmen, obwohl er seit Jahren am gleichen Ort steht. Stark zurück gingen hingegen die Bussen in der Tempo-30-Zone an der Hessstrasse im Liebefeld.

Noch mehr budgetiert

Mit dem Geld aus Geschwindigkeitskontrollen rechnet die Gemeinde weiterhin. Für dieses Jahr sind 1,55 Millionen Franken budgetiert. Ob man nochmals 220'000 Franken mehr einnehmen kann, bezweifeln aber offenbar auch die Verantwortlichen. Sie schlagen vor, im Budget 2018 dann die rund 1,3 Millionen Franken als Basis zu nehmen, welche die Gemeinde letztes Jahr eingenommen hat.

Berner Zeitung

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