Bundeszentrum in Bern wäre konsequent

Tobias Marti, Redaktor im Ressort Stadt Bern, über die Pläne von Kanton und Bund, im Zieglerspital ein Asylzentrum zu eröffnen.

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Soll aus dem Zieglerspital ein Asylzentrum des Bundes oder «nur» ein kantonales Durchgangszentrum werden? Darüber entscheidet der Berner Gemeinderat demnächst. Es wäre konsequent, wenn er die Bundesvariante wählt. Der Kanton würde profitieren, weil er vom Bund nur noch die Hälfte der heutigen Zahl Asylbewerber zugewiesen bekäme. Und die unterirdische Asylunterkunft Hochfeld in der Länggasse würde – ganz im Sinne der Stadt – geschlossen.

Mehr Asylsuchende, mehr Wechsel und eine längere Betriebsdauer – ein Asylzentrum des Bundes stellt jede Gemeinde und die betroffene Nachbarschaft vor besondere Herausforderungen. Dem Gemeinderat wird dies bewusst sein. Nun ist es aber an ihm, mit gutem Beispiel voranzugehen. Bei der derzeitigen Flüchtlingskrise wäre es ein falsches Zeichen an andere Gemeinden, wenn Bern mit seinem rot-grün dominierten Gemeinderat stur seine eigene Agenda verfolgt.

Es ist bekannt, dass im Zieglerspital längerfristig Wohnungen gebaut werden sollen. Auf ihre eigenen Interessen und Pläne muss die Stadt wegen des Bundeszentrums nicht verzichten. Bis die Wohnungen gebaut würden, vergingen aber mindestens noch zehn Jahre. Nichts spricht also dagegen, dass die Stadt zwei Dinge parallel macht – mittelfristig zwischennutzen und längerfristig planen. Bei der alten Feuerwehrkaserne Viktoria hat man das verpasst. Dort begann die Stadt erst zu planen, als der letzte Feuerwehrmann das Gebäude verlassen hatte. Nun kann der Gemeinderat es beim Ziegler besser machen und vorausschauend handeln.

Bund und Kanton sind auf freiwillige Gemeinden wie Bern angewiesen. Der Gemeinderat sitzt also am längeren Hebel. Dies gilt es auszunutzen. Es müssen klare Regeln abgemacht werden – vor allem über die Dauer der Zwischennutzung. Bern hat es selber in der Hand. Die Bundesstadt kann im Grossen helfen und gleichzeitig ihre eigenen Ziele verfolgen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.10.2015, 20:26 Uhr

Tobias Marti, Redaktor
tobias.marti@bernerzeitung.ch

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